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Integrierte Produktion von Erdbeeren am Beispiel der Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea)

Ralf Jung, Landwirtschaftskammer NRW, Pflanzenschutzdienst, Gartenstraße 11, 50765 Köln-Auweiler, Telefon: 0221 5340-491, E-Mail: ralf.jung@lwk.nrw.de.

Erdbeerexperte Ralf Jung
Die Grauschimmelfäule ist die am häufigsten vorkommende Fruchtfäule der Erdbeere. Bei nasser Witterung zur Blüte und Ernte können durch sie im Freiland sehr hohe Ertragsverluste eintreten. Bei ihrer Bekämpfung muss der integrierte Pflanzenschutz Leitbild des praktischen Pflanzenschutzes sein. § 2 des Pflanzenschutzgesetzes definiert integrierten Pflanzenschutz als eine Kombination von Verfahren, bei denen unter vorrangiger Berücksichtigung biologischer, biotechnischer, pflanzenzüchterischer sowie anbau- und kulturtechnischer Maßnahmen die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß beschränkt wird. Im Folgenden werden Maßnahmen beschrieben, die die Befallsgefahr durch den Botrytispilz verringern.

Die 8 wichtigsten Kulturmaßnahmen:

Boden

Ideale natürliche Erdbeerstandorte sind leichte Böden wie z. B. sandige Lehme. Die Bodenart spielt deshalb eine wesentliche Rolle, weil sie in hohem Masse den Luft-, Wasser- und Nähstoffhaushalt und damit das Pflanzenwachstum und deren Gesundheit beeinflusst. Erdbeeren werden in der Regel ebenerdig im Freiland angebaut. Üblich sind dabei Einzelreihen (0,80 - 1,00 m x 0,25 -0,35 m) und Doppelreihensysteme (z.B. (0,90 m + 0,50 m) / 2 x 0,30 m oder (1,25 m + 0,625 m) / 2x 0,30 m).

Sorten

Resistenzen bzw. hohe Widerstandsfähigkeiten gegen pilzliche Krankheiten sind ein wichtiges Zuchtziel. Leider ist seit Jahren die Auswahl geeigneter Zuchteltern für eine Resistenz gegenüber der Grauschimmelfäule sehr begrenzt. Daher zeigen letztendlich gängige Marktsorten wie Clery, Elsanta oder Malwina bei entsprechenden Witterungsbedingungen eine ähnlich hohe Botrytis-Empfindlichkeit.

Düngung

Zu hohe Stickstoffgehalte im Boden und in der Pflanze erhöhen deutlich die Botrytisanfälligkeit der Erdbeere. Die derzeitige Empfehlung für die Stickstoff-Düngung liegt bei 60 bis 80 kg/ha für Standardkulturen.

Es wird empfohlen, diese Menge zeitlich wie folgt aufzuteilen: 

  1. Herbstdüngung (Anfang September): 0 - 40 kg/ha
  2. Vegetationsbeginn (Frühjahr): 20 - 40 kg/ha
  3. Zeitpunkt der Stroheinlage: 20 - 40 kg/ha

Generell gilt: Eine sachgerechte Düngung orientiert sich am Nährstoffbedarf der Erdbeere und dem Nährstoffgehalt des Bodens (Bodenuntersuchung LUFA). Weil die N-Nachlieferung aus dem Humus im Boden erheblich sein kann, sollte der Düngung jeweils eine Nmin-Analyse vorausgehen: 0 bis 30 cm Tiefe; im Herbst nach der Pflanzung bzw. nach der einjährigen Kultur im Frühjahr vor der Blüte. Eine erforderliche Düngung ist termingerecht auszuführen und dem Pflanzenwachstum anzupassen.