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Vorerst kein Licht am Ende des Tunnels

Markt und Meinungen
23.03.2016

Preise für Weizen, Mais und Ölsaaten bleiben unter Druck/ Neue Schätzung aus dem US-Ministerium mit weiteren Aufschlägen erwartet

Im Vorfeld der neuen Schätzungen aus dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA-Bericht) bleiben die Börsenaktivitäten verhalten. Es wird damit gerechnet, dass die Erntemengen von Mais und Bohne zur kommenden Saison erneut heraufgesetzt werden. Zum Wochenende hatten Währungsverschiebungen und Wettermärkte die Kurse für Getreide und Co unter Druck gesetzt. 

An der weltweiten Leitbörse in Chicago (CBOT) wurden am Montag kräftige Verluste gemacht. Regenfälle in der Schwarzmeerregion lassen die Ernteerwartungen für die kommende Saison steigen. Das wird eins zu eins an der weltweiten Leitbörse eingepreist. In den USA haben die Weizennotierungen um vier Prozent nachgegeben und setzen dies zu Wochenbeginn fort. Weil die Exportnachfrage durch den starken US-Dollar vermindert wurde, rechnen Analysten damit, dass die Weizenvorräte höher ausfallen werden, als bisher geschätzt.

Auch vom Maismarkt gibt es keine positiven Signale. Analysten erwarten, dass das amerikanische Landwirtschaftsministerium die Maiserträge weltweit anhebt, was den Marktpreis schon vorab dämpft. Hinzu kommen enttäuschende US-Maisexporte. Seit Saisonbeginn haben die USA etwa 32 Prozent weniger Mais exportiert, als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Grund: der starke US-Dollar. Davon profitieren südamerikanische Erzeuger. Der billige brasilianische Real hat sogar kürzlich zu einer Lieferung von brasilianischem Mais in die USA geführt.

Nahezu zeitgleich wurden von der EU-Kommission die Erwartungen an die europäische Maisernte 2015 weiter zurück genommen. Die gesamte Maisernte in der EU wird jetzt auf 57,4 Mio. t reduziert. Dazu haben verminderte Anbauflächen von insgesamt 6 Prozent sowie Hitze und Trockenheit des letzten Sommers beigetragen. Besonders gebeutelt von dieser Situation ist Frankreich. Hier fiel die Ernte um 5 Mio. t unter dem Vorjahr aus. Analysten vermuten, dass die Maisimporte in die EU in Folge zunehmen und die Verfütterung von Weizen in diesem Jahr steigt. Preiszuwächse sind vor diesem Hintergrund in der EU beim Mais nicht zu erwarten. 

Der gesamte Ölsaatenkomplex hat sich gestern ebenso mit negativen Vorzeichen aus dem Handel verabschiedet. Marktbeobachter schätzen, dass das amerikanische Landwirtschaftsministerium sich heute mit einer erhöhten Sojabohnenernteschätzung für die kommende Saison zu Wort meldet. Das hat auch die Rapsnotierungen gewaltig unter Druck gebracht. Für Februar ist Raps an der Pariser Matif (Euronext) mit 375,50 €/t aus dem Rennen gegangen. Die neue Ernte wird sogar noch 15 €/t billiger bewertet. Das könnte eine Reaktion auf die Schätzung des Internationalen Getreiderates (IGC) sein, der die Vegetationsbedingungen für Raps derzeit als sehr positiv bewertet. Schwache Vorgaben des Leitmarktes Bohne, die Währung und gute prognostizierte Ernte hüben wie drüben lassen nur eine Richtung der Börsenpreise zu. 

Handelsbeteiligte bewerten die roten Zahlen jedoch als überzogenen Vorgriff auf die heutige US-Schätzung. Genauere Fakten gibt es heute Abend. 

Zur kommenden Saison soll die EU-Rapsanbaufläche im Übrigen auf dem verminderten Niveau des Vorjahres bleiben. In Großbritannien haben Erzeuger auf das Anbauverbot von neonikotinoid gebeiztem Saatgut reagiert. In der Ukraine waren die Aussaatbedingungen ungünstig. 

Der Kassamarkt tritt in Abbetracht der Börsenpreisentwicklung auf der Stelle. B-Weizen notiert franko (angeliefert) Hamburg und an der Rheinschiene mit rd. 182 €/t auf dem Niveau der Pariser Börse. A-Weizen ist in Hamburg etwa 5 €/t teurer als B-Weizen. Franko Würzburg notiert A-Weizen zu Wochenbeginn bei 177 €/t. Futterweizen wird franko Südoldenburg und Westfalen mit 182 €/t beboten. In Mitteldeutschland kostet A-Weizen 160 €/t ab Station. 

Das Licht am Ende des Tunnels lässt für die Erzeugerpreise weiterhin auf sich warten. Dass sich diese Situation vor Weihnachten noch einmal ändert, halten Marktbeteiligte für unwahrscheinlich.

Brigitte Braun-Michels