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Wettermärkte bestimmen den Preis

07.04.2014

In den USA bleibt der Regen aus/ Maisanbaufläche wird eingeschränkt/ Auch in Deutschland ist es zu trocken

Nach einer Verschnaufpause am Wochenende sind die Getreidekurse zu Beginn dieser Woche wieder in den grünen Bereich gerutscht. Technische Verkäufe und die Aussicht auf Regenfälle in den USA haben am Freitag die Getreidekurse ins Trudeln gebracht. Makler kommentieren solche Entwicklungen mit: „Die Bullen brauchen regelmäßig Futter, um fett zu werden.“ Da der Regen nicht so üppig ausfiel wie vermutet, ist jetzt erneut Futter da, um den preisförderlichen Bullen zu Wochenbeginn wieder auf die Sprünge zu helfen.

Vorerst zeichnet sich keine Regenentspannung in den USA ab. Für die nächsten 10 bis 14 Tage soll es, laut Wetterbericht, trocken bleiben. Zusammen mit für die Jahreszeit erhöhten Temperaturen wird befürchtet, dass die Weizenerträge vermindert werden könnten.

Geringere Aussaatmengen, wie Erträge werden auch aus dem Schwarzmeerraum erwartet.

Durch stark schwankende Wechselkurse sind Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Kraftstoff verteuert worden. Die politische Instabilität trägt gleichermaßen ihren Zoll, befürchtet der Ukrainische Agribusiness Club (UCAB). Für 2014 wird mit einem Aufkommen an Getreide und Leguminosen von 52 Mio. t gerechnet. Das wären 10 Mio. t weniger als 2013. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist der Sommergetreideanbau in diesem Jahr im Schwarzmeerraum ebenso ungünstig. Es fehlt bisher schlicht an Feuchtigkeit, weil die Schneefälle sehr gering ausgefallen sind und es aktuell zu trocken für die Aussaat ist, berichtet Pflanzenbauberater Dr. H. Schönberger in einem Interview.

Beim Maisanbau scheint die Euphorie für 2014 ebenso geschmälert zu sein.

Nach einer Umfrage des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) planen US-Landwirte die Maisanbaufläche um 3 Prozent zu vermindern. In Europa ist die Maisaussaat gerade angelaufen. Besonders für Frankreich, Polen und Rumänien wird mit verminderten Anbauflächen gerechnet. Erste Prognosen für Deutschland gehen davon aus, dass Körnermais zugunsten von Silomais zurückgefahren wird, weil die Körnerpreise an Lukrativität verloren haben. Die tatsächlichen Anbauflächen und Erträge bleiben abzuwarten.

Am deutschen Kassamarkt findet Handel sehr verhalten statt. Mischer zeigen sich bis zur Ernte in Grundzügen versorgt, berichten Händler. Mühlen leben von der Hand in den Mund, sodass auch hier keine nennenswerten Impulse vermutet werden. Das Zünglein an der Waage bleibt der Wettermarkt. Am Wochenende fiel lediglich in Norddeutschland bis zu 25 mm Regen. Der Rest des Landes musste sich mit „wenigen Tropfen auf den heißen Stein“ zufrieden geben. Bei fortgeschrittener Vegetation, geschätzt werden zwei bis drei Wochen, wird es ohne Regen in den nächsten Wochen eng, bestätigen Pflanzenbaufachleute.

Brotgetreide wird am Kassamarkt mit rund 208 €/t franko Hamburg besprochen. Die neue Ernte liegt um 200 €/t angeliefert Hamburg. Händler berichten, dass der Preisauftrieb im März für weitere Vorkontrakte zur Ernte 2014 gesorgt hat. Im Norden sind vermutlich 25 Prozent der Weizenernte verkauft. Im mitteldeutschen Raum 10 bis 15 Prozent. Im Süden werden die Verkaufsmengen auf rund 5 Prozent beziffert. Der Handel mit Futtergetreide bleibt ebenso ruhig. Gerste bewegt sich ab Landwirt in Sachsen und Sachsen-Anhalt bei 175 €/t. Die neue Ernte liegt mindestens 10 €/t darunter. Da die Getreidepreise derzeit einen Seitwärtstrend eingeschlagen haben und die Wetterfolgen, insbesondere die der Trockenheit, nicht absehbar sind, halten Landwirte die Füße (zurecht) still.

Brigitte Braun-Michels