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Weizen und Co verlieren kräftig Federn

Markt und Meinungen
07.05.2015

Wettermarkt setzt die Ernteerwartungen für 2015 hoch/ Raps zeigt nach hohen Verlusten grüne Vorzeichen

Die roten Zahlen am Getreidemarkt setzen sich nach dem langen Maiwochenende fort. Spekulanten lassen sich vom Wettermarkt in den USA negativ „inspirieren“. Auch in Europa werden „blendenden“ Beständen gute Ernten zugeschrieben. Die Rapsnotierungen holen einen Teil der überraschend stark gesunkenen Preise zu Wochenbeginn wieder auf. 

In den USA (CBOT) bleiben die Notierungen bei Weizen und Mais von roten Vorzeichen geprägt. Die Weizenerträge profitieren von den entlastenden Regenfällen in wichtigen US-Anbaugebieten. Die Maisaussaat ist durch die vorteilhafte Witterung in den USA zur Hälfte abgeschlossen. Bisher deuten die Fakten auch zur kommenden Saison eine gute US-Ernte an. Die Spekulanten quittieren dies mit rekordhohem Ausbau der Netto-Short-Positionen an der Börse in Chicago (CBOT) und spiegeln damit ihre negative Markterwartung wieder. Nachdem der Dollarkurs zwei Wochen rückläufig war, gewinnt er jetzt wieder an Wert, was der Attraktivität von US-Weizen am Getreideexportmarkt zusätzlich schadet.

In Paris (Matif, Euronext) werden die Schwächesignale von Übersee aufgenommen. Weizen hat sich in den letzten fünf Handelstagen um fast 10 €/t verbilligt. Die leichte Erstarkung des Euro, setzt sich zu Beginn dieser Woche zwar nicht fort, hat aber dem EU-Exportmarkt an Fahrt genommen. Zumal russische Ware, trotz Exportsteuer, rd. 10 €/t billiger angeboten wird.

Der Ölsaatenmarkt hat die Farbe wieder gewechselt. Vor dem langen Mai-Wochenende haben, mit auslaufendem Mai-Kontrakt, die Kurse sehr geschwankt und bis zu 13 €/t nachgelassen. Analysten haben dies als Überreaktion gewertet. Das scheint sich zu Beginn dieser Woche an der Matif mit einem Plus von 9 €/t auf knapp 353 €/t für August zu bestätigen. 

Am deutschen Kassamarkt ist mit den Börsenkapriolen der Handel zum Erliegen gekommen. Geld- und Briefkurse liegen fünf bis sogar 10 €/t auseinander. Vor allem am Getreidemarkt wird der anhaltende Preisdruck, der von den Börsen aktuell ausgeht, nicht nachvollzogen. Die Mais- und Braugerstenaussaat in Europa ist weiter fortgeschritten und geht auf’s Ende zu. Vermutlich wird der Maisanbau den Umfang des letzten Jahres erreichen. 

B-Weizen aus der alten Ernte wird franko (angeliefert) Hamburg (HH) um 176 €/t besprochen. Für die neue Ernte gibt es 2 bis 4 €/t Aufschlag. In Mitteldeutschland (Leipzig/Halle) liegen die Preise für Brotweizen aus der alten Ernte um 165 €/t ab Station. Futtergerste ist rd. 20 €/t billiger. Käufer fragen Getreide bis zu 5 €/t billiger an. Für kurzfristige Geschäfte werden immer wieder Aufgelder bezahlt. Händler gehen deshalb davon aus, dass die Käufer vor Ort weniger gut versorgt sind, als sie offiziell zugeben. Erfassungshändler beliefern derzeit mit eigener Lagerware den Markt.
Mais aus der alten Ernte wird um 150 €/t ab Station gehandelt. E-Weizen (Bussard) konnte noch vor dem langen Mai-Wochenende für 224 €/t ab mitteldeutscher Station den Besitzer wechseln. 
Bei rückläufigen Preisen ist das Geschäft um die neue Ernte vollständig zum Erliegen gekommen. Diese wird frei Lager zu Kursen beboten, die für Landwirte nicht mehr rentabel sind. A-Weizen liegt danach bei 160 €/t, B-Weizen um 155 €/t und Gerste bei 140 €/t frei mitteldeutschem Lager.

Im Süddeutschen Raum wird für A-Weizen alter Ernte ab Hof noch 165 – 170 €/t gezahlt, für B-Weizen 158 bis 162 €/t und Futterweizen 150 €/t. Mit 160 €/t ab Hof. Für A 13 Weizen neue Ernte, wird die Kostenschwelle mit 160 €/t erreicht. 

Bisher wirkt der Wettermarkt sich positiv auf die Ertragserwartungen 2015/16 aus. Doch Vorsicht, die Bestände blenden aus Sicht von Beratern. Auch über den weiteren Wetterverlauf sind längst noch nicht alle Messen gesungen.

Brigitte Braun-Michels