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Wird die 500 €-Marke beim Raps geknackt?

Markt und Meinungen
26.03.2012

Rapserzeuger spekulieren weiter auf steigende Börsenkurse/ Außenmärkte helfen

Der Aufwärtstrend bei Ölsaaten bleibt intakt. Erzeuger schielen für die Rapsnotierungen Nov. 2012 jetzt auf die Marke von 500 €/t an der Pariser Börse (Nyse, Euronext). Nach einer Verschnaufpause haben die Ölsaatennotierungen die Verluste der letzten Woche aufgeholt.  Im Moment scheinen die Bullen, das heißt die Marktteilnehmer mit optimistischer Markteinschätzung, am Ruder zu bleiben. Beim Raps fehlen jetzt noch rd. 40 €/t zur Traummarke. Bleibt das Marktumfeld stabil?
 
Die Notierungen der Sojabohne werden durch verminderte Bohnenerträge in Südamerika und die Sorge, dass die US-Aussaatfläche dem anhaltenden Bedarf nicht Stand hält, weiter gestützt.  Das schätzen auch spekulative Finanzanleger so ein. In der letzten Woche sind die Netto-Long-Positionen auf 180 Tsd. Kontrakte ausgebaut worden. Laut Aussagen von Analysten der Commerzbank, entspricht das dem höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2006. Im Einklang mit liquiden Finanzmärkten (niedrigen Zinsniveaus) und stabilen Rohölnotierungen ist also der Nährboden gut gesättigt.

In der EU ist Raps aus der alten Ernte verbraucht und der Anbauumfang an seine Grenze gekommen. In Deutschland, neben Frankreich der größte Rapsproduzent in Europa, sind die Anbauflächen mit rd. 1,3 Mio. ha auf dem Niveau des Vorjahres geblieben. Sollten Wettermärkte, Winterfolgen und Frühjahrestrockenheit, die Erträge reduzieren, wird die Bilanz extrem eng. Auch Kanada kann mit ausgeweitetem Anbauniveau und wachsender inländischer Nachfrage nur Teile des Defizits ausgleichen.

Trotz dieser Vorzeichen verrät ein Blick in die Vergangenheit, wie wackelig der Boden bei Höchstpreisniveaus wird. Bei Licht betrachtet, bleibt vor allem der Rohölmarkt ein großer „politischer“ Unsicherheitsfaktor. Analysten geben zu bedenken, dass der Markt spekulativ angetrieben ist. Sollten zudem bei der Sojabohne Long-Positionen aufgelöst werden, kann dass den Notierungen schnell den Wind aus den Segeln nehmen. Ende dieser Woche werden die Flächenschätzungen aus den USA aktualisiert. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, ist der Markt vor ungeahnten Flächenausdehnungen nicht gefeit. Vergessen werden darf zudem nicht, dass die Ölmühlen schon jetzt an ihre Rentabilitätsschwelle gestoßen sind und  ihre Verarbeitungskapazitäten anpassen müssen.

Die Marke von 500 €/t in Paris zu durchstoßen, erscheint im derzeitigen Marktkontext durchaus realistisch. Dass Erzeuger, die schon jetzt große Teilmengen der Ernte 2012 abgesichert haben, mit Restmengen auf steigende Niveaus spekulieren, ist gerechtfertigt.  Dabei wird der Blick auch immer wieder auf die Ernte 2013 gerichtet. Sicher und lang anhaltend, das sind die leidvollen Erfahrungen der Vergangenheit, sind solche Spitzenniveaus aber meist nicht.

Brigitte Braun-Michels