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Volle Fahrt voraus an den Börsen

Markt und Meinungen
28.04.2014

Ukraine und Wettermärkte stützen internationale Notierungen/ Handel vor Ort ist sehr zurückhaltend

Die Preise für Getreide und Ölsaaten werden an den Börsen technisch, politisch und wetterbedingt „in Schach gehalten“. Während sich die Getreidepreise in Chicago und Paris weiter in einem stabilen Umfeld bewegen, haben die Rapskurse alter Ernte in Paris vor Ostern Luft geholt. Am Kassamarkt wird die Kursrallye nicht nachvollzogen. Die Marktteilnehmer bleiben zurückhaltend.

Preisstützend wirkt sich nach wie vor der Konflikt in der Ukraine aus. Befürchtete Lieferausfälle, immerhin stellen Russland und die Ukraine zusammen 20 Prozent der weltweiten Weizenexporte, geben den Weizenpreisen an der Börse CBOT (Chicago) Auftrieb. Für die kommende Aussaat in der Ukraine wird zudem befürchtet, dass keine ausreichenden Betriebsmittel zur Verfügung stehen. Dafür brauchen die Landwirte Kredite, die aktuell von den Banken nicht ausgegeben werden. Auch für die Aussaat von Mais steht kein Geld zur Verfügung. Internationale Marktbeobachter vermuten nun, dass die Erzeuger vor Ort auf Sommergerste zur Aussaat zurückgreifen, die noch auf den Höfen gelagert wird.

Aus Richtung USA hilft der Wettermarkt den Kursen. Der Regen in wichtigen US-Anbaugebieten für Weizen fiel wesentlich geringer aus als erwartet und hat sich sozusagen als „Tropfen auf den heißen Stein“ erwiesen. Nach wie vor bleibt es zu trocken und Veränderung, sprich Regen, ist in den nächsten Tagen nicht in Sicht.

Auch „statistisch“ gibt es Unterstützung für die Getreidenotierungen. Der internationale Getreiderat (IGC) hat in seiner aktuellen Bewertung von letzter Woche die Weizen- und Maisernten im Vergleich zur vorangegangenen Schätzung heruntergesetzt. Vor allem in den USA wird wegen der verzögerten Aussaat damit gerechnet, dass die Landwirte mehr Maisfläche auf Sojabohnen umstellen. Der globale Angebotsüberschuss bei Mais soll zur kommenden Saison auf 163 Mio. t schrumpfen (VJ 171 Mio. t).
Beim Weizen wird das weltweite Angebot um 3 Mio. t reduziert, davon alleine 1 Mio. t in den USA wegen mangelnder Feuchtigkeit. Die weltweiten Bestände schrumpfen von 190 Mio. t auf 187 Mio. t. Damit bleibt die weltweite Weizenversorgung auch für die kommende Saison gut.

Am Rapsmarkt wurden die Kurse für die alte Ernte an der Pariser Matif in der letzten Woche durch Technik unter Druck gesetzt. Der auslaufende Mai-Kontrakt, der dann in den Augusttermin „übergeht“, verlor erwartungsgemäß weiter an Fahrtwind. Die Kurse zur neuen Ernte (366,50 €/t Aug 14) profitierten von den aufstrebenden Sojanotierungen. Alte und neue Ernte differieren noch um rund 30 €/t an der Pariser Börse.
Der Leitmarkt für die Ölsaaten Soja startet auch zu Wochenbeginn mit deutlichen Kursgewinnen. Grund ist die angespannte US-Bilanz und die nach wie vor gute Nachfrage aus dem Inland.

Am Kassamarkt gibt es so gut wie keine Bewegung. Im Gegenteil, am Hamburger Markt wird B-Weizen mit Minusprämien von 4 €/t zu den Börsennotierungen gehandelt. Marktbeteiligte führen das auf fehlende neue Exportgeschäfte und mangelnde inländische Nachfrage der Verarbeiter zurück. Die neue Ernte wird beim Weizen (Basis November) mit Aufschlägen von bis zu 2,50 €/t beboten. Umgerechnet liegt B-Weizen angeliefert Hamburg damit bei knapp 209 €/t Nov. 2014.

In Deutschland gab es am Wochenende Niederschläge, die vor allem im Norden für Entspannung gesorgt haben. In Mitteldeutschland und im Süden fiel Regen sehr unterschiedlich, so dass es vereinzelt noch zu trocken geblieben ist. Im Süden wird B-Weizen zur neuen Ernte bei 180 €/t ab Station beboten. Vorerst scheint der Kassamarkt das aufstrebende Börsentreiben zu ignorieren.

Brigitte Braun-Michels