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USDA bestätigt Rekordernte

Markt und Meinungen
17.09.2014

Weltweite Produktionszahlen durch die Bank angehoben/ Börsenkurse für Agrarcommodities im Abwärtstrend/ Lichtlein am Horizont für Vermarktung nutzen

Die Spatzen pfiffen es schon im Vorfeld von den Dächern: die September-Schätzung aus dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA-Bericht) hat die weltweiten Weizen-, Mais- und Sojaernten auf neue Rekordwerte gehoben. Das Ministerium bestätigte, so Analysten, was im Vorfeld ohnehin schon jedem klar, aber noch nicht vollständig eingepreist war. Die Notierungen an den Börsen müssen jetzt erneut Abschläge hinnehmen.

Weltweit soll die Weizenernte auf 720 Mio. t steigen (Vormonat 716 Mio. t). Die globalen Weizenbestände wachsen auf 196 Mio. t. Das sind 10 Mio. t mehr, als noch vor einem Jahr. Nur die Gerste zeigt in der weltweiten Bilanz ein Defizit auf und schrumpft mit rd. 145 Mio. t etwa 6 Prozent zum Vorjahr.

Die Maisernte steigt ebenso weiter nach oben, was nach den optimalen Auswuchsbedingungen auch nicht anders zu erwarten war. Mit jetzt 988 Mio. t wird die größte jemals eingebrachte Maisernte erreicht. Da auch der Verbrauch in Rekordhöhe steigt, nehmen die Bestände nur leicht zu auf 190 Mio. t (Augustschätzung 188 Mio. t). Das ist dennoch der höchste Stand seit 15 Jahren.

Die Sojabohnenernte wächst weltweit um 6 Mio. t auf 311 Mio. t an. Die neue Ernte übertrifft den Verbrauch um rd. 26 Mio. t. Die Bestände wachsen auf die Rekordmarke von 90 Mio. t.

Die Talfahrt der Preise ist bei solchen "Zuwächsen" vorprogrammiert, zumal laufend Nachschub geliefert wird. In der EU zeichnet sich die größte Maisernte seit dem Rekordjahr 2011 ab. Mit von der EU-Kommission geschätzten 73,4 Mio. t Körnermais wird das Superjahr 2011 um rd. 5 Mio. t übertroffen. Hinzu kommen, das zumindest befürchten Marktteilnehmer, billige Importe, weil Mais und Futterweizen weltweit günstig zu haben sind. Während Mais an der Pariser Matif (Euronext) im Frühjahr (April 2014) noch um 192 €/t notierte, wird zu Beginn dieser Woche die Marke von 140 €/t unterschritten. Weizen hat seit Mai mit 161,50 €/t (Nov. 14) rd. 45 €/t verloren. Die Rapssaatpreise, die den Sojanotierungen "hörig" sind, verzeichneten Anfang April 2014 mit 409 €/t ihren Höchststand und liegen für November diesen Jahres heute bei 320,50 €/t.

Rein charttechnisch betrachtet, befinden sich alle Produkte weiter im Abwärtstrend. Wo die Negativspirale aufhört, bleibt offen, betonen auch Analysten der Firma H. Jürgen Kiefer GmbH. Vor der Veröffentlichung der US-Zahlen war kein Handel zu verzeichnen, berichten Händler am Kassamarkt. Und jetzt ist auch kein Erzeuger bereit, Ware abzugeben. In Mitteldeutschland wird B-Weizen um 145 €/t und A(13)-Weizen um 160 €/t frei Erfasser beboten. E-Weizen (Akteur) ist bei Proteingehalten zwischen 14 und 14,5 Prozent um 200 €/t über den Tisch gegangen. Auch diese Preise scheinen mit Beginn der bearischen (negativen) Woche zu wackeln.

Die Reaktion der Landwirte: Verkaufszurückhaltung. Bisher ist diese Rechnung nicht aufgegangen und es zeichnet sich keine Bodenbildung für die Preise ab. Auf der anderen Seite scheinen die Weizenexporte aus der EU auf Hochtouren zu laufen. Händler, wie Verarbeiter dürften bald händeringend Ware suchen. Das könnte kurzfristig für Auftrieb sorgen. In den Himmel wachsen werden die Notierungen aufgrund der oben genannten Vorgaben nicht. Jetzt heißt es, den Markt intensiv beobachten und jedes kleine Lichtlein am Ende des Tunnels immer wieder für Teilverkäufe zu nutzen. Qualitätsweizenpreisaufschläge, welche durch schlechte Qualitäten in Frankreich verstärkt werden könnten, sollten auf jeden Fall für Teilverkäufe genutzt werden.

Brigitte Braun-Michels