You are here

Share page with AddThis

Regenfälle sorgen für Ertragseinbußen

Markt und Meinungen
10.06.2013

Bisher haben Ausfälle keine Preiswirkung / Maisschläge besonders betroffen / Weizen könnte Qualitätsprobleme zeigen

Anhaltende Regenfälle bereiten nicht nur in Deutschland der Landwirtschaft Kopfschmerzen. Auch US-Farmer befürchten, dass die starken Niederschläge die Sojabohnenaussaat behindern könnten. Die Folge wäre eine geringere Aussaatfläche als bisher vermutet. Wachstums- und Ertragsrückstände könnten sich als weitere Konsequenz entpuppen.

Hierzulande sind rund zwei Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche von Hochwasser und Starkniederschlägen betroffen, schätzt das Bundeslandwirtschaftsministerium. Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Bauernverbandes (DBV) stehen in Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen insgesamt 150 000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche unter Wasser. Der Anteil der betroffenen Flächen könnte noch auf 250 000 ha steigen, wird in Verbandskreisen vermutet. Die zuletzt vom Deutschen Raiffeisenverband (DRV) geschätzte bundesweite Getreideernte von 45 Mio. t müsse um mindestens 10 Prozent auf 41 Mio. t reduziert werden, beziffert der DBV weiter. Besonders hoch werden die Auswirkungen der Dauernässe bei Kartoffeln, Rüben, Mais und Sonderkulturen eingeschätzt.

An den Börsen spiegeln sich diese Entwicklungen zu Wochenbeginn bei Weizen und Co. nicht wieder. In Chicago (CBOT) zeigen die Vorzeichen, nach einer Verschnaufpause, wieder die Farbe rot. Auch an der Pariser Matif (Nyse Euronext) setzt sich der negative Trend fort.

Die Rapskurse haben seit Anfang Juni etwa 20 €/t an der Matif verloren und notieren für August 2013 bei etwa 422 €/t. Die neue Ernte wird franko Mitteldeutschland um 390 bis 395 €/t besprochen. Weizen notiert an der Matif noch bei etwa 202 €/t und hat in den letzten fünf Tagen rund 5 €/t verloren. Mais notiert für November 2013 an der Matif nur noch bei gerundet 187 €/t.

Der von vielen Handelsbeteiligten vermutete stabile Preisverlauf der alten Ernte setzt sich ebenso wenig fort. B-Weizen alter Ernte wird franko Hamburg bei 225 €/t besprochen. Warum noch ausreichend Getreide für die Verarbeiter, trotz der vermutlich späteren Ernte 2013 und der knappen Bestände aus 2012 zur Verfügung steht, ist unsicher. Vermutet wird, dass billiger Mais verstärkt in den Mischungen eingesetzt wurde – auf Kosten von Futterweizen. Da die Weizenqualitäten in der letzten Saison insgesamt sehr gut ausgefallen sind, konnten sich die Mühlen auf "breiter Front" beim Weizen bedienen. Pleiten im Handel und eine verminderte Ethanolnachfrage haben außerdem hierzulande dazu geführt, dass zusätzliches Getreide auf den Markt geflossen ist. Ab mitteldeutscher Station wird Gerste Ernte 2013 von 160 bis 170 €/t besprochen, B-Weizen um 180 bis 185 €/t und A-Weizen 5 €/t darüber.

Frei nach dem Motto: ­Eine teure Ernte wird niemals alle" scheinen die Verarbeiter billiger bis an die neue Ernte zu kommen als bisher vermutet. Insgesamt bleibt der Markt sehr ruhig. Erzeuger, die bereits im November 2012 Weizen zur Ernte 2013 bei Werten um 210 €/t ab Station vermarktet haben, lassen sich jetzt kaum auf niedrigere Preise ein.

Ohne weitere Impulse fehlt den Märkten die Energie für große Erholungsphasen und es bleibt spannend, wo die Grenze für die Erntepreise 2013 nach unten gesetzt wird. Bleibt es in diesem Sommer weiterhin kühl und nass, sind Qualitätseinbußen sicher. Hier könnten Aufgelder erzielt werden. Erzeuger sollten jetzt realistisch auf die Preispotenziale für die Ernte 2013 blicken.

Brigitte Braun-Michels