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Beregnung bei Kartoffeln

Aktuelles Kartoffeln
15.06.2015

Pflanzenbauliche Aspekte der Kartoffelberegnung
Das derzeitige Wetter führt an vielen Orten zu Frühsommertrockenheit. Gebietsweise, wie z. B. von den Landesforsten Niedersachsen werden sogar Gefahrenmeldungen herausgegeben, dass die Waldbrandgefahr steigt. Die Landwirte sorgen sich um ihre Kulturen und beregnen, wo es möglich ist.

In Deutschland stehen rund 600.000 ha unter Bewässerung. Niedersachsen ist mit über 300.000 ha Beregnungsfläche der absolute Tabellenführer, gefolgt von Hessen und Rheinland-Pfalz mit rund 40.000 ha. Mit der Bewässerung werden die Erträge abgesichert und die Inhaltsstoffe verbessert. Bei Kartoffeln steigt der Stärkegehalt an und der Schorfbefall wird vermindert. Im Vertragsanbau ist Beregnung deswegen oft unverzichtbar. Die Kosten für Wasser und Energie dürfen allerdings nicht aus den Augen verloren werden.

Kartoffeln nutzen Beregnungswasser effektiv
Auf den meisten Standorten lohnt die Kartoffelbewässerung den Mehrertrag und die höhere Qualität der Kartoffelernte durch das stressfreie Wachstum. Kartoffeln sind sehr beregnungswürdig und nutzen das eingesetzte Wasser effektiv: In einem fünfjährigen Versuch der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stieg der Ertrag im Mittel Jahre bei den beregneten Kartoffeln um 43 % gegenüber der unberegneten Variante an. Kartoffeln reagieren aber auch schneller auf längere Trockenphasen als Getreide. Fällt die nutzbare Feldkapazität unter 50 % werden erste Veränderungen im Stoffwechsel sichtbar, so steigt beispielsweise der Anteil an Untergrößen an.

Beregnungsbeginn je nach Sorte und Reifegruppe
Der erste kritische Zeitabschnitt ist der Beginn der Knollenbildung. Fehlt hier das Wasser, werden sortentypisch weniger Knollen angelegt. Hier sind besonders Frühkartoffeln empfindlich. Die Bewässerung bringt einen volleren Blattapparat, der einen früheren Ertrag der frühen Sorten ermöglicht. Die Blüte bis zur deutlichen Krautreife ist die Hauptberegnungsperiode für mittelfrühe, mittelspäte und späte Kartoffeln. Wird erst zu diesem Zeitpunkt beregnet, wächst der Blattapparat langsamer und kommt später zur vollen Ausprägung, ist dann aber deutlich länger aktiv. Dies muss bei der Pflanzenschutzmittelstrategie und beim Rodetermin berücksichtigt werden. Für einen nachhaltigen Erfolg muss die Wasserversorgung bis zum Beginn der Krautwelke erfolgen. Die einzelne Beregnungsgabe muss auf den Standort abgestimmt sein: Auf sehr leichten, flachgründigen sandigen Böden und bei nicht genügend langen Wurzeln kann die Standardgabe von 30 mm teilweise nicht vollständig vom durchwurzelten Bodenraum aufgenommen werden, der Überschuss würde dann ungenutzt versickern.

Fazit
Kartoffeln benötigen regelmäßige Niederschläge, da ihr Wurzelwerk flach und licht ist und sie das Bodenwasser nur im Oberboden bis max. 60 cm nutzen können. Die optimale Bodenfeuchte muss bei den mittleren und späten Reifegruppen vor allem zur Blüte bis einige Wochen danach, bei den Frühkartoffeln schon ab dem Knollenansatz gesichert sein. Zur Beregnungssteuerung haben sich Bodenfeuchtemodelle bewährt, die auch aktuelle Wetterprognosen berücksichtigen.

Angelika Sontheimer