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Weizen bleibt in preissicherem Fahrwasser

Markt und Meinungen
09.04.2013

Höhere US-Bestände dämpfen vor allem Maispreise/ Wettermärkte bleiben bis zur Ernte entscheidend

Vor Ostern hat das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) mit einer unerwartet hohen Schätzung der Quartalsbestände in den USA an den Börsen einen gewaltigen Kursrutsch ausgelöst. Die Schätzungen für Weizen und die Sojabohne lagen am oberen Ende der Erwartungen. Die Maisquartalsbestände haben einen um etwa 400 Mio. Scheffel höheren Bestand gemeldet als befragte Analysten am oberen Rand geschätzt hatten. In der Folge hat, seit der Veröffentlichung der US-Lagerdaten, Mais an der US-Börse (CBOT) den Abwärtstrend fortgesetzt und muss mittlerweile einen Preiseinbruch von rund 14 % verzeichnen.

Seit Beginn dieser Woche zeichnet sich eine technische Gegenbewegung zu den starken Kursverlusten ab, die sich beim Mais aber nach wie vor in Grenzen hält. Der starke Abbau der Netto-Long-Positionen beim Mais macht zudem deutlich, dass Investoren mittelfristig die Preisentwicklung skeptisch beurteilen. Das dürfte auch mit den bisher guten Ernteerwartungen für die kommende Saison zusammenhängen. Mit den geringsten Blessuren sind die Weizenpreise sowohl in Chicago (CBOT) wie auch in Paris (Matif) davongekommen. Hier spielen die Wettermärkte eine Rolle. In den USA hat Frost in wichtigen Anbaugebieten vermutlich Schäden an den jungen Weizenpflanzen hinterlassen. Zudem wird eine verspätete Aussaat von Sommerweizen angenommen. In Europa vermuten Marktbeteiligte, dass die Ernte nach dem langen, kalten Winter erst verspätet starten kann. Außerdem verzögert sich, so wie es jetzt aussieht, auch hier die Aussaat von Sommergetreide. Bei der EU-weit ohnehin knappen Versorgung mit Getreide muss das Angebot also noch länger reichen.

Gleichzeitig halten die hohen Exporte aus der EU in Nachbarstaaten an. Experten schätzen, dass die Weizenexporte mittlerweile das hohe Niveau der Ernte 2010/11 erreicht haben. Das wären knapp 23 Mio. t. Die letzte Schätzung des US-Ministeriums lag noch bei einem Exportvolumen von knapp 19 Mio. t. Sollten sich die hohen Exporte bestätigen, würden sich die ohnehin rückläufigen EU-Endbestände beim Weizen mit unter 10 Mio. t auf einem rekordverdächtigen Tief bewegen. Wie sich die Getreidepreise weiterentwickeln, bleibt vollkommen offen. Technische Analysten beschreiben nur beim Mais einen Abwärtstrend, der sich eingestellt hat. Beim Weizen sind die Preise zumindest auf eine Unterstützung gestoßen. An der Pariser Matif wird die Unterstützungslinie beim Weizen auf 230 €/t für die alte Ernte und auf 200 bis 205 €/t für die neue Ernte 2013 beziffert.

Am Kassamarkt bleiben die Teilnehmer optimistisch. Vor allen die sehr enge Bilanz in Europa wird für stabile Preise der alten Ernte angeführt. Bei späterem Erntebeginn könnten auch noch Zuschläge erfolgen, wird spekuliert. Sowohl Mühlen wie auch Mischer melden zudem kontinuierlichen Bedarf an. Der Markt bleibt damit ein Nachfragemarkt. Franko (angeliefert) Hamburg wird die alte Ernte zu Wochenbeginn auf 257 €/t beziffert. Mais bewegt sich franko Südoldenburg bei 244 €/t.

Unterm Strich bleiben die Witterungsverhältnisse der nächsten Wochen und Monate entscheidend für die Preisbildung. Mildes Wetter könnte einiges vom jetzigen Vegetationsrückstand wettmachen und sich damit negativ auf die Preise auswirken. Obwohl die alte Ernte sich wegen der knappen Versorgungslage in preislich sicherem Fahrwasser befindet, können Einflüsse der erwarteten Ernte 2013 nicht ausgeschlossen werden. Verläuft das Frühjahr wettermäßig günstig, ist ein Testen der Unterstützungslinien nicht auszuschließen. Bleiben die Aussichten hingegen trübe, sind weitere Ausschläge nach oben möglich.

Bei der Vermarktung von Restbeständen und neuen Kontrakten für 2013 gilt es, in den nächsten Wochen ein wachsames Auge zu haben. Sichere Preistrends zeichnen sich bisher nicht ab. Der nächste, für die Preise einflussreiche Bericht zur neuen Ernte, erscheint noch in dieser Woche aus dem US-Ministerium.

Brigitte Braun-Michels