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Stabiler Preistrend beim Weizen

Markt und Meinungen
26.11.2012

EU-Exporte stützen festes Niveau / Ukrainische Ausfuhren dürften erschöpft sein

Zum Wochenende haben die Börsen in Chicago (CBOT) einen freundlichen Kurs eingeschlagen. Die Weizennotierungen profitierten dabei von den schwarzen Zahlen aus dem Mais- und Sojakomplex. Gute wöchentliche US-Exporte tun das ihrige. Während die Weizennotierungen an der Börse in den USA seit November eine leichte Abwärtsbewegung markieren, folgen die Kurse an der Pariser Matif (Nyse, Euronext) seit August einem stabilen Seitwärtstrend.

Erinnern wir uns: Im Sommer 2012 zerstörten Rekordtemperaturen einen großen Teil der Weizen- und Maisernte im mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Beim Mais wurde eine große Ernte mit Überschüssen von 30 Mio. t erwartet. Nun ist daraus ein Minus von 15 Mio. t geworden. In Folge stieg der Maispreis in diesem Sommer um 65 Prozent. Auch Weizen stieg von 6,50 USDollar/bu (bushel), im Mai auf Spitzenwerte von 9,50 USDollar/bu. Aktuell bewegen sich die Weizennotierungen um 8,50 USDollar/bu und damit immer noch auf einem ansehnlichen Niveau.

Auch auf der Südhalbkugel zeichnen sich keine Rekordergebnisse beim Weizen ab. In Australien, wo die Ernte seit rd. drei Wochen läuft, sorgen Trockenheit und geringere Anbauflächen für eine geschätzte Gesamtweizenernte von 22 Mio. t (Vorjahr 30 Mio. t). Während Australien noch im vergangenen Jahr mit knapp 25 Mio. t Weizenexporten knapp hinter den USA rangierte, schmelzen diese jetzt auf rd. 17 Mio. t ab. Auch für Argentinien gehen internationale Handelshäuser von einer niedrigen Weizenernte aus. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium schätzt, dass Argentiniens Weizenexporte 2012/13 mit 5,5 Mio. t mehr als 50 Prozent unter dem Vorjahr liegen werden.

Aus Russland belaufen sich die geschätzten Weizenexporte auf 10 Mio. t (Vorjahr knapp 22 Mio. t). Für die Ukraine wurde jetzt auf informeller Basis bekannt, dass man zu einer Aussetzung der Exporte bereit sei.

Das sind gute Nachrichten für den europäischen Handel. Während die EU normalerweise beim Weizenexport mit der Schwarzmeerregion konkurriert, steigen die Exporte im Vergleich zur letzten Saison nochmals um 1 Mio. t auf 17,5 Mio. t an. Die ohnehin knappen Endbestände werden nun weiter abgebaut auf das Niedrigstniveau von 9,2 Mio. t. International tätige Handelshäuser bestätigen, dass die europäische Mischfutterindustrie jetzt anfängt, die hohen Preise zu akzeptieren und verstärkt Weizen nachfragt. Auch EU-Mais dürfte als billigere Variante zum Weizen vermehrten Einsatz in den Futtermischungen finden. Kein Wunder, das seit Juli diesen Jahres die Kurse für Weizen an der Pariser Matif konstant im Horizont zwischen 250 und 270 €/t notieren.

Am deutschen Kassamarkt werden vor diesem Hintergrund die Aussichten für die Weizenpreise ebenso stabil bewertet. Während Mischer am Markt als kontinuierliche Nachfrager auftreten, signalisieren Mühlen spätestens zu Jahresbeginn Anschlussbedarf. Dabei dürfte allen Beteiligten klar sein, dass dafür tief in die Tasche gegriffen werden muss.

Erzeuger, die Ware aus der letzten Ernte lagern, können ohne große Ängste in den nächsten Wochen das Vermarktungsgeschehen beobachten. Vorerst zeichnet sich ab, dass der Bedarf am Markt weiter anhält, was für stabile bis steigende Preise sorgen dürfte. Doch Vorsicht, wenn im nächsten Jahr auf der Südhalbkugel eine große Maisernte eingefahren wird, muss der gesamte Getreidekomplex Federn lassen.

 

Brigitte Braun-Michels