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Weizenpreise fallen unerwartet tief

Markt und Meinungen
22.05.2015

Verengte Bilanz vom Wetter „ausgehebelt“/Rapspreise vom Sojamarkt gedeckelt/ Preisprognose Commerzbank

Bei einer weltweit guten Versorgung bleiben die Preise für Weizen und Co weltweit unter Druck. Während die Ölsaatenbilanz auch zur kommenden Saison üppig auszufallen scheint, dürften sich die Bilanzen bei Mais und Weizen verengen. Die Analysten der Commerzbank sind deshalb Preis optimistisch. Kurzfristig scheint diese Prognose aber getrübt.

Mais

Während die Maispreise (CBOT) am internationalen Markt im Sommer 2014 bei weltweit hohen Ernten auf 320 US-Cent je Scheffel eingebrochen sind, konnten sie sich bis zur Jahreswende 2014/15 auf rund 400 US-Cent je Scheffel erholen. Derzeit schwanken die Maispreise in Chicago zwischen 360 und 370 US-Cent je Scheffel. In Paris liegt die Schwankungsbreite zwischen 160 bis 165 €/t. Aufgrund der verminderten Fläche im Vergleich zum Vorjahr, erwarten die Analysten der Commerzbank, dass sich die Maisnotierungen bis zum Jahresende 2015 in Chicago bei 400 US-Cent je Scheffel und in Paris (Euronext) bei 175 €/t etablieren.

Weizen

Auch beim Weizenpreis sind die Commerzbank-Analysten mittelfristig optimistischer als derzeit von den Börsen angezeigt. Aktuell lastet die Erwartung hoher Ernten 2015, bei verminderter Anbaufläche, auf den Notierungen in den USA und auch in Europa. Niedriger als derzeit waren die Weizenpreise zuletzt 2010. Sowohl in den USA, wie auch in der EU haben sich die Witterungsbedingungen in den letzten Wochen verbessert. Dennoch zeigt das Ergebnis einer Experten-Tour in Kansas, dem wichtigsten US-Anbaugebiet, ein gemischtes Bild. Die lange Trockenheit in der frühen Wachstumsperiode scheint das Ertragspotenzial für die Ernte 2015 insgesamt doch geschmälert zu haben. Vorerst bleiben Experten von Bloomberg dennoch bei einer sehr hohen US-Winterweizenernte. In Europa wird bisher zwar auch mit guten Ernteerträgen gerechnet, dennoch bleibt die geschätzte Gesamterntemenge mit rund 140 Mio. t etwa 8 Mio. t unter dem Erntejahr 2014.

Die Wachstumsbedingungen in den USA und Europa bleiben der größte Unsicherheitsfaktor für die Erträge und damit die Preisentwicklung. Sollte die russische Exportsteuer nun doch auslaufen, erhöht das die Konkurrenz für EU-Weizen am Exportmarkt. Die Commerzbanker halten, trotz allen, für das vierte Quartal 2015 an einem Weizenpreis in Chicago von 550 Cent/Scheffel und in Paris von 200 €/t fest.

Ölsaaten

Aufgrund der großen Anbauflächen von Sojabohnen und der bisher guten Witterungsverhältnisse rechnen die Analysten auch zur kommenden Saison mit einer weltweiten Sojabohnenproduktion auf Rekordhöhe. Obwohl der Flächenumfang der globalen Anbauflächen unterschiedlich bewertet wird, schätzte zuletzt das Analysehaus Oilworld für 2015/16 nur eine geringfügig sinkende weltweite Ölsaatenproduktion und geht weiterhin von einem Marktüberschuss aus. Die Commerzbanker rechnen für das vierte Quartal 2015 bei Sojabohnen mit Preisen von 950 Cents/Scheffel.

Der Rapspreis hat sich in der Vergangenheit längere Zeit vom Sojabohnenmarkt abgekoppelt. Zur kommenden Ernte wird in Europa, als einem der wichtigsten weltweiten Rapsproduzenten, mit einem Ertragsrückgang auf rund 21 Mio. t gerechnet (Vorjahr 24 Mio. t). Es wird dauerhaft aber nicht davon ausgegangen, dass sich der Rapsmarkt vom Sojamarkt absetzten kann. Ohne weltweite Wetterunbillen bleiben die Commerzbanker für Raps gedämpft optimistisch und rechnen für das vierte Quartal 2015 mit Rapspreisen in Paris (Euronext) von 355 €/t.

Brigitte Braun-Michels