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US-Weizenpreise ziehen wieder an

Markt und Meinungen
25.03.2015

Wetter und Währung stützen Kurse in Chicago/ Europäische Börsen machen beim Weizen Verschnaufpause

Der Markt für die Agrarcommodities bleibt durch die Bank positiv gestimmt. Letzte Woche sind sowohl die Preise für Weizen und Mais, wie auch für die Ölsaaten gestiegen. Zu Beginn dieser Woche laufen, zumindest in Chicago (CBOT), die Kurse im grünen Bereich.

In den USA haben die Börsenpreise Ende letzter Woche einen Aufschwung vom schwächeren US-Dollar erhalten. Außerdem unterstützt die anhaltende Trockenheit in wichtigen US-Anbaugebieten die Preise. Das Analystenhaus Informa Economics hat die US-Erntefläche 2015 für Mais und Soja leicht nach unten korrigiert. Dennoch wird die Sojabohnenernte zur kommenden Saison erneut höher eingeschätzt als zur Ernte 2014. In der nächsten Woche veröffentlicht das US-Ministerium die Ergebnisse einer Befragung von über 80.000 Betriebsleitern aus allen wichtigen US-Anbauregionen. Dann dürften die Anbauaussagen für die kommende Saison konkreter werden.

An der Matif (Euronext) in Paris bewegen sich die B-Weizen-Notierungen kontinuierlich auf die Marke von 200 €/t zu. Zu Beginn dieser Woche zeichnet sich eine kleine Verschnaufpause ab. Die Weizenpreise bleiben exportgetrieben. Vorerst gibt es für sinkende Kurse keine Anzeichen. Die Exporte werden am Ende des Wirtschaftsjahres über den Ausfuhren von 2014 liegen, sind sich Marktbeteiligte sicher. In der Folge sinken die ohnehin knappen Weizenendbestände in Europa weiter. Außerdem wird vermutet, dass die Verarbeiter bis zum Beginn der neuen Ernte noch Anschlussbedarf haben. Mühlen dürften auf neue Mehlkontrakte warten.

Vor diesem Hintergrund bleiben Erzeuger und Händler, die noch über freie Ware verfügen, mit ihrem Angebot zurückhaltend. Es stellt sich die Frage, wie viel Getreide aus der alten Ernte überhaupt noch zur Verfügung steht. Seit Weihnachten liegen die Preise in Europa auf vergleichsweise hohem Niveau. In dieser Situation haben Erzeuger kontinuierlich verkauft, spekulieren Makler. Jedoch möchte sich keiner bezüglich der Höhe der Bestände „aus dem Fenster lehnen“.

Die neue Ernte zeigt ebenso stabile Vorzeichen. Vermarkter, sprich Erzeuger, halten sich deshalb mit dem Verkauf und Kontrakten im Vergleich zu anderen Jahren mehr als zurück. Die Preissicherheit könnte allerdings trügen. Weil der Weizenexport der Amerikaner in dieser Saison und auch in der vergangenen unter den üblichen Werten liegt, haben sich Bestände aufgebaut. Internationale Händler vermuten, dass diese, sobald die US-Weizenpreise wieder attraktiver sind, abgebaut werden. Dann geht von der Leitbörse in den USA Preisdruck aus, dem sich auch die Europäer nicht entziehen können.

Am Kassamarkt wandert Weizen zum größten Teil in den Export Richtung Häfen. Mühlen an der Rheinschiene fragen vereinzelt A- und E-Weizen nach. Das Preisniveau liegt für A13 Weizen zwischen 215 bis 219 €/t franko (angeliefert) Rheinschiene. E-Weizen wird, je nach Qualität, für 230 bis 250 €/t franko abgerufen. Futterweizen bewegt sich franko Holland knapp unter 190 €/t und franko Südoldenburg etwas über 190 €/t. Futtergerste wird 10 bis 15 €/t billiger gehandelt. Mais kostet franko Südoldenburg knapp 180 €/t. 

Sollte der Euro weiterhin billig bleiben, dürfte das der stärkste Einflussfaktor für stabile Preise bleiben. Weiter auf eine für die Vermarktung von Getreide vorteilhafte Währungsrelation zu hoffen, bleibt allerdings ein hoher Risikofaktor. Durch einen Streich der Politik kann die Situation schnell verändert werden. Vorsichtige Kontrakte zur Ernte 2015 abzuschließen ist momentan eine Strategie zur Risikoabsicherung.

Brigitte Braun-Michels