Die Landwirtschaft befindet sich in einem Zeitalter, in dem Unsicherheiten zum Alltag gehören: extremere Witterungslagen, steigende Betriebsmittelkosten, strengere Auflagen und der Anspruch, ressourcenschonend und nachhaltig zu wirtschaften. Gleichzeitig steht den Betrieben heute eine Fülle an Daten zur Verfügung – Wetterdaten, Satellitenbilder, Ertragskarten, Bodenanalysen.
Doch Daten allein schaffen noch keine Lösungen; sie müssen verständlich, zugänglich und vor allem praktisch nutzbar sein. Syngenta setzt genau an dieser Stelle an. Mit der digitalen Plattform Cropwise und dem hochauflösenden Bodenanalyse-Service InterraScan verbindet das Unternehmen Wissen aus jahrzehntelanger Pflanzenschutz- und Pflanzenbaupraxis mit modernster Technologie. Das Ziel: Landwirten nicht mehr Daten zu liefern, sondern bessere Entscheidungen.
Cropwise ist, wie Lars-Henning Janssen erklärt, weit mehr als ein einzelnes Produkt. Es ist eine digitale Heimat für Anwendungen, die sich konsequent an konkreten Fragestellungen des landwirtschaftlichen Alltags orientieren. Jede Entscheidung auf dem Feld – sei es die Sortenwahl, die Aussaatstärke oder der richtige Zeitpunkt für eine Fungizidmaßnahme – hat unmittelbare Auswirkungen auf Wirtschaftlichkeit und Ertrag. Cropwise übersetzt komplexe Zusammenhänge in handlungsleitende Empfehlungen.
Das Ag Solutions Team DACH - Lars-Henning Janssen (zweiter von rechts)
Cropwise - Digitale Intelligenz für den Ackerbau
Ein zentrales Element dieser Plattform ist Protector, ein serviceorientiertes Prognosetool, das Landwirte zweimal pro Woche mit einer regionalspezifischen Einschätzung des Krankheitsrisikos in Winterweizen und Wintergerste versorgt. Dabei macht die Anwendung es dem Nutzer bewusst einfach. Weder sind schlagspezifische Angaben nötig noch die mühsame Pflege detaillierter Daten. Protector arbeitet mit virtuellen Betrieben, die für jeden Landkreis das lokale Risiko modellieren. Der Landwirt sieht nur, was für ihn zählt: Wann ist der richtige Moment für eine Bonitur? Wann sollte er sich auf eine Maßnahme vorbereiten? Und welche Wirkstoffe oder Produkte kommen infrage? Es ist ein – im wörtlichen Sinne – niedrigschwelliger Zugang zu hochkomplexer Modellierung.
Ein weiteres Werkzeug im Cropwise-Kosmos ist Spray Assist. Es ist eine Art digitaler Begleiter für den gesamten Prozess der Applikationstechnik, der den Blick auf Wetterparameter, Düsenempfehlungen, Maschineneinstellungen oder Abstandsauflagen schärft. Janssen nennt die Anwendung treffend „den Applikationstechnik-Berater für die Hosentasche“. Besonders bemerkenswert ist ihre Herstellerunabhängigkeit. Die App dient nicht dazu, bestimmtes Gerät zu verkaufen, sondern unterstützt Landwirte in einer der anspruchsvollsten Phasen der Bestandesführung: dem sicheren, gesetzeskonformen und zugleich effizienten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Selbst praktische Fragen wie die Reihenfolge von Komponenten in der Tankmischung werden dort beantwortet – Dinge, die jeder Anwender kennen muss, die aber im Alltag häufig Unsicherheit erzeugen.
Auch das Thema Aussaat erhält durch Cropwise eine neue Dimension. Mit Planting steht ein satellitengestütztes System zur Verfügung, das variable Applikationskarten für die Aussaatstärke bereitstellt. Diese Karten basieren auf umfangreichen Versuchsdaten und ermöglichen dem Landwirt, den jeweiligen Standort optimal zu nutzen. Denn nicht jeder Quadratmeter eines Schlages trägt gleich. Wo die Böden leichter sind, wo sie mehr Wasser halten, wo sie sich langsamer erwärmen – all das kann eine differenzierte Aussaatstrategie sinnvoll machen. Planting liefert dem Betrieb dafür das benötigte Werkzeug, unkompliziert per Link zugänglich und kompatibel mit den gängigen Maschinen und Terminals.
Zur Abrundung des Cropwise-Angebots kommt der Seed Selector hinzu, der schlagspezifische Sortenempfehlungen für Silo- und Körnermais sowie Hybridgerste generiert. Die Sortenwahl ist ein entscheidender Baustein für den späteren Erfolg der Kultur, denn jede Sorte reagiert anders auf Standortbedingungen und Witterungsverläufe. Durch eine Empfehlung, die Variablen wie Bodenbeschaffenheit oder Anbaubedingungen berücksichtigt, wird die Sortenwahl weniger zur Bauchentscheidung und mehr zu einer wissenschaftlich abgestützten Auswahl. Und wer möchte, kann direkt eine Bestellanfrage an den Händler weiterleiten – eine nahtlose Verbindung zwischen Analyse und Handlung.
Der Cropwise Seed Selector erstellt personalisierte Sortenempfehlungen für jeden Schlag
Der Blick unter die Oberfläche: InterraScan in der Praxis
Während Cropwise den Blick auf die Kultur richtet, setzt InterraScan viel früher an – dort, wo jede Pflanze ihren Ursprung hat: im Boden. „Wer mehr weiß, kann besser entscheiden“, sagt Sebastian Funk – ein Satz, der sowohl programmatisch klingt als auch sehr pragmatisch ist. InterraScan ist ein hochauflösender Service zur Bodenanalyse, der Boden- und Nährstoffinformationen so präzise erfassen kann wie kaum ein System zuvor. Und das Besondere daran ist nicht nur die Mischung aus Scan, Laboranalyse und digitaler Aufbereitung, sondern die Art und Weise, wie diese drei Komponenten aufeinander abgestimmt sind.
Im Zentrum steht die Gammastrahlenspektrometrie, eine seit vielen Jahren bewährte Methode der Bodencharakterisierung, die natürliche Strahlung misst, die aus dem Boden selbst stammt. Anders als leitfähigkeitsbasierte Verfahren ist diese Methode deutlich weniger störanfällig gegenüber Variablen wie Bodenfeuchte oder Bewuchs. Das bedeutet, dass InterraScan nahezu jederzeit eingesetzt werden kann – solange der Acker befahrbar ist. Stromleitungen, Strohauflagen, Zwischenfrüchte oder eine leichte Vegetationsdecke beeinträchtigen die Ergebnisse nicht nennenswert. Die Messung selbst ist passiv, völlig nicht-invasiv und damit besonders schonend und flexibel.
InterraScan liefert dabei nicht nur Informationen über Grundnährstoffe wie Phosphor, Kalium oder Magnesium, sondern kann – je nach Leistungspaket – auch Bodenart, Textur, Humusgehalt, pH-Wert, Kationenaustauschkapazität oder Mikronährstoffe erfassen und kartieren. Diese Daten zeigen nicht nur, wie ein Boden aussieht, sondern warum er sich auf bestimmten Flächen so verhält, wie er es tut. Ertragsschwankungen werden sichtbar und erklärbar. Potenziale, aber auch Schwachstellen treten klar hervor. Und da die Ergebnisse digital bereitstehen, inklusive maschinenlesbarer Applikationskarten, lassen sie sich ohne Umwege in Grunddüngung, Kalkung, Aussaat oder Bewässerungsmanagement überführen.
Für Landwirte bedeutet das eine doppelte Entlastung: Zum einen sinken Kosten, weil Dünger, Kalk oder Saatgut gezielt und differenziert eingesetzt werden können. Zum anderen steigt die Ertragssicherheit, da Maßnahmen der tatsächlichen Bodenheterogenität entsprechen. Funk spricht von einer enormen Kostenersparnis, aber genauso wichtig ist der Zeitgewinn. Die Daten lassen sich in Formate exportieren, die in Ackerschlagkarteien oder GIS-Systemen sofort weiterverarbeitet werden können. Und das System ist offen: Eigene Ertragskarten oder andere Betriebsdaten können integriert und für die Erstellung präziser Applikationskarten genutzt werden. Die Datenhoheit bleibt dabei vollständig beim Landwirt.
Sebastian Funk leitet bei Syngenta die Bereiche Sustainable Farming & AG Solutions Technology
Ein neues Verständnis von Präzision
Bei der Frage, was InterraScan gegenüber anderen Systemen auszeichnet, macht Funk einen Punkt sehr deutlich: Scannen alleine reicht nicht. Viele Lösungen erfassen nur Teilinformationen. InterraScan hingegen kombiniert Messmethoden, Laborstandard und digitale Umsetzung auf einer Plattform, die intuitiv bedienbar ist. Satellitenbilder etwa erfassen vor allem das Pflanzenwachstum, nicht aber die grundlegenden Bodenparameter, die für die Düngung entscheidend sind. InterraScan ergänzt diese Sichtweise – es liefert die Grundlage, die unter der Vegetation verborgen liegt.
Am Ende entsteht ein Bild moderner Landwirtschaft, das nicht komplexer wird, sondern klarer. Mit Cropwise und InterraScan stehen Werkzeuge bereit, die es Landwirten ermöglichen, die Ressourcen ihres Betriebes bewusster zu nutzen – sei es die Zeit, der Boden, das Saatgut oder der Dünger. Das Zusammenspiel aus digitalen Modellen und physischer Bodenanalyse verbindet Präzision und Praxisnähe auf eine Weise, die nicht nach Zukunft klingt, sondern bereits Gegenwart ist.
Oder wie Sebastian Funk es formuliert: Präzision beginnt im Boden. Und Cropwise sorgt dafür, dass sie dort nicht endet.
Mit dem Interra Scan hat die Zukunft der Ertragsoptimierung begonnen