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Weniger Raps und Getreide in der EU erwartet

Markt und Meinungen
11.03.2015

Interview mit dem Pflanzenbauexperten Dr. Schönberger, Geschäftsführer der N.U. Agrar GmbH in Schackenthal

Wie die Kulturen in Deutschland und wichtigen europäischen Anbauländern über den Winter gekommen sind und welche Kapriolen das Wetter in den nächsten Monaten noch ausrichten kann, darüber sprachen wir mit dem Pflanzenbauexperten Dr. Schönberger, Geschäftsführer der N.U. Agrar GmbH in Schackenthal.

Dr. Schönberger, wie sind die Rapsbestände in Deutschland und Europa über den Winter gekommen und welche Ernteerwartung haben Sie?

Dr. Schönberger: Die Ausgangsbedingungen für die Rapsausaat im vergangenen Herbst waren aufgrund der Nässe nicht ideal. Die Fläche wurde in Deutschland um fast 100.000 bis 150.000 ha reduziert. Auch in anderen EU-Ländern wie Frankreich, Tschechien und dem Balkan wurde die Rapsaussaatfläche stark eingeschränkt. In der Ukraine haben sich zudem die Düngemittelpreise währungsbedingt fast verdoppelt. Das dürfte zu einem niedrigeren Düngeraufwand und damit weniger Ertrag führen. Der Winter ist insgesamt sehr mild verlaufen, sodass deshalb bislang keine Ertragseinbußen zu erwarten sind. Spätfröste sind nicht ausgeschlossen. Das Rapsaufkommen in der EU wird auf jeden Fall zur kommenden Ernte deutlich geringer ausfallen.

Erwarten sie auch Auswirkungen durch Wirkstoffbeschränkungen bei den Insektiziden?

Dr. Schönberger: Ja, auf jeden Fall. Zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Aufgrund der hohen Rapsanbaudichte und des Wegfalls der Insektizidbeizen ist bei hohem Kohlfliegen- und Erdflohbefall ein Minderertrag absehbar. Bei den Prognosen haben wird das Wetter bislang noch außen vor gelassen. Sollte es zu einem trockenen Frühsommer kommen, sind weitere Mindererträge vorprogrammiert. In Deutschland dürften wir aller Voraussicht nach weniger als 5 Mio. t Raps ernten. Damit in der EU 20 Mio. t Raps zur Ernte 2015 erzeugt werden, müsste aus meiner heutigen Sicht ein Wunder passieren. Vor diesem Hintergrund sind an der Pariser Matif zur kommenden Saison sicher Preise von 350 €/t und auch darüber nicht unwahrscheinlich. Die Sojapreise und die Entwicklung des Rohölpreises dürfen in ihrem Einfluss auf die Rapspreise allerdings nicht unterschätzt werden.

Wie beurteilen sie die Weizenbestände derzeit?

Dr. Schönberger: In Mitteleuropa macht der Weizen einen recht guten Eindruck, was die Pflanzenentwicklung anbelangt. Nur im Nordwesten und in Regenstaulagen der Mittelgebirge sehen die Bestände etwas schlechter aus. Im weiteren Verlauf der Vegetationsperiode wird Wasser zum begrenzenden Faktor werden. Wo die Böden jetzt noch zu nass sind, wird sich viel Regen im Frühjahr nachteilig auswirken. Im Herbst und Winter hat es zwar häufiger, aber in der Menge nicht viel geregnet. Zum Beispiel ist das Wasserreservoir in den Böden der Bördelagen Ostdeutschlands sehr gering. Die Böden sind dort zum Teil nur zu zwei Dritteln Wasser gesättigt. Ähnlich sieht es übrigens in Osteuropa und in der Ukraine aus. Wird das Frühjahr nass, entwickeln sich die jetzt schon üppigen Bestände sehr stark und dicht. Hitze im Sommer lässt sie dann vorzeitig zusammenbrechen. Noch mehr Schaden kann Nässe ausrichten. Je länger die Frühjahrstrockenheit dagegen im Osten anhält, umso stärker werden dort die Ertragsdepressionen sein. Sofern nicht absolut ideale Bedingungen eintreten, ist selbst eine durchschnittliche Ernte kaum mehr zu erwarten.

Wie sah die Weizenbestellung in anderen europäischen Anbauländern aus?

Dr. Schönberger: Auch in Tschechien erfolgte die Bestellung zu zwei Dritteln in zu nassen Böden. Der gesamte Herbst war hier, bedingt durch die Einrahmung im Mittelgebirge, zu feucht. Auf dem Balkan, in Ungarn und Rumänien wurde auf einem Großteil der Flächen, zum Teil über 50 Prozent, erst gar kein Weizen ausgesät. Dieser wird durch Sommergerste oder Sojabohnen ersetzt. Auch in Russland war es gebietsweise während der Bestellung zu nass. Dafür fiel zu wenig Regen und Schnee im Winter. Frankreich hatte ebenso schlechte Bedingungen zur Aussaat des Weizens. Ich rechne damit, dass wir innerhalb der EU mindestens 10 bis 15 Prozent weniger Weizen ernten als im letzten Jahr. Dabei sind mögliche ungünstige weitere Wachstumsbedingungen noch nicht berücksichtigt.

Was erwarten Sie für das Futtergetreide?

Dr. Schönberger: Die Wintergerste ist meist gut in den Boden gekommen und hat sich gut, teilweise schon zu gut entwickelt. Mitunter wurde die Gerste schon vor dem Winter krank und ging ins Lager. Für mich ist unverständlich, dass Wirkstoffe wie Trinexapac nur für die Saatgutvermehrung von Hybridgerste im Herbst zugelassen wurde. Ertragsschwankungen nach unten erwarte ich für nasse (Staulagen) und trockene Standorte im Osten. Die Maisaussaat in der EU muss abgewartet werden. Bislang sieht es nicht so aus, dass Mais ähnlich gute Aussaatbedingungen vorfindet wie im vergangenen Jahr. Für die kommende Saison gehe ich schon jetzt von stabilen Futtergetreidepreisniveaus aus.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Brigitte Braun-Michels.