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Wetterextreme im Weinbau – Antworten für Winzer - Teil 1

Der Klimawandel ist in aller Munde. Eines seiner Kennzeichen sind extreme Witterungsperioden oder ungewöhnlich heftige Einzelereignisse. Wer erinnert sich nicht an die lange Trockenphase 2015, die nicht enden wollende Niederschläge 2016 oder die extremen Spätfröste und heftigen Hagelschauer im vergangenen Jahr.

Für die Winzer stellt sich jedes Mal die Frage, welche Maßnahmen sie bei der Kulturführung, beim Pflanzenschutz etc. ergreifen sollen, um negative Auswirkungen auf Ertrag und Qualität möglichst gering zu halten.

In zwei Ausgaben möchten wir Praktikern Informationen und Empfehlungen an die Hand geben, zu extremen Witterungsereignissen, ihren Folgen und möglichen Maßnahmen in den Rebanlagen. 

Teil 1: Hagel, Frost

Teil 2: Hitze-, Regenperioden

 

Hagel

Hagel ist ein Niederschlag in Form von Eiskugeln oder Eisklumpen mit einem Durchmesser von 5 bis 50 mm (in Extremfällen über 10 cm). Hochreichende Gewitterwolken erreichen das Hagelstadium, wenn sich unterkühltes Wasser und Eiskristalle beim Zusammenstoß vergraupeln und sogenannte Hagelembryos bilden. Bei einem Überangebot von Wassertröpfchen wachsen die Hagelembryos durch mehrfache Auf- und Abbewegungen in der Wolke zu größeren Hagelkörnern. Nach Erreichen einer bestimmten Größe fallen die Hagelkörner dann aus der Wolke zum Erdboden (leicht verändert nach www.dwd.de/lexikon). 

So kann Hagel die Reben schädigen

Hagel kann alle Pflanzenteile der Reben schädigen, in Abhängigkeit von der Stärke des Hagelereignisses und des Entwicklungsstadiums zu diesem Zeitpunkt:

SchädigungKonsequenzen
Zerstörung der Blattmasse
 
Wachstumsstillstand (10 - 14 Tage)
Ertragsverluste durch Verluste an Assimilationsfläche
Schädigung der TraubenErtragsverluste durch Abschlagen / Verletzen der Trauben
Verletzung des HolzesSchäden v.a. am einjährigen Holz
Erhöhter Aufwand beim Rebschnitt
Gefahr von Bruchschäden beim Biegen

Findet der Niederschlag in einem relativ frühen Stadium (vor der Blüte) statt, trifft der Hagel auf primär junges, empfindliches Blattgewebe. Starke Hagelschauer können dann bis hin zu einer völligen Entblätterung der Reben führen. Zerstörte Gescheine werden teilweise durch den Austrieb aus den Beiaugen kompensiert. Diese Trauben tragen weniger, aber größere Beeren.