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Rote Zahlen weiter auf dem Vormarsch

Markt und Meinungen
22.09.2014

Weiter hoch gesetzte Erntemengen halten Preis in Schach/ Ende der Flaute nicht absehbar

Die Flaute bei der Preisentwicklung der Agrarrohstoffe hält unverändert an. "Schuld" an der Misere bleiben weltweite Mengenschätzungen, die unaufhaltsam nach oben gesetzt werden. Bullen, das heißt positiv eingestimmte Marktteilnehmer, sind derzeit nicht "aufzutreiben".

Sowohl in Chicago (CBOT) und in Paris (Nyse) blieben die Weizennotierungen bis zum Freitag tiefrot und sind auf den niedrigsten Stand seit Anfang Juli 2010 gefallen. Zuletzt hat der starke US-Dollar dafür gesorgt, dass die Preise für US-Weizen fallen mussten, um am internationalen Exportmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. Zu Beginn dieser Woche gibt es zumindest beim Weizen in Übersee eine kleine Verschnaufpause. Grund: In Australien startet in Kürze die Ernte. Insgesamt wird im Vergleich zum Vorjahr mit einer um 10 Prozent niedrigeren Weizenmenge gerechnet. Bei der Wintergerste wird sogar ein Minus von 21 Prozent vermutet.

Auf der anderen Seite bleibt es vor allem in der EU bei Höchsternten in dieser Saison. Die private Beratergruppe Strategie Grains schätzt die EU-Weizenernte jetzt auf das Spitzenergebnis von 146,6 Mio. t. Für die Ukraine hat das dortige Ministerium die Weizenernte auf 23,7 Mio. t "hochgepuscht". Mit diesen Zahlen wird der in der letzten Woche veröffentlichte Bericht aus dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA) getoppt.

Beim Mais bleiben die Europäischen Ernteerwartungen positiv, was den Kursen weiterhin negative Vorzeichen beschert.

Am stärksten werden zu Beginn dieser Woche die Sojabohnenkurse in Mitleidenschaft gezogen.Hervorragende Sojaerträge in den USA und die Ankündigung der Brasilianer, die Sojafläche weiter auszudehnen sind die Ursachen. Schätzungen verschiedener Agenturen zufolge wird die Sojabohnenernte im Wirtschaftsjahr 2014/15 den dritten Rekord in Folge aufstellen. Agro Consult beziffert Brasiliens Bohnenernte 2015 auf 95,01 Mio. t und die argentinische Ernte auf 56,6 Mio. t. In Brasilien wird Mitte September mit der Bohnenaussaat begonnen. Da die Wetteraussichten ungünstig waren, hat sich der Termin leicht nach hinten verschoben, was die Ernte ebenfalls nach hinten legt. Die Erträge bleiben davon unberührt.

Der gesamte Markt blickt pessimistisch in die Zukunft. Großanleger an den internationalen Börsen haben ihre Nettoshortpositionen weiter ausgebaut und machen damit ihre pessimistische Markteinschätzung deutlich. Am hiesigen Kassamarkt ist zu Beginn dieser Woche das Geschäft zum Erliegen gekommen. Handelsbeteiligte scheuen sich, überhaupt Preise zu nennen. Die Abgabebereitschaft liegt bei null Prozent.

"An den Börsen haben wir den tiefsten Stand der Notierungen noch nicht gesehen", mutmaßt ein Hamburger Makler zu Beginn dieser Woche. Auf der anderen Seite bleibt beim Weizen die Nachfrage für den Export hoch und auch die Verarbeiter brauchen Nachschub. Derzeit ist offen, wie hoch die Prämien für Weizen auf die Matif-Notierungen ausfallen.

In Paris behaupten sich die Weizennotierungen für den November nur noch knapp über der Marke von 150 €/t. Die Maiskurse haben 135 €/t von November 2014 nach unten durchbrochen. Beim Raps droht die Range von 310 €/t von November 14 nach unten durchbrochen zu werden.

Trotz hoher Erträge werden die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse der vergangenen Jahre von den Erzeugerbetrieben nicht erreicht, weil die Preise in Relation zu stark gefallen sind. Landwirte, die zum großen Teil ihre Ernte gehortet haben, müssen jetzt starke Nerven zeigen. Aber wie heißt es so schön: Und wenn Du denkst es geht nichts mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her!

Brigitte Braun-Michels