Pflanzenschutz aktuell

20.05.2020 • Fungizide

Leitfaden für die Ährenbehandlung 2020

Marina Mellenthin

Dr. Marina Mellenthin

Marketing Managerin für Getreidefungizide

Sichern Sie die Qualität Ihrer Ernte!

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Die Ährenbehandlung richtet sich vor allem am Fusariumrisiko aus. Während die klassische Blattbehandlung die Ertragshöhe absichert, hat die Ährenbehandlung das vorherrschende Ziel, die Qualität des Korns zu erhalten und die Vermarktung sicherzustellen. Wichtigster Faktor bei der Planung der Abschlussbehandlung ist das Wetter; je näher die Applikation am Infektionstermin liegt, umso sicherer ist der Schutz vor Fusarium. Bewährt hat sich ein Applikationstermin zur beginnenden Vollblüte ab BBCH 63.

Im folgenden Leitfaden für Ährenbehandlungen finden Sie Wissenswertes zur Identifikation, zur Vorsorge und zur Behandlung von Fusariumbefall

Fusariosen und Schwärzepilze sind die häufigsten Infektionen von Getreideähren. Ein gesunder Bestand ist Voraussetzung für gute Erträge und Vermarktungssicherheit

Fusariosen (Fusarium graminearum, Fusarium colmorum und andere) werden meist mit dem Saatgut übertragen, können aber auch von Stroh- und Stoppelresten am Boden ausgehen. Niederschläge zwischen Ährenschieben und Abreife können Sporen von Boden und Blättern in die Ähren transportieren. Bei Temperaturen von über 20 °C und feuchter Witterung erfolgt dann die Infektion der Ähren. Diese führt zu Weißährigkeit und Schmachtkornbildung, gefährlicher ist aber die Belastung mit Pilzgiften (Mykotoxinen). Die Mykotoxinbildung kann sich im Getreidelager bei hoher Feuchte und Temperaturen von 12 bis 25 °C fortsetzen, daher ist beim Ernten und Einlagern von Getreide Vorsicht geboten. Weizen, Triticale und Hafer sind am stärksten gefährdet für Fusarium-bedingte Mykotoxin-Belastung, Gerste und Roggen sind weniger anfällig.

Diese Bedingungen fördern den Befall mit Fusarium

  • Witterung ab Ährenschieben bis Blüte mit Niederschlag oder hoher Luftfeuchte und Temperaturen von 15-25°C
  • Enge Getreide-Mais-Fruchtfolgen bzw. Vorfrucht Mais vor Getreide
  • Minimale Bodenbearbeitung
  • Infiziertes Saatgut
  • Zu tiefe Saatgutablage
  • Dichte Bestände
  • Kleiner Abstand zwischen Fahnenblatt und Ähre (Sortenbedingt oder durch starke Halmeinkürzung)
  • Klimmende oder windende Unkräutern

Symptome richtig erkennen

Partielle Taubährigkeit, ein typisches Symptom für den Befall der Ähre mit Fusarium.

Typisch für einen Fusarium-Ährenbefall ist Weißährigkeit bzw. Taubährigkeit als Folge des Ausbleichens der Ähren oder eines Teils der Ährchen durch die Zerstörung der zur Zeit der Blüte befallenen Kornanlagen. Bei feuchter Witterung können sich an den Spelzen und der Spindel rötliche Sporenlager bilden. Das Getreide bildet oft stark verkleinerte Schmachtkörner aus und die Körner können stark mit Pilzgiften (Mykotoxinen) belastet sein.

Fusariosen lassen sich mit Gelbrost- oder Schneeschimmelbefall der Ähren verwechseln, die Farbe der Sporenlager ist dann eher orange- oder rosafarben statt rötlich. Mit Schneeschimmel befallene Körner lassen sich mit bloßem Auge mitunter nicht von mit Fusarium-befallenen Körnern unterscheiden. Schneeschimmelbefall und auch Gelbrostbefall der Ähren führt aber nicht zu Mykotoxinbildung. Auch Halmbasiserkrankungen können zu Weißährigkeit führen, allerdings ist dann die gesamte Ähre betroffen. Sind nur Teile der Ähren oder einzelne Ährchen betroffen, ist dies ein Zeichen für Befall mit Fusarium-Arten


Schadwirkungen durch Fusariumbefall

Der Ährenbefall mit Fusarium-Arten hat negative Auswirkungen auf die Back- und Brauqualität. Schmacht- und Kümmerkorn sowie niedrigere Tausendkorngewichte sind die Folge. Am gravierendsten ist die Bildung von Mykotoxinen mit potentieller Gesundheitsgefährdung von Mensch und Tier. Insbesondere Schweine reagieren empfindlich auf die Mykotoxine, Wiederkäuer und Hühner sind weniger empfindlich. Der Mensch nimmt die hitzestabilen Gifte mit Back- und Teigwaren zu sich. Stark belastete Getreidepartien können nur noch in der Biogasanlage verwertet werden. Deoxynivalenol und Zearalenon sind die häufigsten von Fusarien gebildeten Mykotoxine

  • Deoxynivalenol (DON): Die meisten Fusarium-Arten bilden DON, ein Toxin das Magen und Darm schädigt, zu Erbrechen und Durchfall führt und immuntoxisch ist. Der Höchstgehalt in unverarbeitetem Hartweizen liegt bei 1750 μg/kg Getreide, für zum unmittelbaren menschlichen Verzehr bestimmtes Getreide bei 750 μg/kg. Für unverarbeitetes Getreide außer Hartweizen sowie Hafer und Mais liegt der Höchstgehalt bei 1250 μg/kg.

  • Zearalenon (ZEA) Das Toxin ZEA hat eine östrogene Wirkung und vermindert die Fruchtbarkeit. Der Höchstgehalt in unverarbeitetem Hartweizen liegt bei 100 μg/kg Getreide, für zum unmittelbaren menschlichen Verzehr bestimmtes Getreide bei 75 μg/kg

Ackerbauliche Maßnahmen inkl. integriertem Pflanzenschutz

In Befallslagen ist die konsequente Vermeidung enger Getreide-Mais Fruchtfolgen sinnvoll. Wichtig ist auch eine gute Feldhygiene: Pflanzenreste sollten sauber untergepflügt und die Strohrotte beschleunigt werden. Eine gute Investition für Befallslagen ist optimal gereinigtes, gesundes und gebeiztes Z-Saatgut. Auch über die Sortenwahl, maßvolle Einkürzung und Lagervermeidung lässt sich das Risiko für Fusariumbefall reduzieren.
Das Bundessortenamt bewertet Sorten mit einer quantitativen Resistenz mit den Noten 3 bis 4. Langstrohige Sorten und begrannte Sorten sind weniger anfällig, ebenso Sorten mit größerem Abstand zwischen den Ährchen.

Fusariumbetonte Fungizidbehandlungen erreichen Wirkungsgrade von 50-70%. Umso entscheidender ist es, die Behandlung zwar während der Blüte durchzuführen, aber möglichst nah an die Infektion zu setzen. Liegt eine Vorbehandlung weniger als 10 Tage zurück, kann die Ährenbehandlung blühender Bestände etwas geschoben werden, um gegebenenfalls noch für Fusarium günstige Infektionsbedingungen abzuwarten. Da Weizen im Gegensatz zu Triticale schon während des Ährenschiebens blüht, ist hier eine Behandlung ab Mitte des Ährenschieben notwendig. Gute Wirkungsgrade gegen Fusariumarten lassen sich mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Triazole erreichen.
Elatus Era enthält neben dem Carboxamid Solatenol® das Triazol Prothioconazol. Damit bietet Elatus Era zuverlässigen Schutz vor Fusariuminfektionen, aber auch vor allen anderen Blattkrankheiten, mit herausragender Wirkung gegen Braunrost. Eine noch höhere Aufladung mit Prothioconazol und Tebuconazol, und damit eine noch bessere Wirkung gegen Fusarium, bietet Ihnen Elatus Era Sympara.

Hier können Sie mehr erfahren über Elatus Era und Elatus Era Sympara

20.03.2020 • Fungizide

Die richtige Wachstumsreglerstrategie im Getreide: in 2020 wichtiger denn je!

Holger Weichert

Dr. Holger Weichert

Technischer Leiter Region Nord

Optimaler Wachstumsreglereinsatz

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Durch den warmen Winter konnten die Getreidebestände ohne Vegetationsruhe weiterwachsen und befinden sich aktuell meist am Ende der Bestockung. Weit entwickelte Bestände sind bereits kurz vor bzw. im Übergang in die Schossphase.

Die Getreidebestände präsentieren sich in diesem Jahr überwiegend gut entwickelt mit hohen Bestandesdichten. Verbreitet ausgiebige Niederschläge in den letzten Wochen werden zusammen mit den dauerhaft anhaltenden milden Temperaturen und schneller N-Nachlieferung weiterhin für eine schnelle Entwicklung des Getreides sorgen. Das erfordert derzeit eine intensive Kontrolle der Bestände, um den richtigen Zeitpunkt für die Wachstumsregulierung im Getreide nicht zu verpassen

Stark entwickelte Wintergerste Anfang März 2020 (Bild aus Parzellenversuch)

Wegen der aktuell meist sehr weit und stark entwickelten Getreidebestände sind in diesem Jahr robuste Aufwandmengen bei der Wachstumsregulierung einzuplanen. In vielen Situationen werden auch Doppelbehandlungen inklusive einer frühen Wachstumsreglermaßnahme vor der Schossphase notwendig sein. Für frühe Behandlungen noch in der Bestockung bietet sich ein Einsatz von Moddevo/Moddus Start an, das von verschiedenen Handelshäusern angeboten wird. Moddus Start kann bereits ab der Bestockung eingesetzt werden und zeichnet sich aufgrund seiner DC-Formulierung durch eine besonders gute Wirksamkeit auch unter kühlen Bedingungen im zeitigen Frühjahr aus. Hinzu kommt, dass unter den aktuellen Bedingungen ein Einsatz von reinen Trinexapac-Produkten wie Moddevo/Moddus Start in den meist sehr dicken Beständen zu empfehlen ist, um eine weitere Anregung der Bestockung zu verhindern und die Entwicklung von unproduktiven Trieben zu unterdrücken. Die optimale Bestandesdichte liegt je nach Standort bei ca. 500 – 600 ährentragenden Halmen/m2. Dementsprechend sollte in Beständen mit aktuell deutlich mehr als 1200 Trieben/m2 auf einen Einsatz von CCC in der Bestockung verzichtet werden.

0,5 l/ha VGM 1+ 0,5 l/ha Fungizid

0,5 l/ha Moddus+ 0,5 l/ha Fungizid


Spätestens zu Beginn der Schossphase (BBCH 31/32) sollte eine Wachtumsreglerbehandlung fest eingeplant werden. Langjährig hat sich in der Praxis das Entwicklungsstadium BBCH 31/32 als idealer Termin für den Einsatz von Wachstumsreglern im Getreide herausgestellt. In diesem Jahr sollte außerdem bereits zu Schossbeginn ein besonderes Augenmerk auf den aktuellen Krankheitsbefall im Getreide gelegt werden. Die durchweg milde und feuchte Witterung im vergangenen Winter hat die Entwicklung von pilzlichen Schaderregern insbesondere im Halmbasisbereich sehr stark gefördert, sodass in diesem Jahr flächendeckend von einem erhöhten Halmbruch-Risiko auszugehen ist. Zusätzlich ist verbreitet ein starker Ausgangsbefall mit Mehltau, Septoria, Netzflecken und Zwergrost zu finden, so dass eine Kombination der Wachstumsreglerbehandlung mit einem Fungizid in diesem Frühjahr zu empfehlen ist.

Wenn der Einsatz von Wachstumsreglern mit anderen Maßnahmen kombiniert werden muss, ist Moddus das Mittel zur Wahl. Die einzigartige Formulierung von Moddus als Mikroemulsion ist der Grund, dass Moddus besonders in Mehrfachmischungen z. B. mit Fungiziden, Blattdüngern oder Insektiziden bestens verträglich ist (siehe Abbildung unten). Moddus ist und bleibt der langjährig bewährte Standard für Anwendungen in der Schossphase.

26.02.2020 • Fungizide

Erfolgreiche Fungizid-Strategien beginnen an der Halmbasis!

Marina Mellenthin

Dr. Marina Mellenthin

Marketing Managerin für Getreidefungizide

Worauf Sie beim frühen Fungizid-Einsatz im Getreide in diesem Jahr achten sollten.

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Der Komplex der Halmbasiserkrankungen im Getreide ist vielfältig. Eine Bekämpfung von Typhula (vor allem in Gerste) und Schwarzbeinigkeit muss bereits bei der Aussaat berücksichtigt werden. Durch den milden und feuchten Winter besteht in diesem Frühjahr vielerorts eine erhöhte Gefahr für Erkrankungen der Getreidehalmbasis mit Halmbruch und Rhizoctonia. Damit Sie dies bei der Planung ihrer diesjährigen Fungizidstrategie bestmöglich berücksichtigen können, haben wir für Sie einen Leitfaden zum Schutz vor Halmbasiskrankheiten zusammengestellt. Sie finden dort Hilfen zur Einschätzung des Risikos Ihrer Bestände, zum Erkennen der Befalls-Symptome, und zu integrierten Bekämpfungsstrategien.

Je nach Vorfrucht, Bodenbearbeitung und Bestandesdichte variiert das schlagspezifische Risiko ernsthafter Schäden durch Halmbasiskrankheiten. Wird dieses Risiko nicht ausreichend bei der Fungizidstrategie berücksichtigt, drohen Ertragsrückgänge und Qualitätsverluste.

Halmbruch und Rhizoctonia – Die zwei dominierenden Krankheiten der Halmbasis

Halmbruch (Pseudocercosporella herpotrichoides) ist eine weit verbreitete Fruchtfolgekrankheit, die in allen Getreideanbaugebieten mit milder und/oder feuchtkühler Frühjahrswitterung auftritt. Weizen und Triticale sind in der Regel anfälliger als Gerste oder Roggen, Sortenunterschiede bei der Anfälligkeit gibt es hingegen kaum. Man unterscheidet beim Halmbruch zwei Pathotypen, den W-Typ (befällt bevorzugt den Weizen), und den meist vorherrschenden R-Typ (in allen Getreidearten gleich häufig vertreten).

Die Symptome richtig erkennen

Bei Halmbruchbefall finden sich ab Beginn des Schossens die typischen Halmbruchsymptome in Form eines Augenflecks vorzugsweise nahe dem Halmgrund aller Getreidearten. Zuvor sind fleckenartige Verbräunungen an den äußeren Blattscheiden junger Getreidepflanzen zu erkennen. Im Stängel findet sich watteartiges Pilzmyzel. Die Stängel vermorschen, es kommt zu vorzeitiger Abreife, Weißährigkeit und parasitärem Lager.

Fotos: Syngenta

Rhizoctonia (Rhizoctonia cerealis) oder auch Scharfer Augenfleck

Bei Befall mit Rhizoctonia erscheinen an den äußeren Blattscheiden ovale bis unregelmäßige, hellbraune Verfärbungen. Später bilden sich am Halmgrund längliche, zunächst spitz zulaufende, dann unregelmäßige, oft etwas gezackte Flecke mit hellgrauem Zentrum, die mit einem dunkelbraunen, relativ breiten Saum scharf gegen das gesunde Gewebe abgegrenzt sind. Die Flecken treten meist in Mehrzahl am ersten und zweiten Internodium auf. Darauf findet man häufig kleine braune Sklerotien.

Fotos: Prof. K. Schlüter, FH Kiel

Schadwirkungen der Halmbasiserkrankungen

Unbehandelter Halmbruchbefall unterbindet die Wasser- und Nährstoffversorgung durch Zerstörung der Leitgefäße am Halmgrund; dies führt zu Notreife und Kümmerkorn. Bei starkem Befall führt die Vermorschung des Halmgewebes zu einem Umknicken und Umbrechen der Stängel. Bei weniger starkem oder sehr spätem Befall ist der Halmbruch an Weißährigkeit zu erkennen und geht einher mit 5-10% Ertragsverlusten. Vermorscht die Halmbasis, so ist wegen des parasitären Lagers mit erheblichen Ertragsverlusten von bis zu 30% zu rechnen. Der Befall mit Rhizoctonia führt durch Veränderungen der Leitgefäße ebenfalls zu Ertragsverlusten. Zudem werden der Eiweißgehalt und das Tausendkorngewicht reduziert.

Befallsfördernde Faktoren für Halmbruch:

  • Enge Getreidefruchtfolgen
  • Frühe Saattermine nach Getreidevorfrucht
  • Reduzierte Bodenbearbeitung
  • Dichte Bestände
  • Milde Winter und nasskalte Frühjahrswitterung
  • Der dominierende R-Typ hat sein Temperaturoptimum bei >5°C bis ca. 20°C. Der W-Typ bevorzugt etwas niedrigere Temperaturen.

Befallsfördernde Faktoren für Rhizoctonia

  • Anfällige Getreidesorten
  • Sandige und saure Böden
  • Pfluglose Bodenbearbeitung
  • Zeitige und tiefe Saat von Wintergetreide
  • Anwendung von Prochloraz-haltigen Fungiziden; diese bekämpfen nur Halmbruch, und schaffen damit Platz für Rhizoctonia

Ackerbauliche Maßnahmen inkl. integriertem Pflanzenschutz

Zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen gegen Halmbruch gehören eine mindestens zweijährige Anbaupause von Getreide, die Bekämpfung von Ungräsern und Ausfallgetreide, eine sorgfältige Stoppelbearbeitung sowie späte und flache Saat zur Reduktion von Herbstinfektionen. Eine geringere Bestandesdichte verringert ebenfalls das Befalls-Risiko.

In anfälligen Beständen kann die Ausbreitung des Befalls zu Schossbeginn zuverlässig mit Fungiziden kontrolliert werden. Der richtige Behandlungszeitpunkt ist hierfür entscheidend; Damit ein Infektionsaufbau an der Halmbasis gehemmt wird, sollte die Behandlung zwischen BBCH 30 und 32 erfolgen.
Es gibt mehrere Wirkstoffgruppen mit Wirkung gegen Halmbruch und / oder Rhizoctonia. Triazole haben nur eine mittlere Wirkung gegen Halmbruch. Prochloraz schützt besser vor Halmbruch, aber nicht ausreichend vor Rhizoctonia.

Einen sicheren Schutz vor Halmbruch UND Rhizoctonia bietet der unverbrauchte Wirkstoff Cyprodinil aus der Gruppe der Anilino-Pyrimidine. Cyprodinil ist in den Produkten UNIX Top (UNIX + PLEXEO, zugelassen in allen Getreidearten) sowie KAYAK (Gerste) enthalten. Cyprodinil schützt zuverlässig vor beiden Halmbruch-Pathotypen. Auch sind bisher keine Resistenzen der Erreger gegenüber Cyprodinil bekannt. Cyprodinil schützt Ihre Getreidebestände zuverlässig vor Halmbruch, vor Rhizoctonia, und hat außerdem eine sehr gute vorbeugende Wirkung gegen Mehltau.

Hier können Sie mehr erfahren über UNIX Top Hier können Sie mehr erfahren über KAYAK

Der Einsatz von Wachstumsreglern vermindert das Befallsrisiko übrigens nicht; er kann jedoch die Schadwirkung durch parasitäres Lager vermindern.

26.04.2019 • Fungizide

Wie lassen sich Netzflecken in 2019 noch bekämpfen?

Heiko Schlage

Fachberater Ackerbau für Mecklenburg-Vorpommern

Situationsanalyse Pilzkrankheiten in der Gerste – im Fokus: Netzflecken

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Pilzkrankheiten in der Gerste – Regionale Unterschiede in Nord und Süd

Hinsichtlich des Krankheitsauftretens und der Fungizid-Bekämpfungsstrategien in der Gerste haben wir derzeit eine gewisse Zweiteilung in Deutschland.
V. a. im Süden/Südwesten ist die Ramularia die dominierende Krankheit in der Gerste und kann aktuell, bedingt durch die verbreitete Resistenz gegen alle bisherigen Wirkstoffklassen, nur noch mit dem Wirkstoff Chlorthalonil (Amistar® Opti) sicher bekämpft werden.
Der Norden/Nordosten ist dagegen witterungsbedingt meist noch von den klassischen Gersten-Krankheiten geprägt: Während die verbreitet gute Sortenresistenz bei Rhynchosporium stärkere Befälle oft verhindert, ist die Zunahme des Zwergrostbefalls in den letzten Jahren klar auf die Witterung und Sortenanfälligkeiten zurückzuführen. Mehltau und Netzflecken waren und sind fast in jedem Jahr unsere Klassiker in den Gersten-Beständen.

Netzflecken sind zunehmend schwieriger zu bekämpfen

Vor allem die Bekämpfung der Netzflecken bereitet schon seit den 2000er Jahren immer mehr Probleme. Den Anfang machte sicher ihre Resistenz gegenüber den Strobilurin-Wirkstoffen (F129L), die sich über die Jahre immer weiter ausgebreitet hat und einen fortschreitenden Wirkungsverlust der Produkte mit sich brachte und weiter bringt. Aber auch bei den nachfolgenden Carboxamiden als neue Wirkstoffklasse wurden bereits im Jahr 2012 die ersten resistenten Isolate gefunden – auch hier mit einer schnellen Ausbreitung über weite Teile von Europa, und mittlerweile mit verschiedenen Mutationen.

Abb. 1: Verteilung der Carboxamid- (links) und Strobilurin-Resistenz von Netzflecken (rechts) über Europa 2018. Quelle: Syngenta 2018

Sicherlich besonders prekär ist, dass auch der Anteil der Isolate/Populationen immer mehr zunimmt, die sowohl eine Resistenz gegenüber den Carboxamiden, wie auch gegenüber Strobilurinen, in sich tragen, also keine gewohnte Wirksamkeit gegenüber beiden Wirkstoffklassen mehr zulassen.

Handlungsoptionen zur Bekämfpung der Netzflecken

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Welche Wirkstoffe funktionieren noch gegen Netzflecken?

Zum einen sicher die Azol-Wirkstoffe, wo wir über unsere Europa-weiten Monitorings jedes Jahr eine stabile Situation in der Sensitivität vorfinden… noch! Natürlich steigt nun zusehends der Selektionsdruck auch auf diese Wirkstoffklasse, wenn die bisherigen Träger für die Dauerwirkung bei der Bekämpfung der Netzflecken immer mehr in ihrer Wirksamkeit nachlassen. Gleichzeitig gehen uns auf der anderen Seite bisherige Azol-Wirkstoffe im Rahmen der EU-Wirkstoffgenehmigung verloren, so dass sich die verfügbare Palette an Wirkstoffen immer weiter einschränken wird.

Gibt es noch weitere Möglichkeiten?

Ja, den Wirkstoff Cyprodinil… vielen sicher seit Jahren über das Produkt Unix® als ein Standard gegen Halmbruch bekannt und auch wegen seiner guten vorbeugenden Wirkung gegen Echten Mehltau v. a. im Weizen geschätzt.
Dieser Wirkstoff besitzt aber auch eine gute Aktivität gegen Netzflecken und Rhynchosporium in der Gerste, was bislang teilweise etwas unbeachtet blieb. Im Hinblick auf das Resistenzgeschehen und bisherigen Einsatz in der Gerste kann der Wirkstoff als „unverbraucht“ eingeschätzt werden und damit eine zusätzliche Stütze in der Krankheitsbekämpfung, aber auch im Schutz der bisherigen Wirkstoffklassen, darstellen.

Im Rahmen der Produktentwicklung haben wir bereits vor Jahren schon ein speziell für die Gerste optimiertes Produkt mit dem Namen Kayak® in Deutschland zugelassen, welches wir 2019 aufgrund der aktuellen Situation neu anbieten werden.

Wie kann 2019 eine Fungizid-Strategie mit effektiver Netzflecken-Bekämpfung aussehen?

Dafür liefern uns die Erkenntnisse aus dem letzten Starkbefallsjahr 2017 sicher wertvolle Anhaltspunkte. Stellvertretend sei hier einer unserer Versuche aus Mecklenburg-Vorpommern in dem Jahr dargestellt.

Abb. 2: Auszug aus dem Syngenta-Versuchsprogramm 2017, Standort Gotthun, Sorte Lomerit, VGM = Vergleichsmittel

Bei dem sehr starken Netzflecken-Befall auf den beiden obersten Blattetagen sind zum einen die Wirkungsprobleme der Standardprodukte in der sich verschärfenden Resistenz-Situation zu erkennen, aber auch mögliche Lösungsmöglichkeiten:

Zum einen konnte durch eine Erhöhung des Azol-Gehalts über das Elatus® Era Sympara® die Wirkung verbessert werden (Var. 2), als auch über den Einbau des Wirkstoffs Cyprodinil in der Vorlage zu BBCH 31 (Var. 4) oder in der Abschlussbehandlung (Var. 3).

Der starke Befall hatte natürlich einen deutlichen Ertragseinfluss; das besondere Plus bei den beiden Cyprodinil-Varianten ist sicher im zusätzlichen Schutz der Halmbasis zu finden.

Kayak – Vorteile und optimale Anwendung

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Wirksamer Pflanzenschutz – auch in Zukunft!

Syngenta 4D-Strategie: für integrierte, nachhaltige Ungras- und Unkrautbekämpfung

Die erfolgreiche Bekämpfung vor allem von Ungräsern bestimmt oftmals die betriebliche Herbizid-Strategie in Wintergetreide. Der Einsatz von Herbiziden steht dabei immer im Spannungsfeld zwischen maximalem Bekämpfungserfolg und nachhaltigem Anti-Resistenz-Management. Innerhalb der 4D-Strategie formuliert Syngenta 4 ineinander greifende Prinzipien für die Herbizidanwendung, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Diese Prinzipien können theoretisch in jeder Kultur und zur Bekämpfung sowohl von Ungräsern als auch Unkräutern angewendet werden.

Created with Sketch. 4 Kultur 3 Produkt- verantwortung 2 Pflanzen- schutz 1 Agronomie 4D Strategie
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Hier klicken und mehr über die Syngenta 4D-Strategie erfahren

1Agronomie

Optimale Ausschöpfung aller vorbeugenden pflanzenbaulichen Maßnahmen, um

  • den Besatz mit Gräsern und Unkräutern zu minimieren
  • die optimale Kulturentwicklung zu unterstützen
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2Pflanzenschutz

Basierend auf vier einfachen Regeln für eine effiziente Unkrautbekämpfung und ein gutes Management, hier exemplarisch für Getreide:

  • Mindestens ein wenig resistenzgefährdeter Wirkstoff pro Jahr
  • Zwei unterschiedliche Wirkstoffklassen pro Ungras pro Jahr anwenden
  • Maximal eine Anwendung mit ALS-Hemmer pro Jahr
  • Maximal eine Anwendung mit ACCase-Hemmer pro Jahr
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3Produktverantwortung
  • Für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Anwendung von Herbiziden
  • Zum langfristigen Schutz der Wirkung von Herbiziden
4Kultur

Die Syngenta 4D-Strategie sichert die integrierte, nachhaltige Ungras- und Unkrautbekämpfung in allen großen Ackerbau-Kulturen:

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Vier einfache Prinzipien für den Herbizid-Einsatz in Getreide:

1. Mindestens ein wenig resistenzgefährdeter Wirkstoff pro Saison

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Dieses Prinzip gilt vor allem bei der Bekämpfung der beiden Schadgräser Ackerfuchsschwanz und Windhalm. Beide Gräser haben mittlerweile flächendeckend Resistenzen gegen die ALS- und ACCase-Hemmer ausgebildet. Daher sollte die erste Bekämpfungsmaßnahme im Herbst mit einem wenig resistenzgefährdeten Wirkstoff erfolgen. So wird der Selektionsdruck auf die Frühjahrsherbizide deutlich verringert.
Dies ist der erste Schritt auf dem Weg einer nachhaltigen und starken Bekämpfungsstrategie.

Prosulfocarb + Flufenacet im Boxer Cadou SC Pack

Prosulfocarb im Filon Pack

2. Kombination von zwei unterschiedlichen Wirkmechanismen pro Ungras

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Die Kombination von zwei Wirkmechanismen mit überlappenden Wirkungsspektren ist ein fundamentales Element der Syngenta-Herbizid-Strategie zur Bekämpfung von Ungräsern in Getreide, aber auch anderen Kulturen wie z.B. Mais. Sie dient zum einen der Wirkungsmaximierung und zum anderen der möglichst effektiven Verzögerung einer Resistenzentwicklung.

Beispiel 1: Prosulfocarb

Prosulfocarb gehört zur HRAC-Klasse N und sorgt für eine Hemmung der Lipidsynthese.
Prosulfocarb wird kombiniert mit Flufenacet (HRAC-Klasse K3, Hemmung der Zellteilung).
Diese Wirkstoffkombination dient zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz in Wintergetreide im Herbst.

Zu Boxer Cadou SC Pack

Beispiel 2: Pinoxaden

Pinoxaden gehört zur HRAC-Klasse A und sorgt in der Pflanze für eine Hemmung der ACCase.
Pinoxaden wird kombiniert mit Pyroxsulam (HRAC-Klasse B, Hemmung der ALS).
Diese Wirkstoffkombination dient zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz, Windhalm und anderen Ungräsern + Unkräutern in Wintergetreide im Frühjahr.

Zu Avoxa

3. Maximal eine Anwendung mit ALS-Hemmern pro Saison

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Die Wirkstoffgruppe der ALS-Hemmer bildet das Rückgrat der Ackerfuchsschwanzbekämpfung in Getreide im Frühjahr und ist unverzichtbar.
In dem Herbizid Avoxa ist der ALS-Hemmer Pyroxsulam kombiniert mit dem ACCase-Hemmer Pinoxaden. Mittels dieser Wirkstoffkombination werden neben Ackerfuchsschwanz auch andere wichtige Ungräser wie Windhalm, Weidelgras-Arten und Trespe-Arten bekämpft. Darüber hinaus besitzt der Wirkstoff Pyroxsulam ein breites Wirkungsspektrum gegen Unkräuter.
Die Wirkstoffgruppe ist resistenzgefährdet und sollte daher nur einmal pro Kultur und Jahr angewendet werden. Um den Selektionsdruck zu verringern, sollte eine Herbstbehandlung mit wenig resistenzgefährdeten Wirkstoffen immer an erster Stelle stehen.

4. Maximal eine Anwendung mit ACCase-Hemmern pro Saison

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Die Wirkstoffgruppe der ACCase-Hemmer kann bereits im Herbst zum Einsatz kommen, wird aber vornehmlich im Frühjahr zur Bekämpfung von Ungräsern in Getreide angewendet.
Der Wirkstoff Pinoxaden in Axial 50 ist alternativlos in Bekämpfungsstrategien gegen Ackerfuchsschwanz in Wintergerste. Der Einsatz kann entweder im Herbst im frühen Nachauflauf in Kombination mit bodenwirksamen Herbiziden (z.B. Herold SC) oder im Frühjahr als gezielte Nachbehandlung erfolgen.

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Außerdem ist Axial 50 die wirkungssichere Wahl für eine gezielte Frühjahrsbehandlung gegen Windhalm sowie Weidelgräser und auf Grund des langen Anwendungszeitraums der Spezialist gegen Flughafer in Sommerungen.
Die Wirkstoffgruppe ist resistenzgefährdet und sollte daher nur einmal pro Kultur und Jahr angewendet werden.