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Preise für Braugerste dürften regional unterschiedlich ausfallen

Aktuelles Getreide
10.07.2015

Interview mit Walter König, Geschäftsführer des Bayrischen Brauerbundes e.V. zur Ernte und Preisentwicklung von Braugerste

In Deutschland wurde der Braugerstenanbau leicht ausgedehnt. Das Ergebnis der letzten Ernte wird dennoch nicht erreicht, ist sich Walter König, Geschäftsführer des Bayrischen Brauerbundes e.V. sicher. Durch unterschiedliche Niederschlagsmengen im Herbst und Frühjahr dürften sich innerhalb Deutschlands sehr differenzierte Ergebnisse zeigen. Die Preisentwicklung wird maßgeblich von der verfügbaren Menge und der Braugerstenqualität wie Sortierung und Eiweißgehalt abhängen. 

Herr König, welchen Umfang hat der Braugerstenanbau in Deutschland und in Europa zu dieser Saison?

Walter König: Erfreulicherweise ist der Braugerstenanbau in Deutschland um 4 Prozent auf rund 360 000 ha angewachsen. In der EU haben wir in etwa den gleichen Anbauumfang, wie im Vorjahr. Innerhalb der Länder hat es Verschiebungen gegeben. In Frankreich wurden etwa 50 000 ha weniger angebaut. Dafür wurde in England die Braugerstenfläche um etwa die gleiche Menge ausgedehnt. Verschiebungen sind, zum Beipiel wie in Frankreich, dadurch entstanden, dass die Winterungen ausgedehnt wurden. 

Wie haben sich die Saatenstände entwickelt und welche ersten Rückschlüsse kann man aus dem Erntestart ziehen?

Walter König: In einigen Regionen, besonders im Nord-Osten wie in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, sind die Böden schon mit einem Niederschlagsdefizit aus dem Winter gekommen. Nach der Aussaat im Frühjahr war es dann zwar nass aber sehr kalt. Viele Bestände sind deshalb schlecht aufgelaufen und haben sich schlecht bestockt. Die Ernte dürfte unter dem Durchschnitt ausfallen. Im Süden und im Südwesten war die Situation genau umgekehrt. Die Niederschläge waren ausreichend und gut verteilt. Hier rechnen wir mit einer überdurchschnittlichen Ernte. In Nordbayern, Hessen und Rheinland-Pfalz war es teilweise zu trocken. Wir gehen insgesamt von einer durchschnittlichen Ernte aus. Wenn die Mengen geringer ausfallen, bleibt die Höhe des Eiweißgehaltes abzuwarten. 

Mit welcher Preisentwicklung können wir bei der Braugerste rechnen und wo liegen die Ideen derzeit?

Walter König: Trotz einiger Wettermärkte, die derzeit die Getreidepreise am internationalen Markt unterstützen, bleibt es bei einer weltweit guten Getreideernte. Ich glaube, dass die Preise in der bevorstehenden Saison deshalb nicht in den Himmel wachsen werden. Für Braugerste liegt der Erzeugerpreis derzeit bei 180 bis 185 €/t und franko plus 20 bis 25 €/t. Bisher waren die landwirtschaftlichen Erzeuger mit Kontrakten sehr zurückhaltend. Das ist verständlich, denn letztes Jahr wurden immerhin 20 €/t mehr bezahlt. Die Preisentwicklung wird letztendlich von den tatsächlichen Erntemengen und bei der Braugerste natürlich von den Eiweißgehalten abhängen. 

Wie lange reichen die Vorräte der aufnehmenden Hand denn noch aus?

Walter König: Die aufnehmende Hand ist in diesem Jahr noch gut versorgt, weil wir im Vorjahr auf eine Rekordernte zurückgreifen konnten, die für 14 Monate reicht. Zur Saison 2015 würde im Grunde eine Ernte genügen, die 10 Monate absichert. Vor diesem Hintergrund warten alle Beteiligten die Preisbildung ab, die sich mit Erntemenge und Qualitäten entwickelt. Oft ist es so, dass die Qualitäten im Keller sind, wenn das Wasser im Frühjahr gefehlt hat. Sollte das der Fall sein, kann es regional zu Aufschlägen für die Braugerste kommen. Warten wir ab, wie sich die Ergebnisse tatsächlich darstellen. 

Welchen Einfluss hat die aktuelle Agrarpolitik auf die Braugerstenpreise?

Walter König: Wir wissen noch nicht, wie sich Greening und Düngeverordnung auswirken. Wir glauben, dass sich die politischen Beschränkungen positiv auf den Braugerstenanbau auswirken werden. Bezüglich der Verminderung der N-Bilanz könnte Braugerste durch den geringeren Stickstoffanspruch zur Pflanze der Wahl werden. Das Greening könnte einen Anbauanschub für die Winterbraugerste, als Begrünung über Winter, bringen. Aus diesem Grund, und weil sich die Brauqualität der Neuzüchtungen enorm verbessert hat, sind wir als Braugersten-Gemeinschaft dem Winterbraugerstenanbau gegenüber sehr aufgeschlossen. 

Herr König, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Brigitte Braun-Michels

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