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Weizenpreise unverhofft stabil

Markt und Meinungen
03.12.2014

Russisches Exportembargo gibt neue Impulse/ Preisauftriebsgrenze offen

Unverhofft kommt oft. Die Weizenpreise zeigen im Trend positive Vorzeichen, obwohl weltweite Spitzenernten zum Ende dieses Jahres eine andere Prognose nahegelegt haben. Vom an der Pariser Matif (Euronext) notierten Tiefstwert, etwa 150 €/t Ende September, haben sich die Preise auf knapp 190 €/t nach oben katapultiert.

Der Handel ist bei weltweiten Spitzenernten von dieser Entwicklung eher überrascht. Gerade erst hat der Internationale Getreiderat (IGC) die weltweite Maisernte auf 982 Mio. t (plus 2 Mio.t zum Vormonat) nach oben gesetzt. Bei gleichbleibendem Verbrauch steigt der Angebotsüberschuss auf 195 Mio. t. Der Bestände beim Weizen bleiben bei 193 Mio. t. In der kommenden Saison soll die Weizenfläche leicht ausgedehnt werden. Auch bei den Sojabohnen werden die guten Ernteergebnisse erneut bestätigt und der Angebotsüberschuss beläuft sich auf 40 Mio. t. Die Schätzung des IGC belegt erneut, dass die Leitmärkte Mais und Bohne deutlich überversorgt sind. Lediglich beim Weizen sind die Lagerendbestände nicht weiter gewachsen.

Dass die Weizenpreise, die sich "normalerweise" am Mais orientieren, weiter aufwärts blicken, wird auf Wetterunbillen in den USA (Frost) zurückgeführt, die zur kommenden Saison Ertragseinbußen erwarten lassen. Mit der Ankündigung Russlands strengere Exportbedingungen einzuführen, welche die Weizenexporte aus der Schwarzmeerregion begrenzen dürften, hat der Weizenmarkt einen weiteren Anschub erhalten. Als Reaktion auf diese Entwicklung unterstützen institutionelle Anleger mit technischen Käufen diese Entwicklung.

Schließlich brummt das Exportgeschäft beim Weizen. Wöchentliche Auswertungen der US-Exporte liegen über den Markterwartungen. In Europa florieren die Exporte aus Frankreich, Polen und Deutschland. Die vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium bezifferten Exporte aus der EU von 28.000 Mio. t könnten noch übertroffen werden. Die ohnehin schon knappen europäischen Weizenendbestände (rund 16 Mio. t) würden dann weiter abschmelzen.

Am Kassamarkt bewegen sich die B-Weizenpreise franko (fko, angeliefert) Hamburg um 200 €/t. A13-Weizen wird zu Beginn dieser Woche um 210 €/t beziffert. Die neue Ernte liegt auf ähnlichem Niveau. Im mitteldeutschen Raum wird Futterweizen fko Haldensleben bei 165 €/t beboten. A13-Weizen fko Mittellandkanal (MLK) liegt um 196 €/t und A12-Weizen bei 186 €/t. E-Qualitäten sind so gut wie nicht verfügbar. Mais wird für 150 €/t ab mitteldeutscher Station und Gerste um 167 €/t ab mitteldeutscher Station gekauft.

Wie weit der Aufwärtstrend anhält, wird am Markt sehr unterschiedlich diskutiert. Vorerst sieht es nicht danach aus, dass die Weizenpreise alte Ernte in Paris die Marke von 200 €/t nach oben knacken. Dazu ist die weltweite Versorgung zu komfortabel. Auf der anderen Seite wird europäischer Weizen durch das rege Exportgeschäft bei ohnehin enger Bilanz noch weiter verknappt, was auch ein Ausbrechen nach unten verhindern dürfte. Ab Januar wird sich zeigen, wie viel Ware noch von der heimischen Verarbeitungsindustrie benötigt wird und wie die Bestände in Europa dem Winter Stand halten können.

Bleibt der Winter "normal" und kommt im Januar viel Ware von den landwirtschaftlichen Höfen, wird der Markt einen Dämpfer erhalten. Erzeuger können "Neues Spiel – Neues Glück" herausfordern oder schon jetzt Gewinne mitnehmen.

Brigitte Braun-Michels