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Weizenpreis hat vorerst wenig Entwicklungspotenzial

Markt und Meinungen
20.05.2015

Ohne Währung und Wettermärkte sind die Weizenpreise guten Ernten ausgesetzt/ Marktexperten „befürchten“ auch aus der Ukraine gute Erträge

Der russische Ministerpräsident hat Ende letzter Woche die Exportsteuer auf russischen Weizen aufgehoben. Jetzt kann wieder mehr russisches Getreide zu billigen Preisen auf den Exportmarkt. Eigentlich hätte diese Nachricht den Weizennotierungen einen länger anhaltenden Dämpfer geben müssen. Jedoch starten die Agrarcommodities mit grünen Vorzeichen in die Woche.

Die Entscheidung, die russische Exportsteuer auszusetzen, fiel sechs Wochen vor dem geplanten Ende. Hintergrund ist eine sich verlangsamende Inflationsrate in Russland sowie die Aufwertung des Rubel. Insgesamt sollen die russischen Weizenexporte ohne Exportsteuer um 1 Mio. t ansteigen, weil die Ware billiger ist als anderes Exportgetreide. Zum 1. Juli 2015 soll, so russische Regierungskreise, wieder eine Exportsteuer von 1 USD (Dollar) pro Tonne eingeführt werden.

Nachdem die Weizenpreise in Paris zunächst mit roten Zahlen auf diese Nachricht reagiert haben, zeigt sich zu Beginn dieser Woche wieder eine positive Tendenz. Die Preise in Paris (Euronext) wandern auf 180 €/t für September 2015 zu. Grund ist eine technische Reaktion, Short-Abdeckungen der Anleger sowie die Meldung über den El-Nino-Effekt in Australien, der Ertragseinbußen nach sich ziehen könnte.

Insgesamt bleibt der Getreidemarkt aber durch die gute Versorgung, die sich ohne Wettermarkteinflüsse auch für die kommende Saison weiter fortsetzten dürfte, in der Preisentwicklung gedeckelt. Das beschrieb auch Dr. Klaus Schumacher, Marktexperte bei der BayWa AG, vergangene Woche im Rahmen der Ackerbautagung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) in Berlin. Den zwei Rekordernten im Jahr 2013 und 2014 folge nun eine neue gute Ernte im Jahr 2015, so Schumacher. Auch für die Ukraine befürchtet der Marktexperte bisher keine großen Einbußen. Die Flächen für den Getreideanbau seien ausgedehnt worden und den Effekt einer möglichen Verminderung der Flächenintensität schätzt der Fachmann ebenso als gering ein.

Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) hat die globale Weizenernte in seiner aktuellen Schätzung auf knapp 719 Mio. t (VJ 726,45 Mio. t) beziffert. Die Endbestände liegen bei rund 203 Mio. t und steigen zur kommenden Saison in Summe um 2,35 Mio. t. Beim Mais bleiben, laut US-Ministerium, die Endbestände mit 192,5 Mio. t etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Auch aus diesen Zahlen ist kein Argument für steigende Weizenpreisnotierungen ersichtlich, meint Schumacher.

Innerhalb der EU hat in erster Linie die Währung, sprich der im Verhältnis zum US-Dollar schwache Euro, für hohe Exportraten und damit stabile Preise gesorgt. Laut US-Prognosen wird die EU auch zur kommenden Saison über hohe Ausfuhren von knapp 33 Mio. t verfügen. Damit liegen die Exporte nur leicht unter dem durch die Währung bevorteilten EU-Exportjahr 2014/15 (34,5 Mio. t Weizenexporte). Unterm Strich ist die EU mittlerweile der mit Abstand größte Weizenexporteur auf der Welt.

Laut Dr. Schumacher werden die Exporte zur kommenden Saison jedoch mehr getrübt als das USDA vermutet, wenn der Euro im Verhältnis zum US-Dollar aufwertet. Die EU-Bestände würden dann ansteigen.

Bisher sieht es so aus, dass die Preise nur durch Wettereinflüsse zur kommenden Saison noch Aufwertungspotenzial haben. Trockenheit im Juni könnte dazu führen, dass in der Schwarzmeerregion weniger Sommergetreide geerntet wird. Außerdem müsse man die Bestäubungsphase des Getreides in Juni in den USA abwarten. Schließlich spiele Währung, das Verhalten der Ableger und politische Entscheidungen zur kommenden Saison eine entscheidende Rolle für die Preisbildung. Vorerst bleiben Marktexperten mit ihrer Preismeinung pessimistisch.

Brigitte Braun-Michels