Die bestmögliche Ernte sichern
Eingebettet in einen großen Konzern, kann Syngenta Seeds viele Synergieeffekte in der Pflanzenzüchtung nutzen. Mit Hybridsorten, digitalen Tools und individueller Beratung unterstützt das Unternehmen Landwirte, damit sie unter allen Bedingungen sichere Erträge erwirtschaften können.
Das Technologie- und Züchtungszentrum in Bad Salzuflen ist der Hauptsitz der Syngenta Seeds GmbH. „Syngenta ist bekannt für Pflanzenschutz und Saatgut. Wir sind der drittgrößte Züchter weltweit“, erklärt Dr. Johannes Henke, Leiter Saatgut-Marketing. „Insgesamt machte Syngenta mit Saatgut 2023 einen Jahresumsatz von rund 4,8 Milliarden Dollar. Die Konzernzentrale ist in Basel.“ In Bad Salzuflen sind Züchtung, Vertrieb und Produktion angesiedelt. Gut 260 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Die leistungsfähige Saatgutreinigungsanlage für Züchter- und Vorstufensaatgut steht ebenso im Züchtungszentrum wie ein Langzeitlager für Versuchssaatgut.
Unter dem Dach der Syngenta Seeds sind das Saatgutgeschäft für Ackerbaukulturen, Gemüse und Zierpflanzen vereint. Die Gemüseabteilung mit eigenem Vertriebsteam ist über die gesamte Bundesrepublik verteilt. Syngenta Flowers hat ihren Sitz in Kleve.
Der Standort Bad Salzuflen ist strategischer EU-Standort für Saatgut-Forschung, -Zucht und -Produktion, wobei die großen Ackerbaukulturen Mais, Getreide und Raps im Mittelpunkt der züchterischen Aktivitäten stehen. Die Zuchtstation für Ackerkulturen hat ihren Standort auf der Domäne Biemsen.
Die Züchtung begann an diesem Standort 1945, als die Gebrüder Dippe nach dem Krieg aus Gatersleben nach Bad Salzuflen kamen. Heute werden hier die Feldkulturen betreut.
Bad Salzuflen ist ein guter Ackerbaustandort mit 80 Bodenpunkten bei 800 Millimeter Niederschlag im Jahr. In Wadersloh, ungefähr 45 Kilometer entfernt, befindet sich die Zuchtstation für Mais.
Pflanzen brauchen mehr Resistenzen
Zuchtziel Nummer 1 ist der Ertrag. Dazu kommen speziell bei Weizen und Braugerste die Qualitätseigenschaften. „Was wir bei der Züchtung immer berücksichtigen müssen, sind die Auflagen im Bereich der Düngung und des Pflanzenschutzes“, stellt Dr. Johannes Henke klar. „Züchtung kann vieles lösen, aber nicht alles. Um den Restriktionen im Pflanzenschutz zu begegnen, sind wir bestrebt, immer mehr Resistenzen in die Kulturen einzukreuzen. Bei den Hybriden ist es wichtig, dass sie in einem festgesetzten Kostenrahmen produziert werden können. Bei allen unseren Aktivitäten brauchen wir eine gute Voraussicht – der Verkauf braucht fünf Jahre Vorlauf, die Züchter brauchen zehn Jahre und mehr.“
Sonnenblumen für extensiven Anbau
Eine weitere Zuchtstation in Südfrankreich beschäftigt sich mit der Züchtung von Sonnenblumen. „Sonnenblumen sind die größte Kultur in Europa“, betont Dr. Johannes Henke. „In Deutschland ist der Anbau noch begrenzt, hat aber zugenommen. Wenn man aber als Landwirt gute Erträge im Raps erzielen kann, sind Sonnenblumen nicht wirklich wettbewerbsfähig. Interessant sind sie vor allem für Betriebe auf leichten Standorten als Low Input-Kultur. Sie haben eine Zukunft bei einer weiteren Extensivierung der Landwirtschaft.“
Der Markt für Öko-Saatgut wächst
Der Bereich Öko-Saatgut wächst langsam. Es gibt ein großes Interesse an Öko-Sonnenblumen. In Deutschland lassen sich mit ihnen sichere Erträge erzielen. Öko-Raps bauen Landwirte verstärkt in Mecklenburg an, die Erträge sind stark jahresabhängig und schwanken stark. „Öko-Rapsanbau kann funktionieren, muss aber nicht“, beschreibt Dr. Johannes Henke die Lage. „Öko-Hybridgerste wird hingegen künftig im Ökolandbau ein zunehmender Markt werden.“.
Hybridzüchtung setzt sich durch
Bei Mais und Wintergerste ist die Hybridzüchtung schon seit Jahren etabliert. Auch Hybridweizen wird kommen. Die Züchter sind dran. Die Elternlinien bringen verschiedene Resistenzen und Ertragsfaktoren in die Hybriden ein. Rund 20 % des Umsatzes investiert Syngenta jährlich in Forschung und Entwicklung – über eine Milliarde Dollar im Jahr.
In diesem Jahr feiert Syngenta nicht nur 20 Jahre Hybridgerste, sondern auch die Neueinführung der Hybridgerstensorte SY Zoomba. Diese Sorte vereint erstmals Höchsterträge mit einer echten Resistenz (Ryd4-Gen) gegen das Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV) und einer Toleranz gegenüber dem Weizenverzwergungsvirus (WDV). Dies ist einmalig am deutschen Saatgutmarkt. Mit der neuen Technologie „Hyvido Neo“ wird das immer größer werdende BYDV-Problem vieler Landwirte in Deutschland gelöst.
Auf alle Witterungseinflüsse vorbereiten
Und bei allen ihren Aktivitäten schottet sich Syngenta nicht ab. Es gibt keinen Zaun um das Gelände, volle Transparenz ist gegeben. So sind öfter Schulklassen und Studenten zu Besuch, oder auch Landfrauen. Die Besucher kommen aus der Region und aus ganz Deutschland. Feldtage und Betriebsführungen gewähren Einblicke in die Arbeit eines Züchtungsunternehmens.
In der Region ist Syngenta ein renommierter Arbeitgeber. Die Power kommt aus der globalen Vernetzung. „Syngenta Seeds ist ein Teil in einem großen Puzzle“, bemerkt Dr. Manuel Ermann, verantwortlich für Unternehmenskommunikation bei Syngenta Seeds. „Sortenversuche haben wir außerdem in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Dänemark, Polen und in Tschechien angelegt. Wir bieten als Konzern alles aus einer Hand – vom Saatgut bis zur Ernte. Das Seedcare Institute in Maintal und die Syngenta Beizexperten unterstützen die professionellen Saatgut-Aufbereiter stets mit Know-how, wissenschaftlichen Studien und einer Fülle von Services, um die hohe Qualität unseres Saatgutes bis zum Landwirt sicherzustellen.“
Hybridweizen wird Vorteile bringen
Dr. Paul Olson, Leiter der europäischen Getreidezüchtung, erklärt: „Weizen hat kein natürliches Hybridsystem. Wir forschen und züchten im Bereich Hybridweizen seit zehn Jahren. Und das funktioniert. Auch weil es viele Interaktionen zwischen unseren Standorten gibt.“ In Frankreich erwartet Syngenta derzeit die ersten Zulassungen für Hybridweizen. In Deutschland wird die Zulassung später erfolgen.
Der Hybridweizen zeichnet sich durch robustes Wachstum und einen Mehrertrag von rund acht Prozent aus. Auch hier wird in der Hybridzüchtung auf Vater- und Mutterlinien selektiert. Syngenta Seeds setzt den Fokus auf Hybride. „Wir können Erfahrungen aus anderen Hybridzüchtungen beispielsweise Mais oder Gerste übernehmen“, betont Dr. Paul Olson. Die ersten Hybriden bei Mais sind bereits seit 100 Jahren am Markt und bieten viel mehr Ertrag. Auch bei Winterraps kommen mittlerweile fast ausschließlich Hybriden auf den Markt.
Daten sammeln und analysieren
Anton Garder, Junior Maiszüchter, beschreibt die heutige Züchtungsarbeit mit molekularen Markern und Genome Editing. „Die Pflanze ist für die Züchter ein Datenpaket. Die Züchtung ist mittlerweile sehr datenbasiert. Wir arbeiten mit mehrjährigen Daten, um die Ertragsstabilität neuer Sorten sicherzustellen.“ Dazu nutzt er auch die Expertise des Syngenta Biotechniklabors in Toulouse. Dieses arbeitet für ganz Europa. Mit Datenmodellen und Computersimulationen will das Züchterhaus die Leistung von neuen Produkten vorhersagen und so für die Züchter eine Entscheidungsplattform schaffen. Aber auch heute ist Züchtungsarbeit sehr zeitaufwändig und viel Pflanzenmaterial wird verworfen.
„Es ist wichtig, hochwertige Daten zu generieren“, betont Anton Garder. „Beispielsweise nutzen wir Drohnen, um die Bestände in Bezug auf die Pflanzenhöhe zu bonitieren. Durch Technologie können wir die Datenerhebung vereinheitlichen, zum Beispiel bonitieren wir den Fusarienbefall im Mais bei der Ernte auf dem Mähdrescher. Es bleibt die Herausforderung, wie kann man mit der Technologie die Pflanzeneigenschaften erfassen und verbessern.“ Dr. Markus Baier, Stationsleiter in Bad Salzuflen, sieht die Kunst darin, die erfassten Merkmale richtig zu deuten. „Was ist gut, was ist schlecht? Wie gut ist der Blick auf das Pflanzenmaterial? Wir wollen einen Big Data Pool erstellen.“ Dort fließen beispielsweise die Daten aus den Saatstärkenversuchen beim Mais ein. Die Sorten reagieren unterschiedlich in Ertrag und Qualität. Die Versuche werden mit einer Aussaatkarte angelegt und mit einem Drohnenüberflug wird der Bestand bonitiert. Eine weitere Bonitur erfolgt während der Ernte, aus der dann eine Ertragskarte erstellt wird. Alle diese Daten führen dann zu einer Saatstärkenempfehlung. Dieses Verfahren lässt sich ebenso für Getreide und für Raps adaptieren – möglichst gute Erträge auch mit weniger Pflanzen pro Quadratmeter können so erzielt werden.
„So können und wollen wir Züchterwissen an die Landwirte weitergeben“, unterstreicht Dr. Markus Baier. „Zu den Daten aus den Versuchen kommen noch GPS-Daten, Daten zum Wetter und zum Boden. Diese Datenbank wird für Landwirte geöffnet. Dort sind ebenfalls Wetterdaten aus 20 Jahren hinterlegt. Unsere Beratung und Daten können helfen, das Risiko im Anbau bei unseren Kunden gerade bei extremer Nässe oder Dürre zu vermindern.“
Bessere Beratungsempfehlungen möglich
Syngenta Seeds hat den Vertrieb komplett umstrukturiert. Der Außendienst ist jetzt häufiger auf den Betrieben und nutzt digitale Tools. Die Verkaufsberater wurden speziell geschult, um ihren Kunden die bestmöglichen Empfehlungen für ihre Standorte und Ansprüche zu geben. Landwirte brauchen eine spezielle Beratung – individuell für die speziellen Anforderungen jedes einzelnen Betriebs. Daran arbeiten bei Syngenta alle gemeinsam.
Das Angebot an digitalen Services fasst Syngenta unter der Dachmarke „Cropwise“ zusammen. Die bereits erfolgreich eingeführten Services „Cropwise Seed Selector“ und „Cropwise Planting“ erfreuen sich zunehmender Marktakzeptanz. Hier hat Syngenta in den letzten drei Jahren in Europa über 15.000 landwirtschaftliche Betriebe mit rund 48.000 Feldern beziehungsweise 2,8 Millionen Hektar bei der standortangepassten Sortenwahl beraten. Über das Versuchsnetzwerk CropEX erfasst Syngenta europaweit Daten auf über 270 Standorten mit mehr als 50.000 Versuchen zur optimalen Sortenwahl sowie mehr als 470.000 Ergebnissen aus diversen Sortenversuchen. Alle Daten fließen dann in die Entwicklung und weitere Optimierung von Cropwise ein.
Dr. Johannes Henke stellt aber klar, dass große Datenbanken eine zielgerichtete Auswertung brauchen. „Gerade in diesem Punkt hat sich in den letzten Jahren viel getan. Alles in allem können wir heute bessere Empfehlungen geben. Wir wissen, was die Landwirte benötigen.
Bei Mais für Biogas zum Beispiel geht es um den Trockenmasse- und Biogasertrag, bei Mais für Milchviehbetriebe um die Verdaulichkeit. Hybridgerste kommt in Roten Gebieten mit weniger Stickstoffdünger klar. Auch den Ackerfuchsschwanz unterdrückt sie aufgrund starker Bestockung und hoher Konkurrenzstärke besser.“
„Saatgutkauf ist eine Vertrauenssache. Wir müssen viel mit unseren Kunden reden und Beziehungen aufbauen“, ergänzt Dr. Manuel Ermann. „Wir führen viele Feldtage gemeinsam mit unseren Pflanzenschutzkollegen durch, beispielsweise über 100 Maisfeldtage. Wir wollen als Züchter mit guten Produkten und als Partner wahrgenommen werden. Zudem wollen wir gemeinsam mit unseren Kunden viel erreichen und für ihre Bedürfnisse die beste Lösung finden. Ansprechpartner unseres Außendienstes sind in allen Regionen Deutschlands zu finden.“
Quelle: Land&Forst: Die bestmögliche Ernte sichern; 29.06.2024