Treso Rapsexperten - Rapsmarkt | Syngenta
Kemper Steffen

Steffen Kemper

Marktexperte für Agrarrohstoffe bei der AMI (Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH)

Rapsnotierungen schreiben grüne Vorzeichen

Rapsnotierungen und -kassapreise hoch wie lange nicht

(AMI) – Die Rapsnotierungen an der Börse in Paris schreiben grüne Vorzeichen. Starke bullische Argumente bringen weiteren Auftrieb und verhindern bisher die von manchen Marktteilnehmern avisierte Abwärtskorrektur.

Die Rapskurse an der Börse in Paris haben am 16.02.2021 den nächsten Widerstand von 460 EUR/t durschlagen. Die zum Börsenschluss festgestellten 461,50 EUR/t entsprechen einem Plus von 3,4 % zur Vorwoche. Doch vor allem ist dies der höchste Stand seit April 2013. Zwar rechnen manche Marktteilnehmer kurz- bis mittelfristig mit einer Abwärtskorrektur, doch die bullischen Argumente sind nicht von der Hand zu weisen: Alterntiger Raps ist bis auf Restmengen vermarktet, sodass der Fokus auf den Importen liegt. Dabei stehen Kanada und Australien im Fokus, doch deren Liefermöglichkeiten sind unsicher. Das kanadische Angebot ist nach lebhaften Rapsausfuhren in der ersten Wirtschaftsjahreshälfte schon weit geräumt. Das wird durch die ein Viertel kleineren kanadischen Rapsvorräte reflektiert. Welche Mengen aus Australien kommen werden, ist ebenfalls unklar, doch die Kernfrage lautete nicht wieviel, sondern wann.



Die globale Versorgungslage am Rapsmarkt ist angespannt. Seit 2019/20 kann die Erzeugung den Bedarf nicht decken. Das geht zulasten der Vorräte, die zum Ende der laufenden Sasion auf 5 Mio. t schrumpfen könnten. Die erneut schwache EU-Ernte 2020 sowie Rückgänge in weiteren großen Erzeugerstaaten sind die Gründe dafür. Die größten Rapsproduzenten, Kanada, EU und China, sind zugleich auch die größten Verbraucher der Ölsaat, wenn auch in anderer Reihenfolge.

Die Lage am deutschen Rapsmarkt hat sich seit einigen Wochen kaum verändert. Die alte Ernte ist bis auf Restmengen verkauft, sodass trotz weiterer Preissteigerungen nicht mehr viel gehandelt wird. Ex Ernte 2021 sieht die Lage anders aus. Feste Preise haben Rapserzeuger animiert, weitere Vorkontrakte abzuschließen, obwohl der Vermarktungsstand bereits überdurchschnittlich hoch ist. Aufgrund der attraktiven Preise dürften die Rapserzeuger die Vermarktungsgrenze für die neuerntige Ware so weit wie möglich ausreizen, obwohl die Gefahr besteht, dass sich die Wetterbedingungen in den Monaten bis zur Ernte noch verschlechtern und Ertragspotenziale dann nicht voll ausgeschöpft werden könnten



In der 7. Kalenderwoche wurden die Rapspreise in Deutschland im Durchschnitt bei 434 EUR/t frei Lager des Erfassers festgestellt, was einer Steigerung von 9 EUR/t zur Vorwoche entspricht. Ex Ernte 2021 wurden 399 EUR/t im Bundesmittel aufgerufen, die die Vorwochenlinie um 11 EUR/t übertreffen. Die alte Ernte ist bis auf Restmengen vermarktet, die kommenden gerät nun immer stärker in den Fokus, und zwar auf beiden Seiten des Marktes

Pflanzenölpreise im Aufwind

Die Pflanzenölpreise tendieren fest. Das hängt mit der allgemein angespannten Versorgungslage an den Ölsaatenmärkten und der starken Nachfrage aus China zusammen.

Am Rapsölmarkt erreichten die Preise mit 1.060 EUR/t fob Hamburg Mitte Februar 2021 das höchste Niveau seit zehn Jahren. An der Marktlage hat sich im Prinzip nichts geändert, aber die bestehende Situation verschärft sich: In der EU-27 sind noch Monate bis zur neuen Rapsernte zu überbrücken, die Versorgung mit Importen ist unsicher und China als Käufer von Ölsaaten und Nachprodukte am Weltmarkt fortgesetzt sehr aktiv. Weitere Preisunterstützung erhält Rapsöl vom Biodieselmarkt. Die Nachfrage ist stetig und das Angebot an allzeit begehrtem UCOME infolge der Gastronomieschließungen stark limitiert. Das lenkt die Nachfrage auf Rapsmethylester, das saisonbedingt ohnehin im Fokus steht.

Festere Tendenz herrscht auch am Markt für Sonnenblumenöl, das schon seit Wochen jenseits der 1.000er Marke gehandelt wird und zuletzt auf 1.144 EUR/t fob ARAG kletterte – das höchste Niveau seit Juli 2008. Die Rohstoffknappheit, die die Folge von Ernterückgängen bei Sonnenblumenkernen in der EU-27, der Ukraine und Russland ist, gibt Auftrieb.

Beim Sojaöl sind die Preissteigerungen geringer als bei Raps- und Sonnenblumenöl. Nichtdestotrotz entsprechen 927 EUR/t fob Hamburg dem höchsten Stand seit September 2012. Auftrieb bringen die festen internationalen Sojakurse, die damit einerseits auf die derzeitigen Ernteverzögerungen in Brasilien, dem größten Sojaproduzenten und -exporteur der Welt, reagieren, zum anderen auf die sehr lebhafte Nachfrage aus China, die derzeit noch US-Ware fokussiert. In den kommenden Wochen wird das Reich der Mitte zunehmend auf brasilianische Ware umstellen.

Palmöl kostete in der 7. Kalenderwoche 926 EUR/t cif ARAG und damit so viel wie zuletzt vor 10 Jahren. Die Kassapreise schlossen sich den festen internationalen Palmölkursen an, die ihrerseits vor allem von den überraschend und mit einem Plus von 30 % im Vergleich zum Vormonatszeitraum deutlich gestiegenen malaysischen Palmölexporten im Februar profitierten.



Die Pflanzenölpreise profitieren von der festen Tendenz an den jeweiligen Rohstoffmärkten. Feste Mineralölnotierungen tragen ebenfalls zum Preisauftrieb bei. Rapsöl profitiert zusätzlich von stetiger bis lebhafter Nachfrage von Biodieselproduzenten, die Lockdown-bedingt zurzeit kaum Altspeiseöl als Ausgangsstoff finden. Sonnenblumenöl wurde in den vergangenen Monaten vor allem von der knappen Versorgung mit Sonnenblumenkernen beflügelt.