Falsch oder Echt?
Teil I
Biologie, Symptome und Schadwirkung des Falschen und des Echten Mehltaus
Falscher und Echter Mehltau sind Pilzkrankheiten, die bei uns schon lange und in großer Regelmäßigkeit auftreten. Trotzdem sind sie immer wieder für eine Überraschung gut. Erfolgreiche Bekämpfungsstrategien gegen Falschen und Echten Mehltau setzen voraus, dass man weiß „mit wem man es zu tun hat“.
In der ersten Ausgabe unserer 3-teiligen Fachinformationsreihe „Falsch oder Echt“ geben wir Ihnen Informationen zu Symptomen und Biologie der Pilze, zu Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschieden.
2016 war nicht nur ein Pero-Jahr
Rückblickend war Peronospora (Falscher Mehltau) die bestimmende Rebkrankheit 2016. Genau betrachtet war aber nicht nur der Falsche, sondern auch der Echte Mehltau massiv „unterwegs“. Im Zuge der massiven Pero-Infektionen ist dies jedoch oft nicht wahrgenommen worden. Viele gehen noch davon aus, dass Pero-Jahre keine Oidium-Jahre sind. Diese Einschätzung ist inzwischen überholt.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Mehltau-Arten
Beide Mehltauerreger waren ursprünglich in Nordamerika beheimatet. Auf den dortigen Wildreben verursachen sie wenige Schäden. Die Einschleppung nach Europa erfolgte wahrscheinlich über Reblaus-resistente Topfreben. Das Auftreten des Echten Mehltaus in Europa wurde erstmals 1845 beschrieben, das des Falschen Mehltaus 1878.
In ihrer Biologie gibt es eine Reihe von Gemeinsamkeiten:
Falscher Mehltau (Plasmopara viticola) | Echter Mehltau (Erysiphe necator) | |
|---|---|---|
| Wirtspezifität | Befällt nur Weinreben | Befällt nur Weinreben |
| Zielfläche | Alle grünen Rebteile | Alle grünen Rebteile |
| Lebensweise | Obligat biotroph (braucht lebendes Pflanzenmaterial) | Obligat biotroph (braucht lebendes Pflanzenmaterial) |
| Infektionsbedingungen | Auch bei Tageslicht | Auch bei Tageslicht |
| Nasses Frühjahr | Trockenes Frühjahr | |
| Starker Niederschlag | Wetterlagen mit Taubildung (dies können auch nebelige Tage sein) |
Gewisse Differenzierungen zwischen den beiden Erregern gibt es vor allem hinsichtlich ihrer Feuchtigkeitsansprüche:
- Falscher Mehltau: Braucht tropfbares Wasser - (starke) Niederschläge
- Echter Mehltau: Tau-Tröpfchen (auch Nebel) ausreichend
Rückblick auf Falsch und Echt in zwei Extremjahren
Trocken und heiß das Jahr 2015, regenreich und warm das Jahr 2016. Unterschiedlicher hätten die Witterungsvoraussetzungen für die beiden Mehltau-Arten nicht sein können.
2015 gab es kaum Peronospora-Infektionen – das dafür „lebensnotwendige“ Wasser blieb aus. Hingegen führten optimale Temperaturen und eine ausreichende Luftfeuchtigkeit zu starkem Befall durch Echten Mehltau.
Andauernde Niederschläge im späten Frühjahr und frühen Sommer 2016 boten fortlaufend Infektionsbedingungen für den Falschen Mehltau. Beispielsweise weist das Prognosemodell VitiMeteo im Zeitraum Ende Mai bis Ende Juni an 28 von 31 Tagen mögliche Infektionen durch Peronospora in vielen Gebieten aus (mehr dazu hier zum Download).
„Im Hintergrund“ konnten sich aber auch Infektionen des Echten Mehltaus etablieren, die nach den ersten trockenen Tagen Anfang Juli deutlich sichtbar wurden. Der Grund: Auch an regenfreien, bewölkten Tagen im Juni gab es genügend (Luft-)Feuchtigkeit für Neuinfektionen durch den Falschen Mehltau - aber auch für den Echten Mehltau (mehr dazu hier zum Download). Zudem sind die Temperaturansprüche beider Erreger relativ ähnlich (siehe Tabelle).
Dies zeigte wieder einmal deutlich: Beide Krankheiten können gleichzeitig vorkommen und Ertragsschäden verursachen!
Generell muss man feststellen, dass die Klimaveränderungen höhere Temperaturen und mehr Feuchtigkeit mit sich bringen – Faktoren, die grundsätzlich beide Pilzkrankheiten fördern.
Übersicht über wichtige biologische Parameter:
| Falscher Mehltau | Echter Mehltau | |
|---|---|---|
| Temperaturoptimum | 22 bis 25 °C | 20 bis 27 °C |
| Ausbruchsbedingungen | Mindestens 4 Stunden Dunkelheit, Temperatur > 10 °C und relative Feuchte > 95 % | Dunkelheit/Licht |
| Wintersporen | Oosporen | Kleistothezien |
| Schnelle Ausbreitung im Sommer über | Zoosporen | Konidien |
| Optimale Infektionsbedingungen | Je höher die Temperaturen und je länger die Nässeperiode | Je länger Temperaturen im Optimalbereich bei gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit |
Erste Symptome erkennen und richtig zuordnen
Für eine Bekämpfung des Echten und Falschen Mehltaus muss der „Feind“ frühzeitig erkannt werden. Ölflecke (Falscher Mehltau) und Zeigertriebe (Echter Mehltau) sind ein deutliches Zeichen für den Start der Epidemie. Oftmals sind die anfänglichen Infektionen nur schwer zu erkennen, vor allem an den Gescheinen. Bilder und Hinweise zur Erkennung von erstem Befall durch Pero oder Oidium finden Sie hier zum Download.