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Die richtige Applikationstechnik im Weinbau

Agrar News
20.07.2015

Pflanzenschutz bei Weintrauben ist Spezialistensache
Pflanzenschutz in Spezialkulturen wie dem Weinbau erfordert eine hohe Sachkenntnis. Um eine Abdrift und Pflanzenschutzmitteleinträge in Oberflächengewässer, Nachbarkulturen und Nichtzielflächen zu vermeiden, muss eine abdriftmindernde Applikationstechnik verwendet werden.

Besonderheiten Pflanzenschutz-Applikation bei der Weinrebe

Die Weinrebe ist eine Raumkultur und dadurch für die Anlagerung von Pflanzenschutzmitteln herausfordernde Zonen: die Mitte des Rebstockes, die Gescheine und später die Trauben und deren Rückseiten oder die Blattunterseiten. Bei einer sachgerechten Applikation soll zudem ein Teil der Spritzflüssigkeit die Laubwand bis zum äußeren Ende durchdringen. Das gelingt groben Tropfen mit höherer kinetischer Energie besser als sehr feinen Tropfen. Zur Bekämpfung vieler pilzlicher Schaderreger wie Peronospora und Oidium sind mittelgrobe Tropfen vorteilhaft, da sie die Blattunterseiten leichter erreichen, von wo aus sich die Infektionen ausbreiten.

Die richtige Düse …

Am häufigsten werden derzeit im Weinbau noch die Hohlkegeldüsen ohne Injektortechnik verwendet. Sie zerstäuben die Spritzflüssigkeit in einem kreisrunden Spritzkegel. Ihr optimaler Druckbereich beträgt 5 –15 bar. Das Tropfenspektrum ist extrem fein, daher ist die Gefahr von Abdrift sehr hoch. Seit einigen Jahren geht der Trend im Weinbau zunehmend zu Flachstrahldüsen. Diese werden in Düsen mit und ohne Injektortechnologie unterteilt. Experten halten Flachstrahldüsen mit Injektortechnologie für vorteilhafter, da ihr Tropfenspektrum weniger abdriftgefährdet ist.

… und die richtige Gebläsetechnik

Im Ackerbau erfolgt die Einteilung in unterschiedliche Abdriftminderungsklassen hauptsächlich über die Düse, im Weinbau müssen außerdem das Pflanzenschutzgerät und weitere technische Gegebenheiten wie z. B. unterschiedliche Gebläse beachtet werden, um eine bestimmte Abdriftminderungsklasse zu erreichen. Nur wenn es gelingt, die Laubwand mittels der Gebläsetechnik optimal zu öffnen, wird das Produkt ohne Abdrift angelagert. Düsen und Luftleitbleche müssen an die Laubwandhöhe des Weinbergs so angepasst werden, dass die Spritzbrühe diese ganzflächig und exakt verteilt benetzt. Die obere Behandlungsgrenze liegt idealerweise eine Handbreit unterhalb der Triebspitze. Die untere Behandlungsgrenze ist der Anfang der Laubwand. Die übrigen Düsen und Leitbleche werden gleichmäßig auf die Laubwand verteilt.

Spezielle Düsen mit weniger Abdrift

Um die Umwelteinflüsse einer Pflanzenschutzmaßnahme zu reduzieren und gleichzeitig eine optimale biologische Wirkung zu gewährleisten, wurden spezielle abdriftreduzierende Düsen wie die kompakte Injektordüse IDK 90-02 entwickelt. Bei ausreichender Wassermenge (400 – 600 l/ha, je nach Anlage, Terminierung, Erziehung und Schaderreger) erzielt diese Art der Applikation eine gute und sichere Anlagerung an die Blattober- und -unterseite, hat aber trotzdem die notwendige Energie, um im Inneren eines Rebstockes eine gute Benetzung bei geringem Abdriftrisiko zu erzielen. Auch werden die Geräte weniger verschmutzt, so dass bei Reinigungsarbeiten weniger punktuelle Pflanzenschutzmitteleinträge anfallen.

Angelika Sontheimer

Weitere Informationen:

Applikationstechnik Wein