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Pflanzenschutzstrategie gegen Fruchtfäulen in Erdbeeren

Aktuelles Spezialkulturen
14.03.2017

Wie der Anbauer den richtigen Termin findet.

Uli Henser, Technischer Manager Spezialkulturen bei Syngenta

Uli Henser, Technischer Manager Spezialkulturen

Das Potential von Fruchtfäulen

Sowohl in der Praxis als auch in den Feldversuchen zeigt sich Jahr für Jahr, wie Fruchtfäulen wie Gnomonia und vor allem Botrytis zu hohen Ertragsausfällen führen können. Im regenreichen Frühjahr 2016 gab es Ausfälle in Exaktversuchen in der Kontrollvariante von 41% durch Botrytis und 10% durch Gnomonia1. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich jedes Jahr vor der Saison Gedanken zu machen, inwiefern man die eigene Bekämpfungsstrategie weiter optimieren kann. Im Folgenden soll die Bedeutung des richtigen Anwendungszeitpunkts der Pflanzenschutzmaßnahme zur Bekämpfung von Fruchtfäulen nochmals unterstrichen werden.

Das Blütengewebe ist besonders empfindlich für eine Infektion durch Botrytis

Gnomonia überwintert in Form von Fruchtkörpern (Perithecien, bzw. Pyknidien) und kann sich im Bestand durch Niederschläge bereits im Zeitraum deutlich vor der Blüte (ab Temperaturen von 5°C) verbreiten. Die Sporen dringen dabei über die Spaltöffnungen und Verletzungen in die Pflanzen ein. 

Bei Botrytis bieten vor allem die Wochen während der Blüte das größte Potential für Infektionen. Das liegt zum einen an den zu dieser Zeit vorherrschenden günstigen Keimbedingungen (hohe Luftfeuchtigkeit, Temperaturen zwischen 15 – 20 °C). Zum anderen scheint die Beschaffenheit des Gewebes in der Blüte ideal für eine Infektion.2

 

Sorten mit einer dickeren Beerenhaut sind unempfindlicher für den Transport und in der Lagerung. Bei der Blütenanfälligkeit gibt es keine Unterschiede: Alle Sorten sind für den Botrytis Erreger gleich attraktiv.

 

Wie Botrytis die Blüte infiziert

Botrytissporen verbreiten sich durch Wind, Tau- oder Wassertropfen nach Niederschlägen. Sie können sich dabei an und in der Blüte festsetzen. Vor allem in der Blüte finden die Botrytissporen den idealen Nährboden und keimen bei ausreichend vorhandenem Tau oder Niederschlagswasser aus.

Zeitlich fallen in der ersten Hälfte der Blüte die starke Zellteilung der Fruchtbildung mit der Keimung und dem Keimschlauchwachstum der Pilzsporen zusammen. Der Erreger wächst sozusagen in die sich bildende, noch äußerst kleine Frucht ein. Nach zwei Wochen beginnt dann die Zellstreckung, die über die Auxin-Ausschüttung in den Nüßchen gesteuert wird. Der Botrytis Erreger wächst dabei mit und es kommt zu den typischen Fäulnisstellen.

Im weiteren Verlauf sind besonders die reifenden Früchte für eine Neuinfektion während der Zellvergrößerung und dem starken Volumenzuwachs gefährdet, weil es durch die Wachstumsschübe und dem hohen Tugordruck zu Mikrorissen und heraustretenden Zuckerstoffen kommt.

 

Wie unterschiedlich Fungizide wirken 

Im Labor3 kann man die Entwicklung von Botrytis in Petrischalen auf einem Nährboden ausgezeichnet simulieren. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede in der Aktivität der Fungizide. 

 

 

Unsere Empfehlung - Der richtige Zeitpunkt zur Behandlung

Gegen Fruchtfäulen wie Gnomonia wird bereits vor der Blüte mit 1 bis 2 Behandlungen begonnen. Dabei werden auch Infektionen auf Blättern, die Bodenkontakt haben, bekämpft. Hier wirken Fungizide aus der Gruppe der Azole wie z.B. Score äußerst sicher, ohne die Botrytisfungizide über Selektionsdruck zu belasten.

Bei der Botrytisbekämpfung sollte über die Dauer der Blüte wöchentlich mit wirksamen Fungiziden gearbeitet werden. Die erste Behandlung wird bei 10-15 % offenen Blüten durchgeführt. Normalerweise haben sich 6-8 Tagen danach von 10 ausgezählten Blütenanlagen drei bis vier neu geöffnet, dann sollte die zweite Behandlung erfolgen. In ungefähr einwöchigen Abstand werden jetzt die sich weiter öffnenden Blüten fortlaufend geschützt. Wichtig: Das Öffnen der Blüten muss die Folgespritzung bestimmen, obwohl die Dauerwirkung auf die Pflanze länger anhält. 

 

Die richtige Reihenfolge der Fungizide

Die Einsatzreihenfolge von Botrytiziden ist bestimmt durch die biologische Stärke der Wirkstoffe. Die stärkeren Botrytizide gehören an den Beginn der Spritzfolge. Vorliegende Versuchsergebnisse4 bei amtlichen Versuchsstellen haben dieses Vorgehen über die vergangenen Jahre immer wieder bestätigt.

In unserem Fall stellen wir Switch an den Anfang der Spritzfolge und wechseln dann auf ein anderes Botrytizid (z.B. Fluopyram oder Fenhexamid). Das kann, falls notwendig, mit Ortiva gegen Colletotrichum ergänzt werden. Es folgt erneut Switch. Bei einer 4. Anwendung müssen die Vermarktungskriterien (LEH Standards) mit einbezogen werden. 

In Süddeutschland wird in einigen Regionen auch zweimal Switch zu Beginn der Spritzfolge gestellt, um dann den Wirkstoffklassenwechsel durchzuführen. Auch hier bestätigen Versuche4, dass beide vorgestellten Spritzfolgen gleichrangig wirksam sind.

 

Spezielle Wetterlagen

Gerade in Hochdruckwetterlagen darf die Taubildung und die sich schneller öffnenden Blüten nicht unterschätzt werden. Besser ist dann, die Blüten öfters auszuzählen, und der empfohlenen Spritzstrategie zu folgen.

Während der Reife der Früchte können besonders Starkniederschläge zu Verletzungen der Beeren führen. Auch hier müssen die Bestände immer gut kontrolliert werden, um notfalls Gegenmaßnahmen (z.B. Entfernen beschädigter Früchte) einzuleiten.

Weitere Maßnahmen

Bei der integrierten Produktion von Erdbeeren spielen ganz unterschiedliche Kulturmaßnahmen eine wesentliche Rolle bei der Vermeidung von Botrytis. Hier finden Sie weitere Maßnahmen, die die Befallsgefahr durch Fruchtfäulen verringern.

Applikationstechnik

Je nach Schaderreger und Wachstumsstadium sind Rhizome, Blätter, Stängel, Blüten und Früchte der Erdbeere für die Pflanzenschutzapplikation relevant. Eine besondere Herausforderung ist die starke Flächen- und Volumenzunahme bei der Entwicklung der Erdbeerpflanze im Vegetationsverlauf von der Jugendphase bis zur erntereifen Kultur. Weitere Details zum Thema Applikationstechnik können Sie hier lesen.

1 Landratsamt Karlsruhe, Landwirtschaftsamt Bruchsal, Versuchsjahr: 2016, A. Fried
2 Mertely, J. C., MacKenzie, S. J., and Legard, D. E. 2002. Timing of fungicide applications for Botrytis cinerea based on development stage of strawberry flowers and fruit. 
3 Weinbauinstitut (WBI) Freiburg, Versuchsjahr 2014
4 Für Rückfragen bitte an den Autor Ulrich Henser wenden.