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Wettergerüchte lenken Börsen nicht ab

22.04.2013

Flaute an den Rohstoffmärkten hält an / Preise am Kassamarkt stabil

Im Korsett der allgemeinen Flaute an den Rohstoffmärkten starten auch die Agrarcommodities mit roten Vorzeichen in die Woche. An den internationalen Märkten sorgen in erster Linie Konjunkturängste für die schlechte Stimmung. Bei den Notierungen für Getreide und Co. bleiben zusätzlich die Wettermärkte im Fokus.

Die Gerüchte über mögliche Wetterauswirkungen reißen nicht ab.

In den USA wird die Maisaussaat akribisch beobachtet. Mit erst zwei Prozent ausgesäten Flächen hinken die US-Farmer dem langjährigen Durchschnitt um fünf Prozent hinterher. Sollte die Verzögerung anhalten, könnten einige Maisflächen durch die Bohne, die eine spätere Aussaat verträgt, abgelöst werden. Zudem ist es in einigen US-Anbaugebieten nach wie vor trocken, was die hochgesteckten Ertragsziele begrenzen könnte.

In Russland hat sich, so die Einschätzung einer unabhängigen Analysegesellschaft, die Ertragserwartung für die Ernte 2013 verbessert. Mit einer geschätzten Gesamtgetreideernte von rund 98 Mio. t wird das Jahr 2012 um knapp 40 Prozent getoppt. Sollte diese Prognose zutreffen, könnte sich das Exportvolumen auf bis zu 23 Mio. t erhöhen. Das wäre im Vergleich zu dieser Saison eine Steigerung um 8 Mio. t. Es sei denn Russland füllt die nationalen Interventionsfonds wieder auf. Dann würden die Exporte auf 17 Mio. t begrenzt.

Die EU-Getreideernte hat das französische Analysehaus Strategie Grains jetzt um 0,5 Mio. t auf 130 Mio. t reduziert. Grund: niedrigere erwartete Erträge in Großbritannien sowie geringere Aussaatflächen in Dänemark und Spanien. Die EU-Maisfläche wird wegen Anbauausdehnung in Deutschland, Polen und Frankreich leicht erhöht auf 64,6 Mio. t.

Für Deutschland hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) in seiner jüngsten Prognose die Getreideproduktion auf 44,4 Mio. t reduziert (VJ 45,2 Mio. t). Als Grund für den Ertragsrückgang führen die Experten des Verbandes einen Entwicklungsrückstand von zwei bis vier Wochen ins Feld, der nicht mehr aufgeholt werden könne. Besonders stark wurde der Sommergerstenanbau zurückgenommen. Bei einer Aussaatfläche von geschätzten 376 500 ha wird das Vorjahr um ein Drittel unterschritten. Erinnern wir uns. Wegen der Auswinterungsschäden ist 2012 die Sommergetreidefläche erheblich ausgeweitet worden.

Am Kassamarkt ist bei solchen Vorgaben die Meinung über die Preisentwicklung gespalten. Bei guten Ernten in Übersee und hohen Exporten aus der Schwarzmeerregion dürften die Preise für die Ernte 2013 weiter unter Druck geraten. Das tatsächliche Ergebnis bleibt aber bisher Kaffeesatzlesern vorbehalten. Einhellig feste Preise wird Getreide aus der Ernte 2012 zugeschrieben. Zwar sind die Exporte aus Europa durch billigen US-Weizen aus dem Rennen geworfen worden. Dafür melden aber seit einigen Wochen die heimischen Verarbeiter erneuten Bedarf an. B-Weizen (und A-Weizen) alter Ernte wird im Norden, Mitteldeutschland und Süden um 250 €/t franko (frei Lager) besprochen. An den Verbrauchsstandorten (Oberrhein/Rheinland) gibt es Zuschläge von rund 10 €/t. Die Ernte 2013 wird aufgrund der weltweit höheren Ertragserwartungen franko Hamburg auf 218 bis 220 €/t für B-Weizen beziffert. Lediglich bei der Braugerste zeigt sich eine andere Preisentwicklung. Die neue Ernte wird, bei extremem Anbaurückgang, auf 240 €/t ab Hof (Okt/Dez.) beziffert.

Das Risiko für die Erntepreise 2013 bleibt nicht nur durch unvorhersehbare Wetterdaten hoch. Erzeuger sollten bedenken: Auch bei 200 €/t ist für Getreide ab Hof ein Gewinn noch immer sicher.

Brigitte Braun-Michels