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Was passiert, wenn die Milchquote fällt?

Markt und Meinungen
27.03.2015

Wegfall der Regelung umstritten/ Ab Ende März dürfen Landwirte Milch unbeschränkt liefern

Seit mehr als 30 Jahren hat der Staat geregelt, wie viel Milch Landwirte abliefern dürfen. Zum Ende des Monats März soll die 1984 eingeführte Milchquotenregelung „fallen“. Ursprünglich war die Quote eingeführt worden, um europäische Milchseen und Butterberge zu regulieren und die Preise zu stabilisieren. Während Ersteres halbwegs gelungen ist, sind die Milchpreise, trotz Mengenbeschränkung, in den letzten Jahren Achterbahn gefahren. Milchbauern beklagen zum Beispiel, dass sie in Jahren mit Preistiefs wie 2009, mitunter für 5 Euro Stundenlohn arbeiten mussten.

Nach der Einführung der Quotenregelung gab es diverse Anpassungsmaßnahamen, wie Dr. Werner Rüther, Milchreferent beim Landvolk Niedersachsen, im Rahmen des Berliner Milchforums Mitte März berichtet hat. Dazu gehörte die Mitverantwortungsabgabe, die Prämienregelung für die Schlachtung von Milchkühen und die Nichtvermarktung von Milch, diverse Butterauf- /Verkaufsaktionen sowie Sonderprogramme zum Abverkauf der Interventionsbestände.

Bis 1991 hat der Staat zudem durch diverse Rentenaktionen eine Milchreferenzmenge von rund 2,3 Mio. t. Milch aufgekauft und dafür knapp 3 Mio. D-Mark ausgegeben. Schließlich wurde es Quoteninhabern möglich, ihre erlaubte Milchproduktionsmenge an aufstockungswillige Erzeuger über sogenannte Quotenbörsen zu verkaufen. So erfolgte über Jahre ein Einkommenstransfer von aktiven Milcherzeugern hin zu Quoteneigentümern. 

Produktionsdisziplin der EU stabilisiert Weltmarkt

Befürworter der Quote sehen in der Fortführung und den Außenschutz eine Abkopplung vom Weltmarkt. Damit sei ein geringerer struktureller Abpassungsdruck verbunden, sprich der Erhalt auch kleinerer Betriebseinheiten. Außerdem werde der Weltmarkt durch die Produktionsdisziplin der EU stabilisiert.

Wie die Praxis allerdings in den letzten Jahren gezeigt hat, wandert die Milcherzeugung trotz aller Stabilisierungsmaßnahmen aus den strukturschwachen Regionen ab, hin zu den leistungsfähigeren Strukturen. Außerdem wird, so Kritiker, die internationale Wettbewerbsfähigkeit durch die Zementierung der Erzeugung geschwächt. Selbst landwirtschaftliche Erzeuger, die in den letzten Jahren mehrere 100.000 € in den Kauf von Quoten gesteckt haben, geben zu bedenken, dass sie dies lieber in Gebäude und Instandhaltungsmaßnahmen der Milchproduktion investiert hätten. 

Preisverfall befürchtet

Vor allem kleinere Betriebe in Deutschland befürchten einen Preisverfall, der mit Wegfall der Quote und einer damit verbundenen Produktionsausweitung einsetzen könnte. Während Bauernverband, der Milchindustrieverband oder auch die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft davon ausgehen, dass der Wegfall der Quote die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen mittelfristig erhöht und Exporte gesteigert werden können. Wie sich die Preise mit Wegfall der Quote in der Realität entwickeln werden, bleibt spannend.

Brigitte Braun-Michels