Innovation, Leidenschaft und Zukunftsvisionen: Jens Luckhard erzählt, wie aus einer studentischen Aushilfe ein strategischer Kopf wurde und warum Frankfurt Höchst bald als technisches Kompetenzzentrum für Saatgut und Biologicals gelten wird. Mit dem geplanten Umzug von Maintal beginnt ein neues Kapitel – größere Gewächshausflächen, neue Testsysteme und ein klarer Fokus auf biologische Lösungen für ganz Europa. Die Saat für morgen wird heute gelegt – und Kommunikation bleibt der Schlüssel, um Höhen und Tiefen gemeinsam zu meistern.
Wenn Jens Luckhard über seinen Werdegang spricht, wird schnell klar: Hier erzählt jemand mit Leidenschaft für Pflanzen – und für die Menschen, die mit ihnen arbeiten. „Ich bin im landwirtschaftlichen Umfeld aufgewachsen“, sagt er. „Mich hat immer gereizt, dass Pflanzen nicht nur schön wachsen, sondern auch einen Ertrag bringen.“
Diese Faszination führte ihn zum Studium der Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Pflanzenbau und Pflanzenschutz nach Gießen. Schon früh war klar, dass es nicht bei der Theorie bleiben würde. Über einen Kommilitonen kam er zur damaligen Firma Zeneca – und damit begann eine Karriere, die bis heute das Gesicht des Seedcare Institute in Maintal prägt.
„Ich habe 1996 angefangen – zunächst als studentische Aushilfe in der Entwicklungsabteilung“, erinnert sich Luckhard. „Wir haben Versuche ausgewertet, Statistiken erstellt und Präsentationen vorbereitet.“ Es war die Zeit der Einführung von Azoxystrobin – ein Meilenstein in der Pflanzenschutzgeschichte. „Das war ein echter Wettlauf mit BASF. Wer hat das erste Strobilurin? Das war ein Battle – und es hat richtig Spaß gemacht.“
Nach Stationen im Marketing und im BeratungsCenter übernahm Luckhard 2011 die Leitung des Seedcare Institutes und später des Standorts Maintal. Dort entwickelte er das Zentrum zu einem technischen Rückgrat für Syngenta in Deutschland – mit Fokus auf Laborchemie, Saatschutz und Anwendungstechnik.
Landwirtschaftliche Wurzeln – Vom Familienbetrieb ins Kompetenzzentrum
Neben seiner beruflichen Laufbahn blieb Jens Luckhard auch lange Zeit dem elterlichen Betrieb verbunden. „Wir haben Erdbeeren zur Selbstpflücke angebaut – bis 2014“, erzählt er. Dazu kamen Kartoffeln, Kürbisse und Zierpflanzen. „In Oberhessen ist es im Frühjahr oft noch sehr kalt – keine klassische Region für Sommerkulturen. Aber gerade das hat mich gereizt.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzt er:
„Man bräuchte eigentlich eine Fußbodenheizung im Acker. Anderswo ist der Mais schon draußen – bei uns ist er oft noch nicht mal gelegt.“
Heute leitet er ein technisches Kompetenzzentrum. „Wir haben hier drei Standbeine“, erklärt Luckhard. „Die klassische Chemie im Labor, den Saatschutzbereich und die Anwendungstechnik.“ Besonders stolz ist er auf die Entwicklung risikomindernder Techniken, die zur Zulassung neuer Produkte beitragen: „Wir helfen den Kollegen aus der Registrierung, die richtigen Argumente für die Behörden zu finden.“
Ein Beispiel: die Staubgrenzwerte für gebeiztes Saatgut. „Plötzlich musste nicht nur die Dosis stimmen, sondern auch der Staubwert eingehalten werden. Wir haben Lösungen entwickelt und uns zertifizieren lassen – als eine der ersten Einrichtungen in Deutschland.“
Jens Luckhard im alten "Seedcare Institute" in Maintal - ab 2026 arbeitet das Team in Frankfurt-Höchst
Das weltweit erste Seedcare and Biologicals Institute
Maintal ist heute JKI-zertifizierte Beizstelle, GEP-anerkannt und fungiert als eine Art „Spritzen-TÜV“ für industrielle Beizanlagen. „Alles, was wir hier erstellen, kann auch für Zulassungsversuche verwendet werden“, betont Luckhard.
Was Maintal besonders macht:
„Unsere Kunden rufen uns an, weil sie wissen: Wir helfen“, sagt Luckhard. „Ob im Labor oder auf dem Feld – das Team bringt langjährige Erfahrung und echtes Engagement mit.“
Dabei unterscheidet sich Maintal deutlich von anderen Seedcare Instituten weltweit. „Wir sind weniger marketinggetrieben. Bei uns geht es um Lösungen – nicht um Show.“ In anderen Ländern würden häufiger visuelle Artefakte wie Rhizotrone, Petrischalen oder Zeitraffer-Videos für Produkteinführungen genutzt. „Das haben wir erst seit 2023 ergänzt – mit dem Ausbau unseres biologischen Bereichs.“
Seit 2023 ist Maintal das erste „Seedcare and Biologicals Institute“ im globalen Seedcare-Verbund. Damit beginnt ein neues Kapitel: „Biologische Produkte sind extrem unterschiedlich – Extrakte, lebende Organismen, Biocontrols. Da braucht es viele verschiedene Testsysteme.“
Zeitlupenvideos im Gewächsraum nach einer Behandlung mit Biologicals
Ein Syngenta Mitarbeiter appliziert biologische Beizmittel auf Saatgut
Mehr als Chemie – Biologicals eröffnen neue Horizonte
Mit dem Umzug nach Frankfurt Höchst wird das Institut ab 2026 nicht nur räumlich, sondern auch strategisch neu aufgestellt. „Wir bekommen größere Gewächshausräume, neue Applikationseinrichtungen und einen erweiterten Fokus – nicht nur auf die DACH-Region, sondern auf ganz Europa.“
Syngenta investiert gezielt in den Standort, um technische Expertise für biologische Produkte aufzubauen. „In anderen Ländern ist die Wachstumskurve für Biologicals deutlich steiler“, sagt Luckhard. „Diese Produkte brauchen Support – und den bieten wir.“ Die Herausforderung:
„In der Chemie kannst du Prozesse standardisieren – ein Fungizid für Weizen funktioniert ähnlich wie für Raps. Bei Biologicals ist das anders. Jedes Produkt braucht eigene Testsysteme – und die müssen wir oft erst entwickeln.“
Auf die Frage, was er sich für die nächsten 25 Jahre bei Syngenta wünscht, antwortet Jens Luckhard ohne Zögern: „Reden, reden, reden. Kommunikation und Authentizität – das ist das Wichtigste.“ Denn nur so, glaubt er, lassen sich auch schwierige Phasen meistern: „Man kann Höhen gut durchwandern – aber vor allem die Tiefen und Täler, die kommen, glaube ich. Die kann man besser durchwandern, bis wir wieder zur nächsten Steigung kommen.“