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Weizenernte zur Hälfte abgeschlossen

Markt und Meinungen
13.08.2013

Proteine erhalten Aufpreise / Große Ernteerwartung sorgt weiter für Preisdruck

Weltweit positive Ernteerwartungen lassen die Kurse an den Agrarbörsen in Chicago (CBOT) und Paris (Nyse, Euronext) immer weiter nach unten purzeln. Die Notierungen für Sojabohnen, die als Leitbörse für den gesamten Ölsaatenkomplex gelten, bewegen sich für den November-Termin mit knapp 12 USDollar je Scheffel auf dem niedrigsten Stand seit Anfang 2012. Auch bei Getreide setzt sich der Abwärtstrend fort. Der Druck geht hier vom Mais aus. Es wird damit gerechnet, dass der Bericht aus dem US-Landwirtschaftsministerium (USDA), der Montag Abend erscheint, die Maisernte erneut nach oben verschiebt. Analysten vermuten jedoch, diese Aufwärtsrevision sei in den auf ein Drei-Jahrestief gefallenen Maisnotierungen bereits eingepreist worden. Für die Sojabohne wird weiterhin mit einer Rekordernte zur kommenden Saison gerechnet. Weil im Vergleich zum letzten USDA-Bericht von einer leichten Korrektur der Gesamterntemenge nach unten ausgegangen wird, stabilisieren sich die Sojabohnennotierungen zu Wochenbeginn an der US-Börse (CBOT).

Beim Weizen erwarten Analysten in den USA eine leicht höhere Ernte. Für Russland könnten die Schätzungen niedriger ausfallen, weil die Ernteerwartung zu optimistisch war.

In Deutschland ist die Gersten- und die Rapsernte abgeschlossen. Die Erträge sind sehr unterschiedlich ausgefallen. Bei der Gerste haben die leichteren Standorte in diesem Jahr die besseren Erträge eingefahren. Die Schwankungsbreite liegt bei Erträgen von 60 bis 90 dt/ha. Die Hektolitergewichte sind durch die Bank positiv. Probleme gab es vor allem in den östlichen Bundesländern mit erhöhten Mykotoxinwerten im Korn (DON-Werte). Das könnte auch im Handel mit Osteuropa drohen. Ex Ernte wird in Mitteldeutschland um 150 €/dt ab Sta und im Süden um 160 €/dt für die Gerste bezahlt. Die Rapserträge schwanken um 35 bis 45 dt/ha. Ex Ernte liegen die Preise in Mitteldeutschland um 320 bis 325 €/dt.

Die Weizenernte ist in vollem Gange. Marktbeteiligte vermuten, dass bundesweit 30 bis 50 Prozent des Weizens vom Halm ist. Teilweise ist die Ernte durch einsetzende Regenfälle zu Wochenbeginn zum Erliegen gekommen. Bisher zeichnen sich gute, durchschnittliche Erträge ab. In Schleswig-Holstein liegen sie um 70 bis 90 dt/ha, im Süden spricht man von 50 bis 100 dt/ha. Die Qualitätsparameter (Hektolitergewichte und Fallzahlen) werden erreicht. Bei den Eiweißgehalten wird es schwieriger. Schon jetzt zeichnen sich entsprechende Aufpreise für Weizen mit höherem Proteingehalt ab. Franko Hamburg (HH) wird B-Weizen um 186 bis 187 €/dt besprochen. Für Weizen (A 13) gibt es 4 €/t Aufschlag, für E-Weizen 10 €/t. Futterweizen wird in Mitteldeutschland um 175 €/t franko gesucht. Aus Süddeutschland ist von 160 bis 163 €/t für B-Weizen, 167 €/t für A-Weizen und 185 €/t für E-Weizen zu hören.

Bei den jetzt angesagten Preisniveaus trennen Landwirte sich nur ungern von ihrer Ware. Bei großen Ernten sind die Preise zum Erntezeitpunkt meistens am niedrigsten. Darauf setzten Erzeuger auch in diesem Jahr und planen den Lagerverkauf erst ab Herbst. Wie groß die Aufschläge dann sind, bleibt abzuwarten. Bisher zeichnen sich keine Einbußen von den hohen Ernten vor allem in den USA ab. Im Gegenteil, die Vorausschau des amerikanischen Landwirtschaftministeriums (USDA-Bericht) wartet vermutlich mit neuen Rekorderträgen auf. Wann eine Preislücke nach oben wieder offen ist, bleibt abzuwarten. Als Trost bleibt zumindest, dass auch nach unten keine großen Preistiefschläge mehr vermutet werden.

Brigitte Braun-Michels