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Aktuelle Erkenntnisse und „Spielregeln“ beachten für eine nachhaltige Alternaria-Bekämpfung

Aktuelles Kartoffeln
17.06.2019

Wissen zum Erreger als Basis für die richtige Bekämpfungsstrategie

In Mitteleuropa findet man in Kartoffeln zwei Alternaria-Arten: A. alternata und A. solani. Eine sichere Unterscheidung der Arten ist anhand von Symptomen im Feld nicht möglich. A. alternata tritt in der Vegetationsperiode meist früher auf als A. solani. Beide Arten werden an Kartoffeln mit Befalls-Symptomen nachgewiesen, wobei A. solani der relevantere Erreger ist und deutlich größere Schäden verursacht als A. alternata. Somit gelten Erkenntnissen zur Wirkung von Fungiziden sowie möglicher Resistenzsituationen zu A. solani besondere Aufmerksamkeit.

Dürrflecken und Sprühflecken (Alternaria)

Alternaria spp. haben eine fakultativ biotrophe Lebensweise und können ohne Wirtspflanze über längere Zeiträume im Boden und/oder an Pflanzenresten überdauern. Ausgangspunkt der Infektionen sind Sporen, die im Boden an Pflanzenmaterial gebil­det und mit dem Wind in die Kartoffelbestände getragen werden. Damit besteht bezüglich Antiresistenzstrategien ein Zusammenhang zwischen einem Fungizideinsatz im Furchenapplikationsverfahren (mit Zielrichtung Rhizoctonia, Colletotrichum, Silberschorf) und der Bekämpfung von Alternaria im Blatt (siehe unten).

Für Alternaria-Infektionen ist Feuchtigkeit erforderlich, Tau reicht bereits aus. Stress wie hohe Sommertemperaturen, ständige Feuchte wie Tau, Regenschauern und Bewässerung sowie eine unzureichende Nährstoffversorgung erhöhen das Infektionsrisiko.

Fungizide gegen Alternaria spp. richtig einsetzen

Die Bekämpfung von Alternaria mit Fungiziden ist Stützpfeiler eines produktiven Kartoffelanbaus. Derzeit sind allerdings nur wenige Spezial-Fungizide mit hoch-effektiven Wirkstoffen verfügbar.

Zu beachten ist, dass Strobilurine (QoI’s) und Carboxamide (SDHI’s) nur an einer Stelle im Pilzstoffwechsel angreifen („single-site-inhibitors“) und daher als (mittel bis) hoch resistenzgefährdet eingestuft werden. In absehbarer Zukunft werden keine neuen Fungizide mit anderen Wirkungsmechanismen zur Verfügung stehen.

WirkstoffgruppenWirkstoffeResistenzrisiko
Alternaria alternataAlternaria solani
Strobilurine (QoI)Azoxystrobin
Pyraclostrobin
Famoxadone
hochhoch
Carboxamide (SDHI)Boscalidmittel - hochhoch
Triazole (DMI)Difenoconazolmittelmittel

Im Labor konnten bei Isolaten von A. alternata und A. solani spezifische Mutationen nachgewiesen werden, die zu einer Verminderung der Empfindlichkeit gegenüber Strobilurinen und Carboxamiden führen können. Die Häufigkeit der Mutationen sowie der Anteil der weniger sensitiven Isolate in den Populationen waren über beide Alternaria-Arten und beide Wirkstoffgruppen sehr unterschiedlich. Allerdings sind Erkenntnisse aus dem Labor oder Gewächshaus nicht zwingend auf das Freiland übertragbar.

So zeigen Strobilurin- bzw. Carboaxmid-haltigen Fungizide in Deutschland bislang in der Breite eine gute Feldwirkung gegen die Dürrfleckenkrankheit. Dies gilt umso mehr, wenn sie in Spritzfolgen mit anderen Wirkungsmechanismen eingesetzt werden (siehe unten).

Triazole sind gegenüber Alternaria deutlich weniger resistenzgefährdet als Strobilurine bzw. Carboaxmide. So wird der Wirkstoff Difenoconazol (in Revus Top) in vielen Kulturen seit langem gegen Alternaria-Arten angewendet, ohne dass es zu einer Minderungen der Sensitivität gekommen wäre. Im Rahmen eines Resistenzmonitorings von Syngenta konnte bei mehr als 250 Alternaria-Proben aus ganz Europa auch 2018 nachgewiesen werden, dass Alternaria alternata und Alternaria solani weiterhin sensitiv gegenüber Difenoconazol sind.

Der Wirkstoff Mancozeb ist wenig resistenzgefährdet. Seine Wirksamkeit gegenüber Alternaria ist allerdings signifikant geringer als die der genannten Wirkstoffe. Bei mittlerem bis hohen Alternaria-Druck ist somit eine gezielte Bekämpfung dieser Krankheit allein mit Mancozeb-haltigen Fungiziden nicht möglich. Zum Spritzstart bzw. zur Überbrückung größerer Spritzabstände der Spezialisten kann ein Einsatz von Mancozeb-Mischungen situativ sinnvoll sein.

Fungizid-Strategien gegen Alternaria in Kartoffeln: Das sollte beachtet werden

Um die Bekämpfung der beiden Alternaria-Arten längerfristig sicher zu stellen, gilt es einige Punkte beim Einsatz von Fungiziden zu beachten:

  • Alle verfügbaren Wirkungsmechanismen in der Spritzfolge einsetzen
  • Wechsel von Wirkstoffgruppen in der Spritzfolge
  • Integration des nicht resistenzgefährdeten Triazol-Fungizides Difenoconazol (in Revus Top)
  • Immer Produkte mit der höchsten Wirkungspotenz anwenden (enthalten Strobilurin, Carboxamid- oder Triazolwirkstoffe)
  • Blattapplikationen immer mit voller zugelassener Aufwandmenge
  • Anzahl der Anwendungen Strobilurin- und/oder Carboxamid-haltiger Fungizide begrenzen
    • Strobilurine: Max. 2x
    • Carboxamide: Max. 2x
    • Triazole: Max. 3x
  • Fungizidanwendungen in der Pflanzfurche anrechnen
    • Beispiel Ortiva: 2x Blatt- oder 1x Furche + 1x Blatt

 

Empfehlung 2019

Der Start eines gezielten Fungizideinsatzes gegen Alternaria sollte ca. 7 Wochen nach Auflaufen der Kartoffeln mit einem „Spezialisten“ (Revus Top oder Ortiva + Phytophthora-Partner) erfolgen.

Hinweise zu Befallsdruck sowie Empfehlungen zu Spritzabständen und Fungizidwahl gegen Alternaria und die Kraut- und Knollenfäule bietet das Phytophthora Modell Weihenstephan, der kostenfreie Service von Syngenta. Die Anmeldung ist auch während der Saison  unter www.meinSyngenta.de möglich.

Alternaria Empfehlung 2019

 

Weitere Infos rund um die Kartoffel finden Sie hier