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Selbst Karneval hellt den Preishimmel nicht auf

Markt und Meinungen
30.03.2016

Weizen war zuletzt im September 2015 so günstig

Wie sich die Kulturen und die Agrarpreise in den kommenden Monaten entwickeln, beschäftigt Landwirte und Handelsbeteiligte bei der herrschenden Preisflaute mehr denn je. Der größte Unsicherheitsfaktor ist das Wetter, doch auch rückläufige US-Exporte und die ungewisse Nachfrage Chinas beeinflussen die Stimmung.

Am Rosenmontag stehen an vielen deutschen Handelsplätzen die Telefone still, weil Karneval gefeiert wird. Auch anderswo hält sich der Aktionsdrang in Grenzen. Der negative Kurstrend an den Börsen in Chicago (CBOT) und Paris (Euronext) kann zu Wochenbeginn nicht gestoppt werden.

Wenigstens der schwache US-Dollar müsste den US-Weizenexporten und damit den Preisen an der US-Börse CBOT Flügel verleihen. Das Gegenteil ist aber der Fall: Die US-Exporte haben bei Weizen letzte Woche den niedrigsten Wert der gesamten Saison erreicht. Folglich sinken die Preise munter weiter und befinden sich mit rund 470 ct/bu (etwa 150 €/t) auf einem niedrigen Niveau wie zuletzt im September 2015. Die weltweit zum dritten Mal in Folge sehr hohe Ernte von 2015 sollte eigentlich durch anhaltende Exporte verfrühstückt werden. Das scheint sich nicht zu bewahrheiten. Vor allem bei der weltweit einfuhrfreudigsten Nation China steht die Nachfrage auf wackeligen Füßen. Weltweit wachsen die Lagerbestände munter weiter.

Bisher sehen global die Vorzeichen für eine hohe Ernte 2016 gut aus. Beim Mais und der Bohne ist der Trend ähnlich.

Übergang zum Frühjahr entscheidend für die Marktlage

In Deutschland sind die Winterkulturen bisher größtenteils gut ins neue Jahr gestartet. Nur in Mecklenburg-Vorpommern wurden vereinzelt Auswinterungsschäden beobachtet, wie Analysten von ADM Deutschland berichten. Ob sich der Winter so unbemerkt davon schleicht, bleibt abzuwarten. Fröste von Februar bis April können den Kulturen im nördlichen Europa noch stark zusetzen, vor allem wenn eine schützende Schneedecke fehlt.

Bleibt der Winter aus oder kommt es noch zu Frostschäden auf der Nordhalbkugel? Wird das Frühjahr trocken und sind dann die Wasserreserven erschöpft? Wie fällt die Ernte in Südamerika tatsächlich aus und was wird in welchem Umfang auf der Nordhalbkugel angebaut? Und schließlich: Wie lange reichen die Vorräte aus, wenn die Ernte weltweit schlechter ausfällt?
 

Durchschnittszahlen in China, Dürre in Südafrika

Nach bisherigen Schätzungen werden die globalen Endbestände bei Mais und Weizen auf das höchste Niveau aller Zeiten steigen. Analysten weisen aber zu Recht darauf hin, dass sich 44 Prozent der weltweiten Lagerbestände in China befinden. Diese Mengen stehen dem Markt gewöhnlich nicht zur Verfügung. Ohne China liegen die weltweiten Endbestände bei rund 16 Prozent. Das entspricht einem durchschnittlichen Wert. Insgesamt zeichnen sich aber dennoch keine Mangelzustände beim Getreide ab. Lediglich in Südafrika ist die Situation schwierig. Hier hat eine extreme Dürre dazu geführt, dass rund 25 Prozent weniger Mais ausgesät werden konnte. Der Importbedarf dürfte hier in den nächsten Monaten stark steigen. Das wird die Maisbilanz nicht nachhaltig belasten, könnte aber ein Puzzlesteinchen sein, dem weitere folgen.

Bei den Ölsaaten wird neben der Ernte in Südamerika die Anbauentscheidung der Landwirte in Nordamerika in den kommenden Wochen wieder in den Fokus rücken. Außerdem wird der Sojabohnenanbau in der EU ausgedehnt, weil die Sojabohne auf den Greeningflächen als stickstoffbindende Pflanze angerechnet wird. Vorerst wird damit die Bilanz aber nur am Rande „beeinträchtigt“.

Unterm Strich sind die Bilanzen bei Mais und Soja so komfortabel, dass beispielsweise nur eine ausgedehnte Dürre in den USA das Bild nachhaltig verändern könnte. Beim Weizen spricht der weltweit rückläufige Anbaurückgang schon jetzt für eine knappere Versorgung.

 

Brigitte Braun-Michels