Politische Kommunikation in Berlin und Brüssel

 

Let's keep talking!

Ein Interview mit Alina Gumpert (Head of Government & Public Affairs Germany) und Christopher Sieler (Global Head of Political Engagement and Analysis)

Interview – Syngenta Deutschland
Alina, wir starten unser Doppelinterview gerne mit dir. Wann bist du zu Syngenta gekommen – und was reizt dich an der politischen Kommunikation für ein Agrarunternehmen?
Alina: „Ich bin jetzt seit sechs Monaten bei Syngenta. Die letzten 15 Jahre habe ich in verschiedenen Wirtschaftsverbänden gearbeitet, sowohl national als auch international. Die Themen der Agrar- und Ernährungswirtschaft haben dabei immer eine zentrale Rolle gespielt und ich konnte mir ein breites politisches Netzwerk aufbauen. Ganz ehrlich: die Arbeit der Syngenta als weltweit führendes Agrarunternehmen verbindet diese beiden Welten perfekt. Deshalb freue ich mich jeden Tag für Syngenta zu arbeiten.“
Und du Christopher – wie lange bist du schon dabei und was hat dich anfangs an der Herausforderung gereizt?
Christopher: „Seit dem 1. Januar 2020 bin ich an Bord. Aber eigentlich kennen Syngenta und ich uns noch länger, da ich davor das Unternehmen bereits als Public Affairs Berater kennenlernen durfte. Besonders gereizt hat mich schon immer, dass die politische und gesellschaftliche Diskussion rund um Landwirtschaft einfach noch nicht zu Ende diskutiert ist. Wir sind uns nicht ganz klar darüber, weder in Deutschland noch in Europa und eigentlich weltweit, wie wir Landwirtschaft angesichts der immer neuen Herausforderungen wirklich gestalten wollen. In diesem Gestaltungsprozess eine Stimme, ein Mitdenker zu sein, das hat mich immer schon motiviert und tut es tatsächlich bis heute.“

Alina: „Dem kann ich nur zustimmen. In Berlin finden viele Veranstaltungen statt, bei denen auch die aktuellen Themen der Agrarpolitik aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert werden. Da ist es wichtig dabei und offen für den konstruktiven Austausch zu sein. Die Arbeit der Verbände ist sehr gut und sehr wichtig. Aber es ist genauso wichtig, Beispiele aus der Unternehmensperspektive zu bringen. Denn die konkreten Beispiele, die für Innovationen, für Lösungen in der Landwirtschaft sorgen, die finden in den Unternehmen statt. Da ein Teil zu sein, das finde ich sehr spannend bei Syngenta.“
Ihr habt beide schon so lange Erfahrungen in der politischen Arbeit – sei es für Verbände, als Berater oder eben im Unternehmen. Was hat denn euer Leben in dieser Hinsicht besonders geprägt?
Alina: „Meine Großeltern hatten seinerzeit einen Bauernhof. Dieser familiäre Bezug zur Landwirtschaft hat mich sehr geprägt – und ich habe ihn auch nicht verloren, als ich dann Politikwissenschaft studierte. In den letzten Jahren habe ich mit einem stark internationalen Fokus gearbeitet - viel mit unterschiedlichen Akteuren in Deutschland, aber auch in Asien. Und immer hatte oberste Priorität, offen auf Menschen zuzugehen, genau zuzuhören, Situationen richtig einzuordnen. Das kommt mir jetzt bei meiner täglichen Arbeit für ein globales Unternehmen mit internationalen KollegInnen sehr zugute. Die Liebe zum ländlichen Raum ist dabei immer geblieben und eine Eigenschaft, die meine Arbeit für Syngenta täglich leitet.“

Christopher: „Prägend für einen Jungen aus dem Sauerland waren sicherlich die drei Jahre im Deutschen Bundestag, in denen ich für einen Bundestagsabgeordneten arbeiten durfte. Jeden Morgen mit dem Fahrrad vor dem Reichstag stehen zu bleiben, das Rad abzustellen, da reingehen zu dürfen, ohne dass einer ruft, „Ey, hier geht es nicht weiter,“ das war schon ein absolutes Highlight für mich - auch, wenn man dort vom Kaffee kochen bis zum Reden schreiben, wirklich alles machen musste. Für mich war es ein Privileg dort zu arbeiten, von dem der Rest der Familie nur über die Tagesthemen hört.“
Alina Gumpert und Christopher Sieler bei einem Vortrag im Deutschen Bundestag

Alina Gumpert und Christopher Sieler beim Parlamentarischen Frühstück von Syngenta im Mai 2025

Alina Gumpert bei einem Vortrag im Deutschen Bundestag

Alina Gumpert (Head of Government & Public Affairs Germany)

Danke euch für diese sehr persönlichen Einblicke. Was macht denn für dich die Arbeit der Public Affairs bei Syngenta besonders spannend, Alina?
Alina: „Meine Arbeit bei Syngenta ist total vielseitig. Ich bin eng in die politischen Themen in Berlin eingebunden, bin aber gleichzeitig in einem sehr regen Austausch mit unserem Büro in Brüssel und den Brüsseler Kollegen. Außerdem ist es in der Tat so, dass es nur wenige Unternehmen weltweit gibt, die so eine Bandbreite an innovativen Technologien für die Landwirtschaft entwickeln. Das ist einfach unheimlich spannend für mich.“
Klingt aufregend. Kannst du uns einen typischen Arbeitsalltag schildern, Alina?
Alina: „Es gibt tatsächlich einen typischen Arbeitsalltag, wenn Sitzungswochen in Berlin sind und einen, wenn keine Sitzungswochen sind. Während der Sitzungswochen besuche ich viele Gesprächsrunden oder Diskussionsveranstaltungen. Da ist es wichtig, dabei zu sein, sich einzubringen und das Gespräch zu suchen. Wenn keine Sitzungswochen sind, bedeutet das für mich in der Regel Schreibtischarbeit oder ich bereite eigene Veranstaltungen für Syngenta – wie etwa unser Parlamentarisches Frühstück in Berlin – vor.“
Hast du auch einen typischen Arbeitsalltag, Christopher?
Christopher: „Ein typischer Arbeitsalltag lässt sich nicht so leicht beschreiben, aber vielleicht kann ich erstmal Themenfelder nennen. Eigentlich beschäftigt mich alles, was wir im Wirtschafts- und Politikteil der Zeitung lesen - der Zoll- und Handelsstreit zwischen den USA und anderen Staaten, Stichwort BRICS und die Weiterentwicklung der Vereinten Nationen, die Unterstützung einzelner Regionen in ihrer politischen Arbeit, aber eben auch klassische Public Affairs Tätigkeiten wie die Verantwortung für das Weltwirtschaftsforum in DAVOS, wo unser CEO Jeff Rowe auch 2026 wieder vor Ort sein wird.“
Das klingt sehr vielseitig – kannst du die größte Herausforderung in deiner neuen Position für dich persönlich beschreiben?
Christopher: „Na ja, ich muss mich natürlich ganz neu etablieren. Die letzten fünf Jahre im Berliner Büro hatte ich meine Routinen und meine festen Ansprechpartner. Die neuen Abläufe muss ich mir jetzt erst wieder aufbauen. Aber das macht mir Spaß – neue Teams kennenlernen, mich in neue Themen reinarbeiten. Dinge umsetzen, von denen ich vorher noch nie gehört habe.“
Alina, wie gibst du deiner Arbeit im Berliner Büro jetzt deine ganz eigene Note? Wie gestaltet sich Dein Austausch mit Politik, Behörden und Verbänden im Arbeitsalltag?
Alina: „Natürlich habe ich mit dem, was in den letzten fünf Jahren aufgebaut wurde, eine ausgezeichnete Basis. Für mich war es tatsächlich eine große Chance, dass sich mit meinem Start im Mai 2025 der Bundestag neu konstituiert hat und ich meine Arbeit in einer neuen Legislaturperiode aufnehmen durfte. Damit bin ich auf viele neue Akteure gestoßen – und die eben auch auf mich. Jetzt heißt es, weiter neue Kontakte knüpfen und in den Austausch gehen. Mit Verbänden und der Politik.“
Was war für euch bislang der größte Meilenstein in der politischen Arbeit für Syngenta? Fällt dir was ein, Christopher?
Christopher: „Ja. Das war die Zusage des damaligen grünen Landwirtschaftsministers Cem Özdemir, unser Forschungslabor in Stein in der Schweiz zu besuchen. Das war ein absolutes Highlight, obgleich es dann letztlich nicht stattgefunden hat, da die Ampelregierung bereits vor diesem Termin beendet war.“
Für dich, Alina?
Alina: „Ich bin ja erst sechs Monate dabei. Aber was mich sicherlich geprägt hat, war unser erstes Parlamentarisches Frühstück in der neuen Legislaturperiode. Damals war ich gerade 50 Tage im Amt und konnte direkt mit den Abgeordneten in den Dialog gehen und meinen Punkt machen. Das war eine sehr schöne und wichtige Erfahrung für mich.“
Christopher, welche besonderen Herausforderungen siehst Du für ein global agierendes Agrarunternehmen wie Syngenta derzeit mit Blick auf Europa und Deutschland?
Christopher: „Die Herausforderungen sind da leider nicht neu: Europa hat sich entschieden, eine eigene, sehr spezielle Regulierung zu haben für beide Teile der Agrarbranche – für den Pflanzenschutz und für das Saatgut. Wir haben in Europa keine Gentechnik, die Diskussion um neue Züchtungsmethoden laufen und viele unserer Innovationen auch im Pflanzenschutzbereich schaffen es nicht auf den europäischen Markt. Das ist kein Naturgesetz, sondern das ist eine bewusste politische Entscheidung. Tatsächlich ist das ein Industrieproblem, keine spezifische Syngenta-Herausforderung – Zulassungsverfahren dauern einfach viel zu lange, oft werden Innovationen gar nicht zugelassen.“
Alina, wie gehst du um mit diesen Spannungsfeldern?
Alina: „Ich stimme dem vollkommen zu. Es geht ja nicht nur um die Agrarbranche, sondern vielmehr um ein generelles Thema der Industrie. Wie wollen wir zukünftig dastehen als Wirtschaftsstandort Deutschland? – diese Frage müssen wir doch klären.“
Es gibt also viel zu tun. Habt ihr angesichts dieser Herausforderungen ein persönliches Motto, mit dem ihr in den politischen Alltag startet?
Beide: „Das ist vielleicht eher eine Haltung, aber man könnte sie so formulieren: „Let´s keep talking! Wir haben uns ja beide bewusst für die politische Arbeit in einem Agrochemie-Konzern entschieden, weil wir die Lust am Austausch, am Argument, am Dialog leben und lieben. Dabei wird nicht jedes Argument gewinnen, aber wir arbeiten daran, dass es mehr werden!“
Zum Abschluss würde ich gerne noch auf die Zukunft von Syngenta eingehen – was wünscht Ihr Syngenta für die nächsten 25 Jahre?
Christopher: „Ich wünsche mir weitere 25 Jahre eine erfolgreiche Arbeit aller Syngenta Teams, dass die Forschungspipeline niemals leer wird und dass wir weiter an Innovationen arbeiten, die die Gesellschaft nach vorne bringen. Und natürlich sollten wir unsere Innovationen dann auch erfolgreich in den Verkauf bringen.“

Alina: „Es ist ein Privileg mit so vielen tollen, klugen und interessanten Kollegen zusammenzuarbeiten. Ich schätze sehr die große Diversität. Das wird hier sehr gelebt und ich wünsche mir, dass das auch so bleibt. Und ich wünsche mir, dass wir für unsere Landwirte die richtigen Entscheidungen treffen. Denn die Landwirtschaft braucht einen verbindlichen politischen Rahmen, um langfristig profitabel agieren zu können – dabei können wir als Syngenta unterstützen.“
Christopher Sieler bei einem Vortrag im Deutschen Bundestag

Christopher Sieler (Global Head of Political Engagement and Analysis)