You are here

Share page with AddThis

Weltweit gute Ernteprognosen

Markt und Meinungen
03.02.2014

IGC setzt Produktionsmengen herauf / Versorgungslage unterschiedlich

Die "mengenmäßigen" Vorzeichen für die Getreide- und Ölsaatenpreise zur laufenden Saison bleiben negativ. In seiner Schätzung vom 30. Januar 2014 hat der Internationale Getreiderat (IGC) die weltweite Produktion von Getreide und Ölsaaten 2013/14 im Vergleich zum Vormonat erneut heraufgesetzt. Das, was produziert wird, ist aber nur eine Seite der Medaille.

Die weltweite Gesamtgetreideproduktion (Weizen und Grobgetreide) ist laut IGC um weitere 18 Mio. t auf 1,964 Mio. t gestiegen. In den letzten vier Jahren wuchs die Getreideerzeugung damit um satte 213 Mio. t. Allerdings zeigt sich auch ein kontinuierlicher Zuwachs beim Verbrauch.

Beim Weizen sind die weltweiten Bestände bis 2012/13 im fünfjährigen Vergleich zwar abgebaut worden. Der Tiefstand von 173 Mio. t aus dem Jahr 2012/13 soll in der Saison 13/14 aber wieder auf 188 Mio. t ansteigen. Die Rate der Bestände zum Verbrauch steigt auf 27 Prozent. Die Versorgung aus den Überhängen reicht beim Weizen für knapp 110 Tage. Das ist eine komfortable Situation.

Mais wird auch zur Saison 2013/14, nach Schätzungen des IGC, reichlich produziert. Jedoch sind die "Überschüsse" im Vergleich zum Weizen weit weniger üppig. Die Versorgung aus Überhängen von 51 Tagen im "schlechten" Jahr 2012/13 ist auf geschätzte 65 Tage zur laufenden Saison angestiegen.

Sojabohnen bleiben, trotz kontinuierlicher Produktionssteigerungen, ein knappes Gut. Auch 2013/14 liegt die Produktion mit 288 Mio. t nur knapp über dem Verbrauch von 285 Mio. t. Die Versorgung aus den Überhängen reicht bei der Bohne nur für knapp 37 Tage.

Hält man sich diese Zahlen vor Augen, sind die Börsenbewegungen nur zum Teil nachvollziehbar und machen deutlich, dass "aktuelle" Vorkommnisse für Schwankungen sorgen, die globale Versorgungssituation jedoch ein Indikator für den langfristigen Trend ist. Auch "Verquickungen" der Märkte spielen eine Rolle.

Bestätigt sich das von übergeordneten Stellen vorgelegte Zahlenwerk, dürften vor allem beim Weizen in absehbarer Zukunft die Impulse fehlen. Aufgrund des Zusammenspiels zwischen Weizen und Mais, Konkurrenz um den Futtertrog, können jedoch Schwankungen am Maismarkt, der wesentlich enger versorgt ist, überschwappen.

Spannend bleibt die Preisentwicklung bei der Sojabohne. Aufgrund des nach wie vor dünnen Polsters dürften sich Zweifel an der hoch geschätzten weltweiten Produktion direkt auf den Preis niederschlagen. Davon könnten in Zukunft auch wieder die Rapsnotierungen profitieren, die dem Leitmarkt Bohne regelmäßig folgen.

Aktuell stützen robuste US-Exporte die Kurse von Weizen und Mais in Chicago (CBOT). Analysten vermuten, dass die lukrativen Preise Käufer angelockt haben.

Auch an der Pariser Matif (Nyse,Euronext) profitieren die Weizenpreise von anhalternd guten Exporten und dem Rückgang des Euro zum US-Dollar. Marktbeobachter befürchten jedoch auf der anderen Seite, dass russischer Weizen durch die extreme Abwertung des Rubel an Konkurrenzfähigkeit gewinnt und damit in Konkurrenz um Abnehmer von EU-Weizen (Nordafrika und Naher Osten) steht. Das könnte den Matifpreisen einen neuen Dämpfer versetzen. Zu Wochenbeginn notiert B-Weizen in Hamburg um 190 €/t für die alte Ernte und um 183 €/t für die Ernte 2014 (Nov.).

Die Rapskurse dümpeln weiter vor sich hin und profitierten am Wochenende von der Technik des ausgelaufenen Februars sowie positiven Vorgaben aus dem Sojakomplex. Eine leicht erhöhte Schätzung der EU-Rapsernte für die kommende Saison des Analystenhauses Strategie Grains bremst die Kurserholung (367 €/t Mai 2014). Am Preishimmel bleibt es weiterhin bewölkt!

Brigitte Braun-Michels