Treso Rapsexperten - Rapsschädlinge Frühjahr | Syngenta
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Dr. Torsten Block

Technischer Experte Beizen und Insektizide bei Syngenta

Die rechtzeitige Überwachung hilft den richtigen Einsatztermin von Insektiziden zu finden

Keine Ackerbaukultur ist so stark von Schadinsekten betroffen wir der Winterraps. Dies hat auch zur Folge, dass am häufigsten Insektizide zu deren Eindämmung eingesetzt werden müssen. Da aber die zur Verfügung stehenden Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen sehr begrenzt sind und aufgrund der angespannten Zulassungssituation eher noch weniger werden, gilt es die verbleibenden Produkte nur bei Notwendigkeit und zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen.

Wann der Einsatz von Insektiziden gegen Rapsschädlinge sinnvoll ist, um signifikante Ertragseinbußen zu verhindern, definieren die schädlingsspezifischen Bekämpfungsrichtwerte. Diese wurden vom DPG-Arbeitskreis Raps mit Abstimmung der Pflanzenschutzdienste der Bundesländer festgelegt. Die aktuelle Fassung zeigt Tabelle 1. Weitere Informationen zur Schadschwelle finden Sie auch unter:


www.syngenta.de/schadschwellen

Bekämpfungsrichtwerte von Rapsschädlingen im Frühjahr

SchädlingZeitraumFeststellen des BefallsBekämpfungsrichtwert
Großer RapsstängelrüsslerAb Vegetationsbeginn bis AprilGelbschalen bei Temperaturen > 10°Cmit Gitter: 5 Käfer in 3 Tagen
Gefleckter KohltriebrüsslerAb Vegetationsbeginn bis AprilGelbschalen bei Temperaturen > 10°Cmit Gitter: 5 Käfer in 3 Tagen
RapsglanzkäferFrühjahr ab Knospenbildung bis BlühbeginnAbklopfen vom Hauptrieb> 10 Käfer/Hauptrieb Wert halbieren bei schwachem Bestand
KohlschotenrüsslerBlühbeginn bis BlühendeAbklopfen vom HauptriebBei schwachem Auftreten der Kohlschotenmücke: 1 Käfer / Pflanze
Bei starkem Auftreten der Kohlschotenmücke: 1 Käfer / 2 Pflanze
  • Schädling

    Großer Rapsstängelrüssler

  • Zeitraum

    Ab Vegetationsbeginn bis April

  • Feststellen des Befalls

    Gelbschalen bei Temperaturen > 10°C

  • Bekämpfungsrichtwert

    mit Gitter: 5 Käfer in 3 Tagen

  • Schädling

    Gefleckter Kohltriebrüssler

  • Zeitraum

    Ab Vegetationsbeginn bis April

  • Feststellen des Befalls

    Gelbschalen bei Temperaturen > 10°C

  • Bekämpfungsrichtwert

    mit Gitter: 5 Käfer in 3 Tagen

  • Schädling

    Rapsglanzkäfer

  • Zeitraum

    Frühjahr ab Knospenbildung bis Blühbeginn

  • Feststellen des Befalls

    Abklopfen vom Hauptrieb

  • Bekämpfungsrichtwert

    > 10 Käfer/Hauptrieb Wert halbieren bei schwachem Bestand

  • Schädling

    Kohlschotenrüssler

  • Zeitraum

    Blühbeginn bis Blühende

  • Feststellen des Befalls

    Abklopfen vom Hauptrieb

  • Bekämpfungsrichtwert

    Bei schwachem Auftreten der Kohlschotenmücke: 1 Käfer / Pflanze Bei starkem Auftreten der Kohlschotenmücke: 1 Käfer / 2 Pflanze

Gelbschalen ermöglichen die beste Überwachung des Schädlingsauftretens

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Zur Überwachung der Schädlinge, insbesondere der Stängelschädlinge eignet sich das Aufstellen von Gelbschalen. Das sollte unbedingt zu Vegetationsbeginn erfolgen. Gelbschalen gibt es in rund oder der bewährten rechteckigen Form der Syngenta-Gelbschale. Auf die Fängigkeit hat die Form gar nicht so viel Einfluss, wie vergleichende Untersuchungen gezeigt haben. Wohl aber, ob die Gelbschale mit oder ohne Gitter verwendet wird. Zum Schutz vor Bienen und Hummeln sollte ein Gitter unbedingt genutzt werden, auch wenn dadurch nur etwa halb so viele Schädlinge gefangen werden. Dies ist aber bei den o.g. Bekämpfungsrichtwerten schon berücksichtigt. Uns erreichen häufig Fragen, wo der ideale Aufstellort der Schalen am Schlag ist. Den idealen Ort gibt es nicht, da die Rüsselkäfer aus allen möglichen Richtungen von ihren Überwinterungsquartieren zuwandern können. Während der Große Rapsstängelrüssler bei Temperaturen von 10 – 12 °C von Altrapsschlägen zuwandert, fliegt der Gefleckte Kohltriebrüssler bei ca. 2°C mehr aus Laubstreu von Hecken und Wäldern zu. Wo sich die Flächen befinden, ist vorher schwer abzuschätzen, daher sollten Gelbschalen an allen vier Seiten des Schlages aufgestellt werden.

Beim Aufstellen der Gelbschalen ist also folgendes zu berücksichtigen:

  • Frühzeitig bei Vegetationsbeginn aufstellen
  • An allen Seiten für anfliegende Schädlinge gut sichtbar aufstellen
  • Mit fortschreitendem Längenwachstum kontinuierlich der Höge der Triebspitzen anpassen
  • Schalen bei warmem Wetter in zwei- bis dreitägigem Abstand kontrollieren
  • Bestimmung und getrennte Zählung der gefangenen Rapsstängel- und Kohltriebrüssler

Bestimmungshilfe für Stängelrüssler

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  • Gefleckter Kohltriebrüssler
  • 2,5 – 3 mm lang
  • Oberseite fleckig weißlich grau, grau gelb oder blass ockerfarben beschuppt
  • Rote Füße
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  • Großer Rapsstängelrüssler
  • 3,3 – 4 mm lang
  • Oberseite grau, komplett mit grauen Schuppen bedeckt, Struktur und Verlauf der Beborstung sehr regelmäßig
  • Schwarze Füße

Auch hinsichtlich der Schadwirkung lässt sich gut erkennen, welcher der beiden Schädlinge den Raps befallen hat. Dann ist es für eine Behandlung aber bereits zu spät.

Beim Großen Rapsstängelrüssler entstehen Schäden bereits durch frühe Eiablage unterhalb der Triebspitze. Die Folge sind Krümmung, Stauchung und Aufplatzen des Stängels. Die Eiablage fördert Stängel-Phoma. Daher ist der Bekämpfungsrichtwert bei diesem Rüsselkäfer deutlich niedriger als beim Gefleckten Kohltriebrüssler. Bei diesem schädigen allein die Larven die Leitgefäße der Rapspflanze durch Minierfraß. Das ist vor allem bei schwachen Pflanzen ein Problem. Auch in amtlichen Versuchen zeigt KARATE ZEON gegen die beiden Stängelschädlinge meist die beste Wirkung und sollte daher die erste Wahl sein.

Rapsglanzkäferbefall frühzeitig erkennen

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Der Rapsglanzkäfer wird auch durch Gelbschalen angelockt und somit lässt sich der Zuflug überwachen. Ob ein kritischer Befall erreicht ist, überprüft man aber durch Abklopfen der Hauptriebe mehrerer Pflanzen in eine Schale. Da Raps ein starkes Kompensationsvermögen hat und angefressene Blütenknospen durch Knospen an Seitentrieben ausgleichen kann, sind erst bei mehr als 10 Käfern pro Haupttrieb signifikante Ertragsverluste zu erwarten. Bundesweit weisen Rapsglanzkäfer eine starke Pyrethroidresistenz auf. Das ist bei der Mittelwahl zu berücksichtigen. Da aber zum optimalen Bekämpfungszeitraum häufig blühende Unkräuter oder auch frühblühende Rapspflanzen in den Beständen zu finden sind, ist auf den Bienenschutz besonders zu achten. Hier empfiehlt sich dann der Einsatz eines Typ I Pyrethroids wie EVURE, dass trotz Resistenz noch gut wirkt und sehr bienenschonend ist.

In der Blüte auf Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke achten

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Während der Rapsblüte treten zwei Schädlinge auf, die mit ihren Larven in den jungen Schoten schädigen. Der Kohlschotenrüssler ist dabei im Bestand einfacher zu überwachen und zahlenmäßig zu erfassen. Auch er lässt sich vom Haupttrieb abklopfen. Eine Insektizidmaßnahme ist sinnvoll, wenn im Mittel 1 Käfer/Pflanze gefunden wird. Die Kohlschotenmücke kann mit ihrem zarten Legebohrer nur sehr junge Schoten (Länge < 10 -20 mm) anstechen; ohne Verletzungen der Schoten bleibt der Befall i.d.R. unter 5%. Gerne nutzt sie daher Bissstellen vom Kohlschotenrüssler an den Schoten für die Eiablage. Daher ist bei starkem Auftreten der Mücke nur der halbe Befall mit dem Rüsselkäfer zu tolerieren.