Daten sind der neue Traktor
Warum die landwirtschaftliche Produktivität vor ihrem größten Sprung seit einem Jahrhundert steht
Ein Feld mag wie ein ruhiger, friedlicher Ort erscheinen. Doch moderne Landwirtschaftsbetriebe sind voller hochentwickelter digitaler Technologien – Werkzeuge, die dazu beigetragen haben, die Produktivität zu steigern und mehr Nahrungsmittel als je zuvor zu produzieren.
Nun stehen technologische Durchbrüche wie Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen (ML) bereit, die Produktivität noch weiter zu beschleunigen. Wie Feroz Sheikh, Chief Information and Digital Officer bei Syngenta, sagt: „Daten sind der neue Traktor“. Aber was bedeutet dieser einprägsame Satz für Landwirte, die ihre Erträge steigern wollen und dabei die ökologischen Grenzen ihres Bodens respektieren müssen?
„Zu sagen, Daten sind der neue Traktor, bedeutet, dass Daten der zentrale Ermöglicher dessen sind, was ich gleich tun werde. Daten sind nicht nur ein Nebenprodukt, das wir am Ende eines Prozesses erhalten – wie ein Landwirt, der seine Ernte einholt. Vielmehr sind Daten das, was die Produktivität antreibt, um die Ergebnisse für Landwirte zu maximieren.“
Für Sheikh bedeutet die optimale Nutzung von Daten die Entwicklung neuer digitaler Werkzeuge für Landwirte. Gleichzeitig ist ihm bewusst, unter welchem Druck Landwirte weltweit stehen.
„Diese Werkzeuge und Daten müssen so gestaltet sein, dass sie nahtlos in die heutige Arbeitsweise der Landwirte passen – wir dürfen ihren Arbeitsablauf nicht stören.
Das Entscheidende ist, dass Daten arbeitsersparend sein sollten“, sagt er. „Denken Sie an Feldkontrollen. Anstatt sie manuell durchzuführen, was wäre, wenn dies mithilfe von Drohnen oder Satellitenbildern geschehen könnte, die gezielte Informationen liefern? Statt zwei Stunden durch ihre Felder zu laufen, könnten Landwirte die benötigten Informationen in nur 15 Minuten erhalten.“
Feroz Sheikh auf einem Event im Rahmen der Agritechnica 2025 in Hannover
Bill McDonnell, Landwirt in fünfter Generation und Leiter für digitale Lösungen bei Syngenta
Die Perspektive eines Landwirts
Dateninnovationen verändern bereits die Arbeitsweise von Landwirten. Nehmen wir Bill McDonnell, einen Landwirt in fünfter Generation, der zusammen mit seinem Vater 1.000 Hektar in Nord-Illinois bewirtschaftet und Sojabohnen sowie Mais anbaut – im Herzen des amerikanischen Corn Belt.
Für diesen bekennenden Ag-Tech-Enthusiasten steht der Satz „Daten sind der neue Traktor“ für etwas, das bereits in Bewegung ist, und für das Versprechen dessen, was die Landwirtschaft in Zukunft sein könnte. Auf McDonnells Betrieb erfolgt die Datenerfassung über Sensoren im Feld. Sie wird kontinuierlich gesammelt und von Saison zu Saison ausgewertet, um die Leistung zu steigern.
Neben seinem eigenen Betrieb ist McDonnell Digital Solutions Lead bei Syngenta. Außerdem leitet er einen der wichtigsten Standorte des Unternehmens – eine 152 Hektar große Farm, die sich auf innovative digitale Landwirtschaft spezialisiert hat.
Diese Farm, bekannt als Farm der Zukunft, liegt in der Nähe von Ottawa, Illinois, und fungiert als eine Art agronomisches Labor, in dem neue Technologien und Verfahren unter realen Bedingungen getestet werden. So können McDonnell und andere Experten beurteilen, ob eine vielversprechende neue Idee oder Technik im erforderlichen Maßstab funktioniert.
Algorithmen unterstützen die Entscheidungsfindung bei der Sortenwahl, und Drohnen schweben über den Feldern, um gezielt gegen Unkräuter, Schädlinge und Krankheiten vorzugehen. McDonnell sagt:
„Hier testen wir neue Technologien, bevor sie zu den Landwirten kommen. So können wir evidenzbasierte Antworten geben, was am effektivsten ist.“
Für McDonnell geht es nicht nur darum, neue digitale Werkzeuge zu haben – sondern darum, was diese Werkzeuge den Landwirten ermöglichen. „Die Mechanisierung und die Einführung des Traktors bedeuteten den Abschied von Pferden. Das war ein Durchbruch, weil es den Landwirten erlaubte, die Produktivität mit weniger Arbeitsaufwand zu steigern.“
Der eigentliche Nutzen für Landwirte entsteht, nachdem die Informationen gesammelt wurden und die daraus gewonnenen Erkenntnisse auf dem Feld umgesetzt werden können.
Blick in die Zukunft
Da sich der technologische Wandel weiterhin rasant vollzieht, was kann die Datenanalyse künftig noch für Landwirte leisten? McDonnell sagt: „Eines der spannendsten Dinge ist, dass wir mithilfe historischer Daten und einer Art ML-Datenbank detaillierte, maßgeschneiderte Vorhersagemodelle erstellen könnten.“
McDonnell ist auch begeistert von autonomer Technologie – Fahrzeugen und Landmaschinen, die nicht mehr von Menschen gesteuert werden müssen, sondern sich selbst lenken und Funktionen eigenständig ausführen können.
Darüber hinaus sieht McDonnell großes Potenzial in Cloud Computing. Im Wesentlichen bedeutet das, die Leistungsfähigkeit des Internets zu nutzen, um Datenspeicherung, -verwaltung, -freigabe und -analyse nahtloser und effizienter zu gestalten.
Das mag technisch klingen, aber wie McDonnell erklärt:
„Eines, das die Datenerfassung wirklich vorangebracht hat, sind cloudbasierte Dienste.“ Er fährt fort: „Hierbei wird Ihr Traktor oder Mähdrescher mit dem Internet verbunden, sodass die Daten direkt vom Monitor übertragen und sofort genutzt werden können.“
Dieser unmittelbare Zugriff auf Daten bedeutet, dass Landwirte nicht bis zum Ende einer Saison warten müssen, um zu wissen, ob ein bestimmtes Feld unterdurchschnittlich abschneidet. Je schneller sie nützliche Daten erhalten, desto reaktionsfähiger können sie sein.
Sheikh stimmt zu: „Letztlich wird Automatisierung eine völlig neue Arbeitsweise für Landwirte ermöglichen. In Zukunft werden Landwirte Sammlungen autonomer Traktoren nutzen, die mit vorinstallierten Betriebsmitteln ausgestattet sind, und ein integriertes agronomisches System besitzen, das in Echtzeit optimierte Entscheidungen trifft. Diese Traktoren könnten dann in ein breiteres Netzwerk von Sensoren integriert werden, wodurch Betriebe vernetzter, produktiver und nachhaltiger werden.“
Cloud-Computing und maßgeschneiderte Prognosemodelle ermöglichen Landwirtinnen und Landwirten einen schnellen Zugriff auf betriebsrelevante Daten – für fundiertere Entscheidungen direkt vor Ort