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Falsch oder Echt?

Aktuelles Spezialkulturen
27.03.2017

Teil III

Kriterien bei der Fungizidwahl, Anti-Resistenz-Strategien und Empfehlungen gegen Falschen und Echten Mehltau

In der ersten Ausgabe unserer 3-teiligen Fachinformationsreihe „Falsch oder Echt“ haben wir Ihnen Informationen zur Biologie, zur Erkennung und zur Schadwirkung der Pilze, zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden gegeben. Die zweite Ausgabe widmete sich im Schwerpunkt den verschiedenen Gesichtspunkten, die für das richtige Timing der Fungizidmaßnahmen gegen die beiden Erreger wichtig sind sowie der Applikationstechnik. In dieser Ausgabe erhält der Leser konkrete Hinweise und Empfehlungen zu Kriterien bei der Fungizidwahl sowie für die Gestaltung von Spritzfolgen gegen Falschen und Echten Mehltau. 

So einfach es klingen mag: Zielsetzung der Bekämpfungsmaßnahmen ist es, Blätter und Trauben weitgehend befallsfrei zu halten. Über eine Reihe von Grundlagen haben wir in den vorangegangenen Ausgaben informiert. Nunmehr stehen die Wahl der Fungizide und die richtige Gestaltung der Spritzfolgen im zeitlichen Verlauf der Vegetation im Vordergrund. Für erfolgreiche Bekämpfungsstrategien gilt es Antworten auf diese Fragen zu finden:

  • Wie passen Wirkstoffverteilung und Pflanzenentwicklung zusammen?
  • Wann müssen die leistungsstärksten Produkte eingesetzt werden?
  • Wie kann man als Winzer ein wirkungsvolles Anti-Resistenz-Management betreiben?
 

Anforderungen an Fungizide verändern sich im Lauf der Vegetation

Die Verteilung von fungiziden Wirkstoffen in und auf den Pflanzen ist unterschiedlich. Im Wesentlichen unterscheidet man:

Kontaktwirkstoffe:

  • Bleiben auf Oberfläche von Blättern/Trauben; dringen nicht in Pflanzengewebe ein
  • Beispiele: Folpan, Mancozeb (und andere)
 

Tiefenwirksame (teilsystemische) Wirkstoffe:

  • ​Dringen in Pflanzengewebe ein; manche werden auch zu Blattunterseite transportiert (translamiar)
  • Beispiele: Mandiprompamid (und andere)​
 

Systemische Wirkstoffe:

  • ​Dringen in Pflanzengewebe ein und werden mit dem Saftstrom transportiert
  • Bespiele: Metalaxyl-M (und andere)
 

Der Wachstumsrhythmus der Reben stellt spezifische Anforderungen an das Wirkstoffverhalten im jeweiligen Vegetationsstadium:

StadiumRebentwicklungAnforderung an Fungizide
Austrieb Meist verhaltenes Wachstum; Zuwachs neuer BlätterKontaktwirkung meist ausreichend gegen Falschen und Echten Mehltau
Vorblüte Wein - VorblüteStarkes Längenwachstum und Zunahme der BlattflächenSehr gute systemische Verteilung in der Pflanze (v.a. gegen Falschen Mehltau)
Kurz vor der Blüte Wein - Kurz vor der BlüteStarke Zunahme der Blattflächen; Junge anfällige BeerchenSpritzmittelbelag wird durch Wachstum verdünnt ; Vorteile für Produkte mit hoher intrinsischer Wirkung; Wirkstoffverteilung zu Blattunterseiten (translaminar)
Nachblüte Wein - NachblüteWeiter Blattflächenzuwachs; Abfallen der Beerenkäppchen; Beginn GeiztriebwachstumWirkstoffverteilung an Blattunterseiten (translaminar); Starke Bindung an Wachsschichten (Beerenschutz)
Traubenschluss Wein - TraubenschlussMaximale Blattflächen; Letzter Zeitpunkt, das Stielgerüst zu erreichenWirkstoffverteilung an Blattunterseiten (translaminar); Starke Bindung an Wachsschichten (Beerenschutz) und an das Stielgerüst
Reife Wein - ReifeSpaltöffnungen werden zurückgebildet (Infektion wird schwieriger für Falschen Mehltau); Befall durch Echten Mehltau auf Geiztrieben/-trauben weiter möglich; Anlage von Wintersporen (Kleistothezien/Oosporen)Kontaktwirkung (in gesunden Anlagen) meist ausreichend gegen Falschen Mehltau; Systemische Wirkung gegen Echten Mehltau

 

 

Verantwortungsvolles Anti-Resistenz-Management umsetzen

Grundlage, die Wirksamkeit der Fungizide längerfristig zu erhalten, ist ein konsequenter Wechsel von Wirkstoffgruppen (oder besser: Wirkungsmechanismen) in der Spritzfolge. Achtung: Produktwechsel bedeutet nicht automatisch Wechsel des Wirkungsmechanismus! Blockbehandlungen mit Produkten aus der gleichen Wirkstoffgruppe sind in jedem Fall zu vermeiden.

Eine Übersicht zu den Wirkstoffgruppen gegen Echt und Falsch finden Sie hier zum Download.

Weiterhin sollte die Empfehlungen zur maximalen Anwendungshäufigkeit einer Wirkstoffgruppe strikt eingehalten werden. Informationen dazu finden Sie unter anderem bei den Amtlichen Beratungsdiensten (z.B. dlr-rheinpfalz.rlp.de).

Die Zahl gut wirksamer Wirkstoffe gegen Falschen und Echten Mehltau ist limitiert, wesentliche Neuzulassungen sind rar. Es ist wichtiger denn je, das bestehende Instrumentarium in seiner Wirksamkeit zu erhalten.

 

Klimaveränderungen erhöhen Resistenzgefahr

Die Klimaveränderungen begünstigen auch das Auftreten von Falschem und Echtem Mehltau. Entwicklungszyklen laufen bei den höheren Temperaturen wesentlich schneller ab. Dadurch steigen die Chancen der Pathogene, durch Mutationen die Wirtsresistenz zu überwinden. Ein stringentes Anti-Resistenz-Management wird auch aus diesem Grund immer wichtiger.

 

 

Noch ein paar Praxistipps

 

Minimalschnittsysteme:

Aufgrund der schnell verdichteten Laubwand herrschen oft hohe Luftfeuchten und damit günstige Bedingungen vor allem für den Echten Mehltau. In diesen Anlagen gilt noch mehr: Früh protektiv starten, enge Abstände, in der Vorblüte auf tiefenwirksame Fungizide wechseln, höhere Wassermengen. Zum Reifebeginn sollte der Wechsel auf Triazol-Produkte gegen Echten Mehltau etwas später erfolgen. Die Trauben sind in Minimalschnittanlagen länger anfällig durch die systembedingte verzögerte Beerenentwicklung.

 

Regenfestigkeit:

Produkte, die in das Pflanzengewebe eindringen können naturgemäß nicht mehr durch Niederschläge abgewaschen werden - im Gegensatz zu Kontaktmitteln und den sehr wasserlöslichen Phosphonaten. Erfahrungsgemäß herrschen gerade in der empfindlichen Phase der Reben oft wechselhafte Witterungsbedingungen. Tiefenwirksame bzw. systemische Fungizide sind daher auch aus diesem Grund im „Mehltau-Fenster“ vorzuziehen. 

 

Empfehlung gegen Falsch und Echt für 2017

In den Empfehlungen gegen Falschen und Echten Mehltau wurde beschriebenen Anforderungen an Fungizide im Vegetationsverlauf und den Leitlinien für Anti-Resistenz-Strategien Rechnung getragen.

Empfehlungen Falscher und Echter Mehltau

 

 

Hinweis für unsere Leser: 

Mit der dritten Ausgabe von „Falsch oder Echt“ beschließen wir diese kleine Serie. Wir hoffen, Ihnen nützliche Fachinformationen vermittelt zu haben, um gegen Falschen und Echten Mehltau gewappnet zu sein. Viel Erfolg bei der Umsetzung in 2017. Ihre Ansprechpartner für den Weinbau von Syngenta stehen Ihnen natürlich gerne in der Saison für Fragen und Empfehlungen zur Verfügung.

 

Empfehlungen 2017

Unsere Produkte und Empfehlungen für die Saison 2017 gegen „Falsch und Echt“ sowie die anderen Pilzkrankheiten im Weinbau finden Sie hier.

Testen Sie ihr Wissen

Auf unserer Homepage finden Sie jetzt das „Falsch oder Echt – Quiz“ mit Fragen zu den beiden Mehltau-Arten sowie rund um den Weinbau. Aufmerksame Leser der Artikel werden manche Frage leichter beantworten können. Testen Sie hier Ihr Wissen!

Experten kommen zu Wort

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