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Verschnaufpause im Schwächetrend

Markt und Meinungen
02.05.2016

Pariser Börse startet mit grünen Vorzeichen/ CBOT wegen Feiertag geschlossen

Die Börse startet freundlich in die neue Woche. Zuvor hatten „Mengenmeldungen“ die Agrarcommodities weiter unter Druck gebracht. Bewegung in die Preise dürften diese Woche Währungsschwankungen, geplante Begrenzungen am Röhölmarkt und das Wetter bringen.

Weil das US-Landwirtschaftsministerium vergangene Woche die weltweiten Weizenendbestände unerwartet heraufgesetzt hat, blieben die Börsennotierungen weiter unter einem ungünstigen Stern. Mit rund 239 Mio. t sind die Weizenvorräte auf einem Rekordniveau angelangt. Jedoch geben Analysten zu bedenken, dass die Bestandserhöhung in erster Linie auf China zurückzuführen ist. Das Reich der Mitte nimmt am weltweiten Weizenhandel nicht teil, weil die Vorräte „intern verfrühstückt“ werden. Die Auswirkung auf den Marktpreis an der internationalen Börse (CBOT) hielt sich deshalb in Grenzen. Preismindernd hat sich aber der erneute Exportrückgang von US-Weizen ausgewirkt. Der ist den Ausfuhrmengen der Konkurrenten Kanada und Argentinien geschuldet. 

Beim Mais bleiben Preisimpulse aus, weil die Ernten in Südamerika die bisherigen guten Prognosen noch übertreffen. Die Kurse an der europäischen Matif (Euronext) leiden unter dem Exportkonkurrenten Schwarzmeer, der nach wie vor billige Ware auf den Markt bringt. Laut letztem Exportbericht der EU-Kommission bleiben die Weizenausfuhren bis zum 9. Februar um 2 Mio. t hinter dem exportstarken Vorjahr zurück. 

Die Mutterkornnulltoleranz führt dazu, dass Ägypten Weizen mit über 170 €/t einkaufen muss. Algerien kauft „normalen“ Weizen mit einem Mutterkornanteil von höchstens 0,05 % für 159 €/t am internationalen Markt ein. 

Am Wochenende haben ein festerer Rohölkurs und der geschwächte Euro den Weizennotierungen an der Euronext, unabhängig von den roten Vorzeichen des Leitmarktes in Chicago, leicht auf die Sprünge geholfen.

Gerüchte, dass die Opec sich nun doch auf Produktionskürzungen verständigt hat, ließen die Rohölkurse am Wochenende in die Höhe schnellen. Gleichzeitig werden in den USA Ölbohrungen stillgelegt. Dass die Rohölpreise unter der Rentabilitätsschwelle liegen, zeigt jetzt Auswirkungen. Markbeobachter sehen noch keinen nachhaltigen Preisaufschwung, aber immerhin scheint der Preisboden mit 30 USDollar je Barrel für die Rohölmarke Brent erreicht zu sein. Dem Rapsmarkt geben diese Meldungen Aufwind.

Auf der anderen Seite bleibt es bei anhaltend hohen Erntememengen für die Sojabohne aus Südamerika, was die Preise für Ölsaaten deckelt. Die Meldung sinkender Sojabohnenimporte in Reich der Mitte tut das ihrige. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Sojabohnenausfuhren von den USA Richtung China um 14 Prozent zurück gegangen. Hinzu kommt die jahreszeitlich bedingte schwächere Nachfrage aus China.

Heute ist Feiertag in den USA und die Börsen bleiben geschlossen. Morgen wird sich zeigen, wie die internationale Börse auf die unterschiedlichen Impulse reagiert. In Paris haben sich die Weizenkurse auf 157 €/t März 16 erholt. Die neue Ernte liegt bei rund 170 €/t. Die Rapsnotierungen schwanken um 355 €/t. 

Am Kassamarkt hält der geringe Handel an. Marktbeteiligte, vor allem die Verkäufer, vermuten, dass das Preistief erreicht ist und warten auf Impulse. Praktiker schätzen, dass sich die Getreidepreise leicht stabilisieren und an der Pariser Matif auf Niveaus zwischen 170 und 180 €/t gehandelt werden. Für großen Optimismus gibt es nach wie vor keine Anzeichen.

Brigitte Braun-Michels