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Wettermärkte stützen Weizen und Co.

25.06.2012

Trockenheit in Russland und den USA hält an/Ernte steht vor der Tür/Dauer des Preisaufwärtstrends ist unsicher

Mit deutlichen Aufschlägen starten die Agrarbörsen in die neue Woche. Der Aufwärtstrend, den Chicago (CBOT) markiert, wird von der Pariser Matif (Nyse, Euronext) eins zu eins umgesetzt. Die Rapskurse in Paris markieren Richtung 480 €/t. Weizen etabliert sich um 220 €/t und Mais verteidigt für November 12 die Marke über 200 €/t.

Auslöser für die grünen Vorzeichen sind die Wettermärkte. In Russland trüben sich die Ernteprognosen immer weiter ein. Die Russische Marktagentur SovEcon beziffert die Ernte, wegen fehlender Niederschläge, jetzt noch auf 85 Mio. t (Vormonatsschätzung 88,5 Mio. t). Die Ernte liegt damit  über dem Dürrejahr. Das mögliche Exportvolumen dürfte sich aber vermindern. Auch das Klima in den USA „verleiht den Kursen Flügel“. Weil es noch immer heiß und trocken ist, werden im südlichen mittleren Westen der USA die erwarteten Maisdurchschnittserträge reduziert. Beim Weizen hingegen unterstützt das trockene Wetter den Erntefortschritt. Über 50 Prozent der Flächen sind bereits vom Halm.

Finanzinvestoren haben bisher beim Mais die Marktaussichten wegen der weltweiten Anbauausdehnung schwächer eingestuft und in den letzten Wochen extrem Short Positionen aufgebaut. Jetzt sieht die Situation anders aus. Analysten der Firma Kiefer gehen davon aus, dass Fonds in dieser Woche beim Mais Eindeckungskäufe tätigen und damit weitere Kursbewegungen nach oben auslösen. Beim Weizen bleiben die Investoren schwächer gestimmt.

In den nächsten Wochen und Tagen wird die Ernte mengenmäßige Fakten schaffen. In Deutschland haben die Bestände von den Regenfällen der letzten Wochen profitiert. Analysten des internationalen Handelshauses Töpfer rechnen deshalb, anders als der Deutsche Raiffeisenverband, mit einer normalen Getreideernte auf dem Niveau des letzten Jahres.  Auch Raps hat von den Niederschlägen profitiert. Regional werden die Ertragsaussichten jedoch sehr differenziert beschrieben.  Für die EU erwartet Töpfer, mit knapp 127 Mio. t, eine um 3 Mio. t kleinere Weichweizenernte, als im Vorjahr.

In den ersten deutschen Frühdruschgebieten hat die Gerstenernte bereits begonnen. Im Süden rechnen Marktbeteiligte nächste Woche mit dem „richtigen Erntestart“. Im Norden dürfte es Mitte Juli losgehen. Wenn das Wetter mitspielt, liegt der Ernteverlauf im normalen Bereich. Ob die Auswinterungsschäden durch bessere Erträge tatsächlich  kompensiert werden können, bleibt abzuwarten. „Mitunter prahlen die Bestände und das Ergebnis ist dann enttäuschend,“ spekulieren Handelsbeteiligte.
Die Getreidepreise für die alte und die neue Ernte haben sich nahezu angeglichen. B-Weizen neue Ernte wird in Mitteldeutschland zwischen 195 bis 200 €/t franko und Gerste um 185 bis 190 €/t franko beboten.

Während beim Raps das anhaltend hohe Preisniveau zu einem umfangreichen Vorvertragsvolumen geführt hat, liegt das Kontraktvolumen beim Getreide weit unter den Vorjahren. Bisher haben die  Erzeuger damit keinen Fehler gemacht. Zum einen war die Preisdifferenz zwischen alter und neuer Ernte sehr hoch und zum anderen hat die Trockenheit große Unsicherheit über das zu erzielende Ertragsvolumen ausgelöst. Mittlerweile sind die Preise der alten und der neuen Ernte auf nahezu gleichem Niveau. Wie lange die Richtung nach oben anhält, bleibt abzuwarten. Es sieht so aus, dass der Markt derzeit alle möglichen Wetterphänomene einpreist und damit die Preise stabilisiert. Neben den tatsächlichen Erträgen und Versorgungszahlen, die sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen, bleibt das Treiben rund um die Finanzmärkte ein unsicherer, zugebundener Sack.  Unter Umständen werden in dieser Woche, vor dem üblichen Saisontief, sogar Spitzenpreise beim Getreide  markiert. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann diese Situation für den kostendeckenden Verkauf  einer Teilmenge nutzen.

Brigitte Braun-Michels