Friedbert Horstmann ist nicht nur ein echter Experte für Maissorten, sondern auch seit über zwei Jahrzehnten Teil unserer Erfolgsgeschichte. Im Interview erzählt er, warum man ihn bei Syngenta intern „Mister Mais“ nennt, wie sich die Maiszüchtung verändert hat und welche Innovationen die Zukunft prägen. Außerdem verrät er, was Syngenta für ihn persönlich bedeutet und welchen Rat er jungen Kolleginnen und Kollegen gibt.
Friedbert, nicht nur Syngenta feiert in diesem Jahr ein Jubiläum, sondern auch du. Erzähl uns davon!
„Ja, das stimmt. Ich freue mich, ebenfalls etwas mehr als 25 Jahre hier bei Syngenta dabei sein zu dürfen. Angefangen habe ich seinerzeit bei Novartis Seeds, 2012 bin ich dann als Technischer Experte für Maissorten zu Syngenta Agro gewechselt und heute wieder als Seeds-Mitarbeiter für unser Maissortenportfolio in der DACH-Region zuständig.“
Was hat dich damals zu Syngenta gebracht – war es eher Zufall oder eine klare Entscheidung?
„Es waren zwei Dinge: ich habe nach vielen Jahren im Außendienst einfach eine neue Herausforderung gesucht und die Chance auf einen wohnortnahen Arbeitsplatz.“
Und dann wurde es Syngenta - wie würdest du dich selbst in drei Worten beschreiben?
„Ich liebe den Umgang mit Menschen. Da bin ich bei Syngenta genau richtig. Und ich liebe Mais, deshalb erzähle ich gerne Geschichten über Maissorten. Die erzähle ich dem Amtlichen Dienst, unserem Außendienst, usw. Es geht immer um Menschen, denen ich mein Wissen vermitteln darf. Es war wirklich großes Glück, dass ich vor mehr als 25 Jahren meine Karriere genau hier an dieser Schnittstelle starten durfte.“
Deshalb nennt man dich intern auch „Mister Mais“ – Grund zum Schmunzeln?
„Das passt für mich und trifft auch den Kern. Mais ist einfach eine tolle Kulturpflanze, bei der der Zuchtfortschritt nie aufhört. Das fasziniert mich. Bei der richtigen Bodenbeschaffenheit kann Mais so viel.“
"Mister Mais" - eine Illustration von Charlotta Meyer (Cyrano)
"Mister Mais" Friedbert Horstmann im wahren Leben - hier im Frühling 2023
Wie hat sich die Maiszüchtung und -beratung über die Jahre verändert?
„In den 70er bis 90er Jahren waren Silomaissorten für die Tierfütterung noch viel weniger ertragreich. Die Maisstängel und -Blätter waren zur Ernte bereits braun und strohig, der Kolben noch gar nicht ausgereift. Heute sehen wir im September zur Ernte auf den Feldern grüne vitale Pflanzen mit reifen Kolben, die viel Stärke eingelagert haben. Die Nutzung dieser Pflanzen für Biogas hat es vor 25 Jahren noch nicht gegeben. Die Ansprüche unserer Kunden sind mitgewachsen mit dem Wissen um z.B. Standorteignung und Qualitätsansprüche.“
Gibt es eine Maissorte, mit der du besonders viel verbindest – fachlich oder emotional?
„Ich selbst baue Körnermais an. Aber mein klarer Favorit ist eine Silomaissorte - Oldham. Diese Maissorte wurde 1999 zugelassen und zeichnete sich insbesondere durch folgende Merkmale aus: eine frühe Siloreife, sehr hohe Stärkeerträge, eine gute Jugendentwicklung und eine solide Standfestigkeit. Das Besondere damals war, dass wir anfangs kein Saatgut hatten und wir am Ende von dieser Sorte mehr als eine Million Tüten, also eine Million Mal 50.000 Körner Saatgut, verkauft haben.“
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit im Maisanbau aus deiner Sicht – und wie trägt Syngenta dazu bei?
„Maisanbau ist in der Tat sehr nachhaltig. Was die Züchtung anbelangt, ist unser Beitrag zur Nachhaltigkeit, dass wir auch beim Maisanbau für Biogas nicht nur den Ertrag, sondern eben auch die innere Qualität der Pflanze steigern wollen. Damit erreichen wir, dass pro Kilogramm geerntetem Silomais auch eine überdurchschnittliche Menge Biogas produziert wird. Ich habe also de facto bei einem gleichen Ertrag am Ende eine höhere Gasausbeute. Das gleiche gilt für den Futtermais. Wir züchten Sorten, mit denen die Kühe „Power Cell“ Silomais fressen und dann im Ergebnis mit der gleichen Futtermenge mehr Milch geben. Das ist sehr nachhaltig.“
Klingt sehr plausibel. Und dennoch müssen die Bedürfnisse der Landwirte mit der Innovationskraft von Syngenta in Einklang gebracht werden. Wie gelingt euch das?
„Na ja, die Landwirte wollen maximalen Ertrag und wir können ihnen über zukunftsorientierte Züchtung dabei helfen. Wir stellen sicher, dass unsere Sorten immer ein sehr gutes Product Profile haben, also zukünftig auf Mehrertrag getrimmt sind. Insgesamt muss unser Gesamtpaket stimmen – zum hohen Ertrag mindestens eine gute Qualität und Gasausbeute, mindestens eine durchschnittliche Standfestigkeit, eine robuste Gesundheit und wenig Anfälligkeit für Krankheiten. Unser Ziel ist es, für alle Reifegruppen von früh bis spät und für alle Nutzungen von Körner- über Silo- bis Biogasmais ein wettbewerbsfähiges Produkt zu haben.“
Für Friedbert ist der Anbau und die Verfütterung von Mais durchweg nachhaltig
Friedbert kann auf viele spannendste Projekte und Maissorten in seiner Karriere zurückblicken
Was war für dich rückblickend das spannendste Projekt oder der größte Meilenstein im Bereich Mais?
„Oldham war schon wirklich besonders. Aber insgesamt ist spannend für mich, jedes Jahr aufs Neue für die neuen Produkte eine passende Positionierung zu finden. Das ist bei Oldham seinerzeit auf ideale Weise gelungen. Aktuell haben wir SY Remco ganz neu am Start. Da soll uns das wieder genauso gelingen wie damals. Ziel ist, dass SY Remco Deutschlands größte Sorte wird. Das scheint zu klappen, denn Remco hat im letzten Jahr z.B in Bayern und Niedersachsen für Mehrerträge von bis zu acht Prozent gesorgt – und mit acht Prozent bin ich vier Jahre über dem Durchschnitt. Diese vier Jahre müssen wir jetzt nutzen, um im Marketing und Vertrieb alle Weichen richtig stellen.“
Jetzt haben wir sehr viel über die Kulturpflanze Mais gesprochen. Reden wir noch ein wenig über dich und deine Arbeit bei Syngenta: Was bedeutet Syngenta für dich – in einem Satz?
„In einem Satz kann ich das nicht sagen. Ich mag den Spirit hier. Den Spirit zwischen den Menschen hier am Standort in Bad Salzuflen. Und Syngenta bedeutet für mich in jedem Fall Veränderung. Veränderung, die ich mitgehe, denn Veränderung ist für uns notwendig. Unsere Kunden kommen schließlich mit anderen Ansprüchen als noch vor 10 oder 20 Jahren, das müssen wir in unseren Produkten und Service Leistungen abbilden. Stillstand wäre hier keine Lösung.“
Gab es einen Moment bei Syngenta, der dich persönlich besonders geprägt hat?
„Ja, in der Tat. Ein besonderer Moment war das Gespräch mit meinem damaligen Geschäftsführer und Kollegen vor etwa 15 Jahren, in dem ich gesagt habe, dass der Job hier bei Syngenta mich sehr erfüllt und glücklich macht. Mit diesem Enthusiasmus möchte ich noch lange weitermachen.“
Du arbeitest in einem Team von elf Leuten. Was macht diese Zusammenarbeit im Team für dich aus?
„Wir halten einfach zusammen und ergänzen uns gut. Auch in unserem Team hatten wir in den letzten Jahren viele Veränderungen. Es sind junge Leute hinzugekommen. Das macht Spaß. Und obwohl nicht alle hier am Standort sind und wir auch viel online zusammenarbeiten, haben wir einen besonderen Teamgeist. Einmal die Woche kommen wir dann persönlich für eine gemeinsame Marketingbesprechung zusammen. Am Ende ist es für uns alle wichtig, neue Produkte richtig im Markt zu positionieren und erfolgreich zu verkaufen.“
Was wünschst du Syngenta zum 25. Jubiläum – beruflich wie persönlich?
„Ich wünsche mir vor allem, dass die Mitarbeiter mitgenommen werden bei Veränderungen, die morgen kommen. Was passiert jetzt, nachdem wir aus der Rapszüchtung ausgestiegen sind? Wann kommt der Hybridweizen? Diese und ähnliche Fragen müssen rechtzeitig geklärt werden. Ich selbst fühle mich da gut eingebunden, wünsche mir das aber wirklich für alle Kollegen.“
Welchen Ratschlag würdest du jungen Kolleginnen und Kollegen geben, die heute neu anfangen?
„Ruhe bewahren. Nicht in Panik verfallen. Veränderungen haben immer auch eine positive Seite. Denn sie sind das Gegenteil von Stillstand. Das müssen gerade unsere jungen Nachwuchskräfte für sich verinnerlichen. Wir bewegen hier so viel – das macht einfach Spaß!“
Friedbert gibt sein umfangreiches Wissen zu Mais gerne weiter