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Rohstoffpreise haben Tal durchschritten

Markt und Meinungen
12.12.2014

Führender Rohstoffanalyst sagt kurzfristige Stabilisierung voraus/ Für 2015 bleiben Preiszuwächse gedämpft

In den letzten Jahren haben sich die Rohstoffmärkte als relativ stabil erwiesen. Inzwischen stellt sich die Situation anders dar. Laut Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank, ist die Rohstoffhausse bereits vor drei Jahren zu Ende gegangen.

Als Grund führte der Fachmann im Rahmen einer Rohstofftagung vergangene Woche in Leipzig an, dass mittlerweile bei fast allen wichtigen Rohstoffen, wie zum Beispiel Rohöl, Kupfer und Weizen, Überkapazitäten entstanden seien. Infolgedessen hätte auch das Interesse der Anleger abgenommen. Das bedeute jedoch nicht, dass die Preise für Rohstoffe weiter fallen. Der stabile Aufwärtszyklus wäre allerdings unterbrochen und die Preise vorerst nach oben gedeckelt.

Rohölpreise auf Tiefststand

Beim Rohöl werden die Schwellenländer in den kommenden Jahren weiterhin die Nachfrage bestimmen und damit den Preis stabilisieren, so die Einschätzung Weinbergs. Außerdem wären die kurzfristig durch das Fracking erschlossenen Quellen endlich. Momentan befänden sich die Rohölpreise auf dem Tiefststand. Für 2015 rechnet der Analyst mit einem Durchschnittspreis von rund 85 US-Dollar/Barrel Sorte Brent. Der Durchbruch über die Marke von 100 US-Dollar würde vorerst auf sich warten lassen. Ein Grund sei auch, dass die Vereinigung Erdöl exportierender Länder (OPEC) ihre unterschiedlichen Interessen nicht vereinigen könnten.

Goldpreis stabilisiert sich

Gold sei im Grunde kein Rohstoff, sondern eher mit einer Währung zu vergleichen. Bestimmende Faktoren seien

  • der US-Dollar: Ein starker US-Dollar führt zu sinkenden Goldpreisen,
  • steigende Zinsen: Steigende Zinsen senken die Nachfrage nach Gold,
  • Steigende Aktien: Steigende Aktienwerte senken ebenso die Goldnachfrage.

 
Der Fachmann vermutet, dass diese Faktoren mittlerweile von den Anlegern eingepreist sind und geht wieder von einer Stabilisierung des Goldpreises aus.

Pessimismus bei Agrarrohstoffen

Bei den Agrarrohstoffen wäre die positive Stimmung der Anleger in eine pessimistische Grundhaltung übergegangen. Grund seien die extrem hohen Ernten der letzten beiden Jahre. Diese Faktoren sind jetzt, so Weinberg, eingepreist. Beim Weizen könnte man schon länger bessere Preise beobachten. Hinzu käme, dass sich die Anzeichen für das Wetterphänomen El Nino wieder stärker zeigten. Das könnte zu Ernteeinbußen in Australien und Südamerika führen und damit zu einer weiteren Stabilisierung der Preise.

Stabiler Preistrend bei Soja und Mais

Für Sojabohnen und Mais sei bei stabiler Nachfrage und einer weiter absehbaren Verbrauchssteigerung ohnehin mit einem langfristig stabilen Preistrend zu rechnen. Allein für China gehen Analysten zukünftig von einer Steigerung des Fleischverbrauchs von derzeit 50 kg/Kopf und Jahr auf 80 kg aus. Ein kg zusätzlich erzeugtes Fleisch würde einen achtmal höheren Getreideverbrauch nach sich ziehen. Allein begrenzender Faktor sei in Zukunft das Wasser. Über 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs würde allein die Getreideproduktion verbrauchen. Es bleibt abzuwarten, wie Erzeuger dies in Zukunft meistern werden.

Brigitte Braun-Michels