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Schwacher Euro beflügelt Exporte

21.01.2015

EU-Weizenausfuhren über Rekordwerten des Vorjahres/ Raps schwimmt sich von der Bohne frei

Wegen des Martin-Luther-King Day blieben die amerikanischen Börsen am Wochenbeginn geschlossen. In Paris gab es auch nur kleine Bewegungen. Beim Weizen stabilisieren anhaltende EU-Exporte die Kurse an der Euronext. Raps behauptet sich in Paris, trotz negativer Vorgaben von der US-Bohne. 

Nachdem die Weizennotierungen im Dezember vergangenen Jahres die Marke von 200 €/t in Paris nach oben durchbrochen hatten, schien der Aufwärtstrend zunächst gebrochen. Jetzt kommen robuste Exportgeschäfte erneut ins Spiel. Der jüngste Weizentender Richtung Ägypten wurde ausschließlich aus Frankreich beliefert. Grund: Die Schwäche des Euros macht EU-Weizen am internationalen Markt mehr als attraktiv. Die EU-Weizenexporte haben jetzt sogar die Rekordmenge der Vorsaison zum gleichen Zeitraum leicht überschritten. Das Analysehaus Strategie Grains schätzt die EU-Exporte der gesamten diesjährigen Saison auf die Rekordmenge von 29,3 Mio. t. Die Bestände sollen auf 16,8 Mio. t fallen. Insgesamt sprechen Handelsbeteiligte dennoch von einer komfortablen Versorgungssituation. In Deutschland wurde die Winterweizenfläche gegenüber dem Vorjahr um 110.000 Hektar ausgedehnt. Insgesamt werden 3,25 Mio. Hektar angebaut. Damit liegt die Fläche noch über dem Rekordjahr von 2010. 

Beim US-Weizen ist die Lage genau umgekehrt. Der starke Dollar führt dazu, dass Weizen in Chicago rund 20 Prozent vom Preis des Vormonats verloren hat. Für institutionelle Anleger bleibt die weltweit gute Versorgungslage mit Weizen im Fokus. Eine Erhöhung der Netto-Short-Positionen deutet eine eher negative Marktstimmung an.

In Russland bleiben die Weizenpreise unter Druck. Im Januar sollen noch 1,5 Mio. t Weizen aus Russland ausgeführt werden. Ab 1. Februar wird der Exportzoll von 35 €/t eingeführt. Ziel der Exportbeschränkung soll das Auffüllen der russischen Getreidereserven auf 3,5 Mio. t sein. Insgesamt will Russland in diesem Jahr 18,5 Mio. t Weizen exportieren. Bis jetzt sind bereits 16,85 Mio. t Ausfuhren aus Russland gelaufen.

Bei der Sojabohne sorgt die reichliche Versorgungslage vorerst für instabile Preise. Die Rapskurse lassen sich davon derzeit nicht beeinflussen. Analysten der Commerzbank rechnen in dieser Saison sogar mit steigenden Rapspreisen, weil die Rapsproduktion schrumpft. Das Analysehaus Oil World schätzt für 2015/16 eine um 15 Prozent verminderte Rapsproduktion in der EU (20,5 Mio. t). Neben einer geringeren Anbaufläche wird auch weniger Ertrag prognostiziert. Das Verbot bestimmter Insektizide könnte zu vermehrten Pflanzenschäden führen. In Kanada ist erstmals eine bisher nicht bekannte Rapskrankheit aufgetreten, deren Ertragsauswirkungen ebenso wenig abzuschätzen sind. In der Ukraine wird die Trockenheit vor der Winterruhe der Rapspflanzen als Indikator für geringere Erträge vermutet.

Am Kassamarkt bleiben Verkäufer wie Käufer nach dem Jahreswechsel verhalten. A13 Weizen notiert franko (fko, angeliefert) Hamburg bei 220 €/t, fko Oberrhein bei 195 €/t, fko Rheinland um 217 €/t und fko Würzburg bei 183 €/t. B-Weizen ist rund 15 €/t billiger. E-Weizen wird ab Thüringen mit 212 €/t beziffert. Raps wird fko Ölmühle für Januar um 360 €/t bewertet, mit Aufschlägen von 3 bis 5 €/t. Die neue Ernte ist 5 €/t billiger.

Schenkt man den Spekulationen der Analysten Glauben, stehen die Weizenpreise mittelfristig auf wackeligen Füßen, während Raps noch Aufwärtspotenzial hat. Erzeuger, die sich nach wie vor noch bei der Weizenvermarktung zurückgehalten haben, sind schlecht beraten, das weiterhin zu tun. Rapsvermarkter sollten die Kurse genau beobachten und schnell reagieren, wenn die Bohne wieder mehr Einfluss auf die Rapspreise nimmt. Südamerikas Bombenernte steht schließlich vor der Tür.

Brigitte Braun-Michels