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Sojabohne kommt unter die Räder

Markt und Meinungen
07.10.2013

Saisonales Tief hält an / Aussaat auf der Südhalbkugel stellt neue Weichen

Die amerikanische Haushaltssperre hält den sechsten Tag an und geht auch am US-Landwirtschaftsministerium nicht vorbei. Die Internetseite des Agrarministeriums ist blockiert, wöchentliche Crop Ratings und Exportzahlen bleiben aus. Ob der für Freitag, 11. Oktober 2013, avisierte USDA-Bericht erscheint, steht in den Sternen. Eigentlich haben Marktteilnehmer gespannt auf diesen Bericht gewartet, weil die letzte September-Schätzung lediglich Prognosen für die US-Sojabohnenernte liefern konnte. Mit Anlaufen der Ernte wären die Zahlen des Oktoberberichtes sehr viel präziser gewesen.

Am internationalen Markt bleiben die Vorzeichen durch hohe Ernten getrübt. In Europa und Kanada sind große Weizen- und zum Teil schon Maisernten vom Halm gekommen. Auch die US-Maisernte liegt, laut aktuellen Erntemeldungen, auf dem vorhergesagten Rekordniveau. Laut der Prognose privater Analysehäuser, wie Informa, liegt die diesjährige US-Sojabohnenernte mit 86,4 Mio. t höher als im Vorjahr, aber nur leicht über der Septemberschätzung aus dem US-Ministerium (85,71 Mio. t).

Trotz der Spitzenerträge bleibt die Versorgungslage mit Bohnen in den USA knapp. Das liegt an der hohen Sojabohnenverarbeitung und anhaltend hohen Exporten. Die US-amerikanischen Endbestände an Bohnen wachsen deshalb nur um 25 Mio. bushel (Scheffel) gegenüber dem Vorjahr an. Analysten aus dem Hamburger Handelshaus Töpfer beschreiben die Situation auf dem internationalen Sojabohnenmarkt nicht viel entspannter als in der vergangenen Saison. Zwar haben in diesem Jahr Brasilien und Argentinien riesige Ernten vorgelegt. Anhaltend hohe Sojabohnenexporte lassen aber auch hier die Bestände auf ein Minimum schrumpfen. Um die anhaltend hohe Nachfrage nach Bohnen zu befriedigen, müssen auch 2014 auf der Südhalbkugel wieder Spitzenerträge eingefahren werden. Einzige zusätzliche Entlastung in der globalen Ölsaatenbilanz bieten die deutlich entspannten Bilanzen beim Raps und der Sonnenblumensaat.

Dass die Bohne weiter unter Druck steht, wird in erster Linie auf saisonale Gründe, sprich die laufende US-Ernte, zurückgeführt. Trotz aller Knappheit hat sich die Sojabohne mit Beginn der US-Ernte auf das kritische Niveau von 12,80 $ heruntergewirtschaftet. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob diese Untergrenze hält, erklären Analysten der Firma Kiefer. Neben der laufenden US-Ernte wird die Flächenplanung auf der Südhalbkugel zu Beginn 2014 sowie die dann herrschenden Witterungsbedingungen über den weiteren Preisverlauf entscheiden.

In Europa (Nyse/Euronext) pendeln die Rapskurse weiterhin auf dem Niveau zwischen 360 und 370 €/t. Der Handel findet nur verhalten statt. Ob es hier weitere Impulse gibt, bleibt vom Preisverlauf der Bohne abhängig. Sollte die Sojabohne das Saisonpreistief auf dem Niveau von 12,80 $ überstehen, leiten Analysten daraus ein mögliches Aufwärtspotenzial ab.

Neue Impulse am Ölsaatenmarkt sind mit Blick auf die Südhalbkugel erst zu Beginn des kommenden Jahres zu erwarten. Erzeuger, die noch mit alter Ware spekulieren und ihre Liquidität gesichert haben, können dieses Warterisiko eingehen. Auch mit Blickrichtung auf die Rapsvermarktung 2014 wird die Südhalbkugel wichtige Weichen stellen. Sollte der Markt neue Impulse erhalten, kann über den Verkauf erster Teilmengen durchaus nachgedacht werden.

Brigitte Braun-Michels