Saatgut gegen die Klimakrise | Syngenta

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Saatgut gegen die Klimakrise

Presse
14.10.2021
Pflanzenzüchtung im Gewächshaus

Pflanzenzüchter setzen auf „stresstolerante“ Getreide- und Gemüsesorten, die mit Hitze und Trockenheit umgehen können. Heike Köhler, Geschäftsführerin bei Syngenta Seeds, erklärt, wie das funktioniert.

Heike Köhler Syngenta SeedsDurch den Klimawandel wird es in unserer Region wie auch weltweit in den kommenden Jahren noch trockener und heißer. Auch viele wärmeliebende Schädlinge wandern weiter nach Norden – in Regionen, in denen sie bislang unbekannt waren. Landwirtschaft und Pflanzenzüchter müssen sich darauf einstellen. Ein Ziel rund um den Ackerbau: besser angepasste Sorten zu entwickeln. Dr. Heike Köhler ist Geschäftsführerin der Syngenta Seeds am Standort Bad Salzuflen. Das Unternehmen „sucht“ ständig nach Optimierungsfaktoren beim Saatgut.

Lippische Landes-Zeitung (ax): Frau Dr. Köhler, bei Raps, Getreide oder Kartoffeln fielen die Ernten in den vergangenen Jahren oft schlechter als früher aus. Setzt sich der Trend fort?

Dr. Heike Köhler: Wir werden uns auf zunehmende Wetterextreme einstellen müssen. Längere Trocken- und Hitzeperioden sowie Starkregenereignisse sind die ersten Signale für den sich andeutenden Klimawandel. Die Landwirtschaft wird das vor große Herausforderungen stellen und der Pflanzenzüchtung wird in der Zukunft eine noch größere Bedeutung zukommen.

Das trifft Sie natürlich nicht unvorbereitet...

Unser Unternehmen züchtet bereits an stresstoleranteren Sorten, die mit den Auswirkungen des Klimawandels besser zurechtkommen und beispielsweise in Trockenperioden das verfügbare Wasser besser ausnutzen. Wir bezeichnen das als Klimafitness.

Die Pflanzen müssen quasi lernen, mit den Veränderungen umzugehen?

Ja, so könnten Sie es auch interpretieren.

Die Landwirtschaft hofft also auf neue Sorten, die dann mit veränderten Umweltbedingungen besser klar kommen. Wie lange dauern denn diese Entwicklungszyklen in Ihrer Branche?

Die Züchtung einer neuen Sorte ist trotz aller technischen Fortschritte bis heute immer noch eine sehr langwierige Arbeit. 10 bis 15 Jahre vergehen von der ersten Kreuzung im Zuchtgarten bis zur Zulassung und Vermarktung einer Sorte.

Welche Herausforderungen müssen Sie in diesem Prozess meistern?

Sorten zu züchten, die mit weniger Wasser und mehr Hitze zurechtkommen und gleichzeitig das hohe Ertragsniveau halten, ist der entscheidende Aspekt in diesem Prozess. Es gibt nicht das eine Gen oder das eine äußere Pflanzenmerkmal, auf das wir selektieren können. Die physiologischen und genetischen Zusammenhänge für die Stresstoleranz einer Pflanze sind noch lange nicht verstanden. Und außerdem müssen neue Eigenschaften genetisch stabil sein. Das kostet Zeit.

Gibt es technische Hilfestellung?

Wir investieren hohe Summen in die Grundlagenforschung, aber auch in die technischen Züchtungsprozesse, um diese effizienter zu gestalten. So setzen wir in Bad Salzuflen modernste Technik ein – beispielsweise Drohnen für die Selektion geeigneter Züchtungslinien.

Stellen sich auch mal kurzfristige Erfolge ein?

Aktuell sind wir bereits sehr erfolgreich mit Maissorten am Markt, die besser mit Trockenheit umgehen können und sehr gute Erträge erzielen.

Ihr Unternehmen arbeitet an vielen Schnittstellen zur Landwirtschaft. Worauf haben Sie sich spezialisiert?

Die Syngenta Seeds hat sich auf das Angebot moderner Getreide-, Mais- und Rapssorten spezialisiert. Unsere Sorten werden als hochwertiges gebeiztes Saatgut an die Landwirte ausgeliefert. Einen besonderen Schwerpunkt nimmt die Hybridgerstenzüchtung ein. Hier sind wir in Europa führend. Hybridgersten sind besonders vital, gesund und kommen aufgrund ihres besseren Wurzelwerks mit weniger Stickstoff aus. Das ist vor dem Hintergrund der Düngedebatte ein interessanter Gesichtspunkt.

Braucht ein „neues Saatgut“ eine Art Patent, TÜV oder eine EU-Zulassung?

Eine neue Sorte durchläuft eine mehrjährige amtliche Prüfung – am Ende durch das Bundessortenamt in Hannover –, bevor sie am Markt verfügbar ist. Die Ertragsleistung, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen und Krankheiten und Qualitätsmerkmale spielen eine wichtige Rolle. Im Idealfall erhält der Züchter am Ende die Sortenzulassung.

Wer sind die großen Player in dieser Branche? Und wie muss sich der Lipper den Platz von Syngenta Seeds in dem Marktsegment vorstellen?

Wir sind hier am Standort seit mehr als 75 Jahren beheimatet. Das heutige Unternehmen geht auf die Gründung der Gebrüder Dippe Saatzucht GmbH 1946 in Herford zurück und hatte seinen Ursprung in der Zuckerrübenzüchtung. Heute sind wir Teil der Syngenta Gruppe, einem weltweit führenden Pflanzenschutz-, Saatgut und Düngemittelanbieter mit 49.000 Mitarbeitern.

Das Interview führte LZ-Mitarbeiter Axel Bürger. Es erschien am 12.10.2021 in der Lippischen Landes-Zeitung (Nr. 238, S. 9), Auszug.