Aktuelles Getreide

Sensitivitäten von Braunrost gegenüber SDHI-Wirkstoffen

Laborergebnisse = Feldwirkung? Stimmt das?

Nein, das ist keine zulässige Schlussfolgerung! Die Kontrolle von Resistenzen bei Getreidepathogenen ist ein wichtiger Aspekt des modernen Pflanzenschutzes. Regelmäßige Monitorings helfen dabei, die genetischen Veränderungen von Krankheitserregern gegenüber gängigen Fungiziden frühzeitig zu erkennen. 

Dabei muss eine genetische Anpassung des Erregers nicht zwangsläufig zum vollständigen Wirkungsverlusts eines Fungizids führen. Sehr viel häufiger führen Erregermutationen zu einer verminderten Empfindlichkeit gegenüber Wirkstoffen oder einer Wirkstoffklasse. Kurzum: man benötigt höhere Wirkstoffmengen für gleichbleibende Wirkungsgrade. Dieser Prozess wird als Shifting bezeichnet und konnte über die letzten Jahre bei den Carboxamid-Wirkstoffen bspw. bei Pyrenophora teres in Gerste (Netzflecken) und bei Septoria tritici in Weizen beobachtet werden. Wichtig hierbei: Laborerkenntnisse zu neuen Mutationen können nicht immer 1:1 auf die Wirkung im Feld übertragen werden. Welchen Einfluss eine Mutation auf die Feldwirkung von Wirkstoffen (Solo-Wirkstoffe) oder Produkten (Wirkstoffkombinationen!) hat, lässt sich abschließend nur durch breite Feldversuche in der Praxis aussagekräftig feststellen. 

Braunrost 2023 - Was ist passiert?

Der Erreger des Weizenbraunrosts Puccinia triticina ist Teil des europäischen Resistenzmonitorings von Syngenta. In Europa wurden erstmals 2022 verminderte Sensitivitäten bei Braunrost gegenüber der Wirkstoffklasse der Carboxamide (SDHI) in Frankreich und Großbritannien nachgewiesen. Es handelte sich hierbei um die Mutation sdhC-I87F, die ein Jahr später 2023 erstmals auch in Süd-Hessen, NRW und Süd-Niedersachsen nachgewiesen wurde. 

Karten Winterinokulum 01.03.2024
Quelle: Syngenta – EAME Digital Agriculture Solutions

Die Mutation sdhC-I87F ist mit niedrigen Resistenzfaktoren assoziiert. Dadurch vermittelt sie keine vollständige Resistenz gegenüber Carboxamiden, sondern hat stattdessen nur einen geringen Einfluss auf die Feldwirkung. Die Mutation und die beschriebenen Resistenzfaktoren beziehen sich dabei grundsätzlich auf die Wirkung von Solo-Wirkstoffen.

Was bedeutet das? 

Beim Einsatz von Fungizidprodukten, die meist aus Wirkstoffkombinationen (Carboxamid + Triazol) bestehen, wird eine vermeintlich geringere Feldwirkung häufig nicht sichtbar. Grund dafür ist, dass die Wirkung der Carboxamide im Feld durch die Wirkung des Triazolpartners unterstützt wird.

Nach aktuellem Stand besteht eine Kreuzresistenz gegenüber Carboxamiden. Das bedeutet, dass alle Wirkstoffe dieser Klasse gleichermaßen von der Mutation betroffen sind. Von allen Carboxamiden ist der Wirkstoff Solatenol nach wie vor am effektivsten bei der Kontrolle von Braunrost. Bei Einhaltung der guten fachlichen Praxis lassen sich somit, auch bei Vorhandensein der Mutation I87F, weiterhin gute bis sehr gute Wirkungsgrade gegen Braunrost erzielen. Die Wirksamkeit von Solatenol gegen Braunrost konnte mit ELATUS Era im letzten Jahr erneut in Feldversuchen in Niedersachsen gezeigt werden. Trotz kurativer Anwendung und Nachweis der sdhC-I87F, präsentierte sich ELATUS Era als technisch bestes Produkt gegen Braunrost. Die geprüften Wettbewerbsprodukte erzielten dabei einen Durchschnittsertrag von 102,0 dt/ha, während Elatus Era mit einer Differenz von 7,8 dt/ha einen Mehrertrag von 109,8 dt/ha absichert. (Siehe Versuchsergebnis). Bei 40% Braunrostbefall auf dem Fahnenblatt der Kontrolle, drusch die Anwendung mit ELATUS Era inkl. Vorlage insgesamt 27,2 dt/ha Mehrertrag im Vergleich zu unbehandelt.  

Braunrost – kein Problem von ELATUS Era

Feldversuch Braunrost
Syngenta Feldversuch am Standort Hemmingen in Niedersachsen; sdhC-I87F am Standort nachgewiesen; ELATUS Era erwies sich 2023 erneut als das technisch beste Produkt gegen Braunrost.
Syngenta Feldversuch Hemmingen
Syngenta Feldversuch in Hemmingen (Niedersachsen), Sorte KWS Donovan; T1-Vorlage: BBCH 31 (05.05.23) mit 0,4 l/ha Pecari 300 + 1,0 l/ha Folpan 500 SC, T2-Behandlung in BBCH 39 (22.05.2023); Bildaufnahme 5 Wochen nach Behandlung (27.06.2023)

Was bedeutet diese Entwicklung für die Saison 2024?

Inwiefern sich die Mutation sdhC-I87F innerhalb der Braunrost-Population in Deutschland ausbreitet oder eventuell sogar sinkt, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht beantworten. Puccinia triticina ist ein sehr dynamischer Erreger mit schneller Vermehrungsrate. Pro Saison können so mehrere Generationen entstehen, wodurch die geographische Ausbreitung der I87F erhöht wird. Ein Braunrost Monitoring ist auch in 2024 geplant. 

Unabhängig vom Auftreten der I87F Mutation gilt also: ELATUS Era ist und bleibt das technisch beste Produkt gegen Braunrost. 

Unverändert sind Regeln der guten fachlichen Praxis einzuhalten:

  • Sortenwahl beachten; in betroffenen Regionen (NRW, NI) möglichst keine Sorten verwenden, die hoch anfällig gegenüber Braunrost sind.Bestände regelmäßig und frühzeitig kontrollieren. Infektionsbedingungen prüfen.
  • Bei Braunrost IMMER volle Aufwandmengen für gute Wirkungsgrade und lange Dauerwirkung!
  • Generell bei hohem Befallsdruck auf ausreichend hohe Wirkstoffmengen achten; reduzierte Aufwandmengen fördern die Anpassung der Erregerpopulation und führen zur weiteren Ausbreitung von Mutationen!
  • Möglichst vorbeugende Anwendung für beste (Dauer-)Wirkung; Kurativanwendung erhöhen den Selektionsdruck und fördern die Anpassung von Erregern!
  • In Kurativsituationen: höhere Azolmengen einsetzen – Elatus Era Sympara!
  • Wirkstoffe immer kombinieren; Carboxamide nie solo und maximal 1x in der Saison einsetzen z.B. STL + Triazol!
  • Bekämpfungsstrategie und Empfehlung bei Braunrost: 1,0 l/ha ELATUS Era, in Kurativsituationen höhere Triazolmengen einsetzen mit 1,0 l/ha ELATUS Era + 0,33 l/ha Sympara 
Syngenta Feldversuch Salzgitter
Syngenta Feldversuch Salzgitter-Ohlendorf (NI), Sorte KWS Donovan; Einmalbehandlung in BBCH 39 (15.05.23); Bildaufnahme 6 Wochen nach der Anwendung (26.06.23)

FAKTEN zusammengefasst:

  • Nachweis der Mutation sdhC-I87F in Braunrost gegen die Klasse der Carboxamide 
  • Erstmals 2022 in Frankreich und Großbritannien nachgewiesen, 2023 erste Einzelfunde in Deutschland (NRW, Niedersachsen, Hessen)
  • sdhC-I87F ist mit geringen Resistenzfaktoren assoziiert, d.h. es besteht keine vollständige Resistenz, sondern nur ein leichtes Shifting
  • ALLE Carboxamid-Wirkstoffe gleichermaßen betroffen (Kreuzresistenz)
  • Der Nachweis einer Mutation ist nicht gleichzusetzen mit dem Verlust der Feldwirkung von Produkten
  • Unverändert sehr gute Wirkungsgrade gegen Braunrost mit ELATUS Era, auch bei Solo-Einsatz! 

 

Kundenfragen aus dem BeratungsCenter:

In einer Winterveranstaltung habe ich von einer Braunrostresistenz gegenüber Solatenol bzw. ELATUS Era gehört. Wie muss man das verstehen?

In der Saison 2023 ist in Deutschland erstmals die Mutation sdhC-I87F in Braunrost nachgewiesen worden, die im Labor eine geringere Empfindlichkeit gegen Carboxamid-Wirkstoffe (SDHI) aufweist. Betroffen waren einige Standorte in den Regionen Süd-Hessen, NRW und Süd-Niedersachsen. Nach aktuellem Stand sind alle Carboxamide (Solo-Wirkstoffe) gleichermaßen betroffen. Ob die Feldwirkung von Produkten im Allgemeinen durch diese Mutation beeinträchtigt wird, muss in der Saison 2024 geprüft werden. Nach unseren 2023er Feldversuchen ist eine Kontrolle von Braunrost bei richtiger Anwendung mit ELATUS Era problemlos möglich. ELATUS Era ist unverändert das wirksamste Fungizid zum Schutz vor Braunrost.

Ich habe gelesen man soll ELATUS Era nicht mehr solo gegen Braunrost einsetzen. Stimmt das?

Bei der Kontrolle von Braunrost sind drei Dinge entscheidend: Produktwahl, Aufwandmenge und Einsatzzeitraum. Der Wirkstoff Solatenol in ELATUS Era ist nach wie vor der wirksamste Carboxamid-Wirkstoff gegen Braunrost, selbst bei einem Vorhandensein der Mutation I87F im Bestand.  Beim klassischen Einsatztermin, das heißt protektiv oder nahe dem Infektionszeitpunkt, ist ein Einsatz von ELATUS ERA solo mit 1,0 l/ha die beste Wahl für eine effiziente Kontrolle von Braunrost in Weizen. 

Angeblich soll es bei den Carboxamiden einen Wirkungsverlust gegen Braunrost geben. Ist das richtig?

Diese Aussage ist so nicht korrekt. Der Krankheitsverlauf in 2023 hat deutlich gemacht, dass eine Anwendung nahe dem Infektionszeitpunkt auch bei Braunrost entscheidend für den Bekämpfungserfolg ist. Das liegt daran, dass die Carboxamid-Wirkstoffe in erster Linie protektive Eigenschaften besitzen und in ihren kurativen Eigenschaften eingeschränkt sind. Anwendungen die bspw. 3 Wochen nach der Infektion in einen Braunrost-sporulierenden Bestand appliziert werden, können auch durch die besten Produkte nicht abgestoppt oder kontrolliert werden. In so einem Fall ist immer mit niedrigeren Wirkungsgraden zu rechnen, unabhängig von möglichen Anpassungen des Erregers. 

Muss man davon ausgehen, dass die Carboxamide ihre Wirkung gegen Roste verlieren?

Nein, davon ist aktuell nicht auszugehen. Die nachgewiesene Mutation ist mit niedrigen Resistenzfaktoren assoziiert, die nur einen geringen Einfluss auf die Feldwirkung haben. Carboxamid-haltige Produkte mit Triazolpartner leisten nach wie vor sehr gute Wirkungsgrade gegen Braunrost und ermöglichen eine zuverlässige Kontrolle dieser Weizenkrankheit. Eine Ausbreitung oder ein möglicher Rückgang der Mutation innerhalb der Braunrostpopulation muss weiter beobachtet werden.

Ist auch Roggenbraunrost von der neuen Mutation betroffen?

Weizenbraunrost (P. recondita f.sp. triticina) und Roggenbraunrost (Puccinia recondita f. sp. secalis) sind genetisch nicht identisch. Beim Roggenbraunrost handelt es sich um eine andere Art, die weiterhin voll sensitiv gegen die Wirkstoffklasse der Carboxamide ist. Verwenden sie auch hier bei der Bekämpfung volle Aufwandmengen, da reduzierte Mengen den Selektionsdruck auf den Erreger erhöhen und so Resistenzen gefördert werden können. 

 

Weitere Fragen? Dann stehen ihnen unsere Kollegen Dr. Volker Lassak und Ralf Brune im Beratungscenter unter +49 800 3240275 (gebührenfrei) gerne zur Verfügung.