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Saison startet mit Preisralley

Markt und Meinungen
03.07.2015

Hauptexporteure ernten vermutlich weniger / Weizen touchiert in Paris die 200 €-Marke, Raps greift 400 €/t an

Kurz vor Erntestart erhalten die Notierungen für Getreide und Co kräftig Auftrieb. Wetter und verminderte Ertragsprognosen helfen den Preisen in Chicago und Paris weiter auf die Sprünge.

Seit Mitte letzter Woche explodieren die Weizenkurse an der Leitbörse in Chicago (CBOT) regelrecht und notieren auf einem Niveau, welches zuletzt vor über 5 Monaten erreicht wurde. Grund sind die schlechten Wetterbedingungen in den USA, dem weltweit zweitgrößten Getreideexporteur. Die anhaltende Nässe in wichtigen US-Getreideanbaugebieten dürfte zumindest zu Ernteverzögerungen beitragen. Für den größten Getreideexporteur der Welt, die EU und Kanada, Nummer drei auf der Exporteurriege, werden weiterhin zu heiße Bedingungen und damit verminderte Erträge vorhergesagt. Australien, Nummer vier der Exporteure, könnte vom El Nino-Phänomen betroffen werden. Analysten vermuten, dass die australische Ernte durch dieses Wetterphänomen auf ein Acht-Jahrestief fallen könnte. Russlands erneutes Exportembargo steht in den Sternen und in der Ukraine sorgen anhaltende politische Unruhen für Unsicherheit über den Export. So, wie es jetzt aussieht, sind alle wichtigen Weizenexporteure zur kommenden Saison „geschwächt“.

Der europäische Getreidehandelsverband (Coceral) hat Ende letzter Woche die EU-Getreideernte noch einmal nach unten revidiert und damit dem trockenen Wetter in wichtigen europäischen Weizenanbauregionen Rechnung getragen. Das gesamte europäische Getreideaufkommen soll sich nun auf knapp 310 Mio. t belaufen. Das sind 6,7 Prozent weniger, als zur letzten Ernte. Die Weichweizenernte soll auf 141 Mio. t, das entspricht einem Minus von rund 6 Prozent, zurückgehen. Besonders stark dürfte der Rückgang beim Körnermais mit knapp 69 Mio. t (minus 12 Prozent) ausfallen. Hier war es nach der Aussaat zu lange zu trocken, was den Kulturen zugesetzt hat. Die Gerstenproduktion wird mit einem Minus von 3,5 Prozent eingeschätzt und die EU-Roggenernte sinkt den Erhebungen zufolge um 4,3 Prozent. Die Rapsproduktion soll durch einen verminderten Anbauumfang und nun auch noch trockenheitsbedingt um 11,2 Prozent auf 21,4 Mio. t zurück gehen. 

In Chicago scheinen die Anleger die Seiten gewechselt zu haben. Die Short-Positionen, deren Ausbau für eine negative Markteinschätzung spricht, sind gewaltig abgebaut und in Long-Positionen verwandelt worden. Analysten der Firma Kiefer gehen vor diesem Hintergrund davon aus, dass die Getreidepreise in dieser Saison in stabilem Fahrwasser schwimmen. Technische Rückschläge sind jedoch nicht ausgeschlossen. Immerhin haben sich die Matifnotierungen in den letzten 5 Tagen um über 15 €/t nach oben katapultiert. Jetzt wird wieder die Marke von 200 €/t angesteuert. Spätestens hier dürfte sich ein „technischer Widerstand“ einstellen. 

An den europäischen Börsen sind vor allem die Mühlen aktiv und decken sich jetzt mit Mehlgeschäft ein. Das dürfte auch am Kassamarkt für Nachfrage sorgen. Derzeit bleibt die Abgabebereitschaft der Erzeuger noch verhalten. Franco (angeliefert) Hamburg (HH), wird A13 Weizen zu Beginn dieser Woche für September mit 201 €/t notiert. Franko Mühle Rheinland und Westfalen liegen die Kurse zwischen 203 und 205 €/t. B-Weizen ist etwa 5 /t billiger. Gerste wird franko Holland, Südoldenburg und Westfalen für September um 177 /t besprochen. Ex Ernte wird 5 €/t weniger bezahlt. 

Die Rapsnotierungen ex Ernte liegen franko Ölmühle um 395 €/t mit Prämien von 2 bis 3 €/t. Für Jan. 2016 liegen die Kurse über 405 €/t mit Prämien von rd. 10 €/t. 

Kurz vor der Ernte spielt das Wetter den landwirtschaftlichen Erzeugern in die Tasche. Wer noch wenig Ware abgesichert hat, kann Preishochs erneut für Teilverträge nutzen.

Brigitte Braun-Michels