Ertragssicherheit bei Ramularia
Ramularia collo-cygni ist eine zunehmend bedeutende Blattkrankheit im Getreideanbau, die vor allem Gerste betrifft. Sie kann erhebliche Ertragsverluste verursachen, indem sie die Photosynthese der Pflanzen beeinträchtigt und die Kornqualität mindert. Angesichts der klimatischen Veränderungen und der zunehmenden Resistenzproblematik gewinnt die Bekämpfung dieser Krankheit an Bedeutung.
Symptome und Auswirkungen
Ramularia, häufig auch Sprenkelkrankheit genannt, zeigt sich durch kleine, rechteckige, braune Flecken auf den Blättern, die oft von einem gelblichen Hof umgeben sind. Nicht selten werden die Symptome mit Netzflecken verwechselt, allerdings sind die Flecken bei einer Ramularia Infektionen sowohl auf der Blattober- als auch der Blattunterseite sichtbar.
Nachdem auftreten erster Symptome geht die Ausbreitung der Krankheit auf den Blättern sehr schnell und dann in kürzester Zeit das ganze Blatt überziehen. Das führt zu einem vorzeitigen absterben der Blätter, was die Photosynthese beeinträchtigt und letztlich den Ertrag mindern kann. Im weiteren Entwicklungsverlauf kann der Pilz auch die Grannen befallen.
Eine Ramularia-Infektion kann erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben. In Abhängigkeit von der Schwere des Befalls und den Umweltbedingungen sind Ertragsminderungen von 20 – 50 % durchaus möglich.
Ausbreitung des Pilzes
Bei Ramularia collo-cygni handelt es sich um einen samenbürtigen Pilz. Die Übertragung geschieht über am Saatgut haftende Erregersporen bereits befallener Bestände oder Ernterückstände. Der Pilz wächst mit der vegetativen Entwicklung der Pflanzen mit bis im Mai/Juni bei hoher Sonnenstrahlung und stärkere Feuchtigkeit die Pilzinfektion ausbricht. Die explosionsartige Ausbreitung der Krankheit geschieht über die massive Sporenverteilung durch Wind.
Bekämpfungsmaßnahmen & Wegfall von Wirkstoffen
Klassisch wird bei der Bekämpfung des Pilzes auf Fungizide gesetzt. Protektiv steht derzeit nur der Wirkstoff Folpet zur Verfügung, der allerdings nur noch 60 – 70 % der Wirkung des altbekannten Chlorthalonils zeigt. Die Zulassung inkl. des Wirkstoffs Chlorthalonil endete 2020.
Neben chemischem Pflanzenschutz gibt es weitere ackerbauliche Möglichkeiten um die Ausbreitung von Ramularia zu einzudämmen. Der Grundstein liegt dabei bereits in der Wahl des Saatguts. Wichtig ist hier vor allem, Nachbausaatgut mit vorhergegangenem starkem Ramularia-Befall zu vermeiden. Auch eine Erweiterung der Fruchtfolge, sowie eine angepasste Bestandesführung mit gemäßigter N-Düngung und nicht zu überzogenen Bestandesdichten, können den Infektionsdruck bereits mindern.
Züchterisch gibt es derzeit noch keine Lösung, denn ein Resistenzgen gegen Ramularia collo-cygni ist aktuell noch nicht bekannt. Dennoch ist die Wahl der richtigen Sorte entscheiden, um die explosionsartige Ausbreitung des Pilzes so lange wie möglich in Schach zu halten.
Hyvido Sorten zeichnen sich durch ein sehr hohes Toleranzniveau gegenüber Ramularia aus. Das zeigt sich Jahr für Jahr in der Praxis, wie Landwirt Gerhard Rohn aus Baden-Württemberg erläutert:
Doch nicht nur eigene Erfahrungen von Landwirten spiegeln die gute Toleranz der Hybriden gegen die Krankheit wider. Aufgrund der Befallsschwere mit Ramularia führt das LTZ Augustenberg seit vielen Jahren sehr genaue Ramularia-Bonituren durch, in denen die Hybriden auch in diesem Jahr wieder hervorragend abgeschnitten haben.