Pflanzenschutz aktuell

26.04.2019 • Fungizide

Wie lassen sich Netzflecken in 2019 noch bekämpfen?

Heiko Schlage

Fachberater Ackerbau für Mecklenburg-Vorpommern

Situationsanalyse Pilzkrankheiten in der Gerste – im Fokus: Netzflecken

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Pilzkrankheiten in der Gerste – Regionale Unterschiede in Nord und Süd

Hinsichtlich des Krankheitsauftretens und der Fungizid-Bekämpfungsstrategien in der Gerste haben wir derzeit eine gewisse Zweiteilung in Deutschland.
V. a. im Süden/Südwesten ist die Ramularia die dominierende Krankheit in der Gerste und kann aktuell, bedingt durch die verbreitete Resistenz gegen alle bisherigen Wirkstoffklassen, nur noch mit dem Wirkstoff Chlorthalonil (Amistar® Opti) sicher bekämpft werden.
Der Norden/Nordosten ist dagegen witterungsbedingt meist noch von den klassischen Gersten-Krankheiten geprägt: Während die verbreitet gute Sortenresistenz bei Rhynchosporium stärkere Befälle oft verhindert, ist die Zunahme des Zwergrostbefalls in den letzten Jahren klar auf die Witterung und Sortenanfälligkeiten zurückzuführen. Mehltau und Netzflecken waren und sind fast in jedem Jahr unsere Klassiker in den Gersten-Beständen.

Netzflecken sind zunehmend schwieriger zu bekämpfen

Vor allem die Bekämpfung der Netzflecken bereitet schon seit den 2000er Jahren immer mehr Probleme. Den Anfang machte sicher ihre Resistenz gegenüber den Strobilurin-Wirkstoffen (F129L), die sich über die Jahre immer weiter ausgebreitet hat und einen fortschreitenden Wirkungsverlust der Produkte mit sich brachte und weiter bringt. Aber auch bei den nachfolgenden Carboxamiden als neue Wirkstoffklasse wurden bereits im Jahr 2012 die ersten resistenten Isolate gefunden – auch hier mit einer schnellen Ausbreitung über weite Teile von Europa, und mittlerweile mit verschiedenen Mutationen.

Abb. 1: Verteilung der Carboxamid- (links) und Strobilurin-Resistenz von Netzflecken (rechts) über Europa 2018. Quelle: Syngenta 2018

Sicherlich besonders prekär ist, dass auch der Anteil der Isolate/Populationen immer mehr zunimmt, die sowohl eine Resistenz gegenüber den Carboxamiden, wie auch gegenüber Strobilurinen, in sich tragen, also keine gewohnte Wirksamkeit gegenüber beiden Wirkstoffklassen mehr zulassen.

Handlungsoptionen zur Bekämfpung der Netzflecken

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Welche Wirkstoffe funktionieren noch gegen Netzflecken?

Zum einen sicher die Azol-Wirkstoffe, wo wir über unsere Europa-weiten Monitorings jedes Jahr eine stabile Situation in der Sensitivität vorfinden… noch! Natürlich steigt nun zusehends der Selektionsdruck auch auf diese Wirkstoffklasse, wenn die bisherigen Träger für die Dauerwirkung bei der Bekämpfung der Netzflecken immer mehr in ihrer Wirksamkeit nachlassen. Gleichzeitig gehen uns auf der anderen Seite bisherige Azol-Wirkstoffe im Rahmen der EU-Wirkstoffgenehmigung verloren, so dass sich die verfügbare Palette an Wirkstoffen immer weiter einschränken wird.

Gibt es noch weitere Möglichkeiten?

Ja, den Wirkstoff Cyprodinil… vielen sicher seit Jahren über das Produkt Unix® als ein Standard gegen Halmbruch bekannt und auch wegen seiner guten vorbeugenden Wirkung gegen Echten Mehltau v. a. im Weizen geschätzt.
Dieser Wirkstoff besitzt aber auch eine gute Aktivität gegen Netzflecken und Rhynchosporium in der Gerste, was bislang teilweise etwas unbeachtet blieb. Im Hinblick auf das Resistenzgeschehen und bisherigen Einsatz in der Gerste kann der Wirkstoff als „unverbraucht“ eingeschätzt werden und damit eine zusätzliche Stütze in der Krankheitsbekämpfung, aber auch im Schutz der bisherigen Wirkstoffklassen, darstellen.

Im Rahmen der Produktentwicklung haben wir bereits vor Jahren schon ein speziell für die Gerste optimiertes Produkt mit dem Namen Kayak® in Deutschland zugelassen, welches wir 2019 aufgrund der aktuellen Situation neu anbieten werden.

Wie kann 2019 eine Fungizid-Strategie mit effektiver Netzflecken-Bekämpfung aussehen?

Dafür liefern uns die Erkenntnisse aus dem letzten Starkbefallsjahr 2017 sicher wertvolle Anhaltspunkte. Stellvertretend sei hier einer unserer Versuche aus Mecklenburg-Vorpommern in dem Jahr dargestellt.

Abb. 2: Auszug aus dem Syngenta-Versuchsprogramm 2017, Standort Gotthun, Sorte Lomerit, VGM = Vergleichsmittel

Bei dem sehr starken Netzflecken-Befall auf den beiden obersten Blattetagen sind zum einen die Wirkungsprobleme der Standardprodukte in der sich verschärfenden Resistenz-Situation zu erkennen, aber auch mögliche Lösungsmöglichkeiten:

Zum einen konnte durch eine Erhöhung des Azol-Gehalts über das Elatus® Era Sympara® die Wirkung verbessert werden (Var. 2), als auch über den Einbau des Wirkstoffs Cyprodinil in der Vorlage zu BBCH 31 (Var. 4) oder in der Abschlussbehandlung (Var. 3).

Der starke Befall hatte natürlich einen deutlichen Ertragseinfluss; das besondere Plus bei den beiden Cyprodinil-Varianten ist sicher im zusätzlichen Schutz der Halmbasis zu finden.

Kayak – Vorteile und optimale Anwendung

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KAYAK – wie sollte man es am besten einsetzen?

Kayak ist in der Gerste von BBCH 31-61 mit max. 2 Anwendungen zugelassen, die volle Aufwandmenge beträgt 1,5 l/ha gegen Echten Mehltau, Rhynchosporium secalis und Netzflecken (bei Ausgangsbefall mit Zwergrost bzw. hoher Sortenanfälligkeit gegenüber dieser Krankheit ist der Zusatz eines Rost-wirksamen Partners möglich).
Schwerpunktempfehlung für den Einsatz von Kayak ist die Behandlung zu Schossbeginn in BBCH 31-32, um bereits früh die Bekämpfung der Blattkrankheiten sicher zu stellen und eine weitere Ausbreitung möglicher resistenter Populationen gegenüber anderen Wirkstoffklassen zu vermeiden.

Weitere Vorteile

  • Speziell für die Blattkrankheiten der Gerste optimiertes Produkt
  • Moderne Flüssig-Formulierung und gute Mischbarkeit, inkl. mit Wachstumsreglern wie MODDEVO®, MODDUS® und Ethephon-haltigen Produkten
  • Günstige Abstandsauflagen
  • Sehr attraktiver Preis – bitte fragen Sie Ihren Händler
  • Universell in der Behandlungsstrategie einsetzbar: Sowohl zu Schoßbeginn als auch als Partner in der Abschlussbehandlung
  • Die Halmbasis wird nach eigenen Erfahrungen besonders beim frühen Einsatz sicher mit geschützt

Unsere Anwendungsempfehlung für KAYAK in der Wintergerste

Weitere Informationen finden Sie in der Produktinformation.

Wirksamer Pflanzenschutz – auch in Zukunft!

Syngenta 4D-Strategie: für integrierte, nachhaltige Ungras- und Unkrautbekämpfung

Die erfolgreiche Bekämpfung vor allem von Ungräsern bestimmt oftmals die betriebliche Herbizid-Strategie in Wintergetreide. Der Einsatz von Herbiziden steht dabei immer im Spannungsfeld zwischen maximalem Bekämpfungserfolg und nachhaltigem Anti-Resistenz-Management. Innerhalb der 4D-Strategie formuliert Syngenta 4 ineinander greifende Prinzipien für die Herbizidanwendung, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Diese Prinzipien können theoretisch in jeder Kultur und zur Bekämpfung sowohl von Ungräsern als auch Unkräutern angewendet werden.

Created with Sketch. 4 Kultur 3 Produkt- verantwortung 2 Pflanzen- schutz 1 Agronomie 4D Strategie
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Hier klicken und mehr über die Syngenta 4D-Strategie erfahren

1Agronomie

Optimale Ausschöpfung aller vorbeugenden pflanzenbaulichen Maßnahmen, um

  • den Besatz mit Gräsern und Unkräutern zu minimieren
  • die optimale Kulturentwicklung zu unterstützen
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2Pflanzenschutz

Basierend auf vier einfachen Regeln für eine effiziente Unkrautbekämpfung und ein gutes Management, hier exemplarisch für Getreide:

  • Mindestens ein wenig resistenzgefährdeter Wirkstoff pro Jahr
  • Zwei unterschiedliche Wirkstoffklassen pro Ungras pro Jahr anwenden
  • Maximal eine Anwendung mit ALS-Hemmer pro Jahr
  • Maximal eine Anwendung mit ACCase-Hemmer pro Jahr
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3Produktverantwortung
  • Für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Anwendung von Herbiziden
  • Zum langfristigen Schutz der Wirkung von Herbiziden
4Kultur

Die Syngenta 4D-Strategie sichert die integrierte, nachhaltige Ungras- und Unkrautbekämpfung in allen großen Ackerbau-Kulturen:

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Vier einfache Prinzipien für den Herbizid-Einsatz in Getreide:

1. Mindestens ein wenig resistenzgefährdeter Wirkstoff pro Saison

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Dieses Prinzip gilt vor allem bei der Bekämpfung der beiden Schadgräser Ackerfuchsschwanz und Windhalm. Beide Gräser haben mittlerweile flächendeckend Resistenzen gegen die ALS- und ACCase-Hemmer ausgebildet. Daher sollte die erste Bekämpfungsmaßnahme im Herbst mit einem wenig resistenzgefährdeten Wirkstoff erfolgen. So wird der Selektionsdruck auf die Frühjahrsherbizide deutlich verringert.
Dies ist der erste Schritt auf dem Weg einer nachhaltigen und starken Bekämpfungsstrategie.

Prosulfocarb + Flufenacet im Boxer Cadou SC Pack

Prosulfocarb im Filon Pack

2. Kombination von zwei unterschiedlichen Wirkmechanismen pro Ungras

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Die Kombination von zwei Wirkmechanismen mit überlappenden Wirkungsspektren ist ein fundamentales Element der Syngenta-Herbizid-Strategie zur Bekämpfung von Ungräsern in Getreide, aber auch anderen Kulturen wie z.B. Mais. Sie dient zum einen der Wirkungsmaximierung und zum anderen der möglichst effektiven Verzögerung einer Resistenzentwicklung.

Beispiel 1: Prosulfocarb

Prosulfocarb gehört zur HRAC-Klasse N und sorgt für eine Hemmung der Lipidsynthese.
Prosulfocarb wird kombiniert mit Flufenacet (HRAC-Klasse K3, Hemmung der Zellteilung).
Diese Wirkstoffkombination dient zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz in Wintergetreide im Herbst.

Zu Boxer Cadou SC Pack

Beispiel 2: Pinoxaden

Pinoxaden gehört zur HRAC-Klasse A und sorgt in der Pflanze für eine Hemmung der ACCase.
Pinoxaden wird kombiniert mit Pyroxsulam (HRAC-Klasse B, Hemmung der ALS).
Diese Wirkstoffkombination dient zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz, Windhalm und anderen Ungräsern + Unkräutern in Wintergetreide im Frühjahr.

Zu Avoxa

3. Maximal eine Anwendung mit ALS-Hemmern pro Saison

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Die Wirkstoffgruppe der ALS-Hemmer bildet das Rückgrat der Ackerfuchsschwanzbekämpfung in Getreide im Frühjahr und ist unverzichtbar.
In dem Herbizid Avoxa ist der ALS-Hemmer Pyroxsulam kombiniert mit dem ACCase-Hemmer Pinoxaden. Mittels dieser Wirkstoffkombination werden neben Ackerfuchsschwanz auch andere wichtige Ungräser wie Windhalm, Weidelgras-Arten und Trespe-Arten bekämpft. Darüber hinaus besitzt der Wirkstoff Pyroxsulam ein breites Wirkungsspektrum gegen Unkräuter.
Die Wirkstoffgruppe ist resistenzgefährdet und sollte daher nur einmal pro Kultur und Jahr angewendet werden. Um den Selektionsdruck zu verringern, sollte eine Herbstbehandlung mit wenig resistenzgefährdeten Wirkstoffen immer an erster Stelle stehen.

4. Maximal eine Anwendung mit ACCase-Hemmern pro Saison

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Die Wirkstoffgruppe der ACCase-Hemmer kann bereits im Herbst zum Einsatz kommen, wird aber vornehmlich im Frühjahr zur Bekämpfung von Ungräsern in Getreide angewendet.
Der Wirkstoff Pinoxaden in Axial 50 ist alternativlos in Bekämpfungsstrategien gegen Ackerfuchsschwanz in Wintergerste. Der Einsatz kann entweder im Herbst im frühen Nachauflauf in Kombination mit bodenwirksamen Herbiziden (z.B. Herold SC) oder im Frühjahr als gezielte Nachbehandlung erfolgen.

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Außerdem ist Axial 50 die wirkungssichere Wahl für eine gezielte Frühjahrsbehandlung gegen Windhalm sowie Weidelgräser und auf Grund des langen Anwendungszeitraums der Spezialist gegen Flughafer in Sommerungen.
Die Wirkstoffgruppe ist resistenzgefährdet und sollte daher nur einmal pro Kultur und Jahr angewendet werden.