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Rapspreise könnten wieder auf 350 € rutschen

Markt und Meinungen
23.09.2013

Argumente für steigende Preise fehlen / Saisondruck aus Übersee setzt sich an heimischen Märkten fort

Am Rapsmarkt ist derzeit kein "Blumentopf" zu gewinnen. Die europäische Bilanz bleibt knapp. Im Jahr 2011/12 waren die EU-Rapsbestände noch für 32 Tage ausreichend. In dieser Saison sind es rund zehn Tage weniger. Dennoch rutschen die Notierungen weiter nach unten. Der entscheidende Faktor bleibt der Sojabohnenmarkt. Schon seit Wochen hängen die Rapspreise in ihrer Entwicklung ausschließlich am Tropf dieses Leitmarktes. Und "Aufstiegsargumente" sind kaum abzusehen. Chartanalysten beschreiben, dass die in Chicago (CBOT) gelistete Bohne die untere Begrenzung von 13,40 $/Scheffel durchschritten hat. Damit sind weitere Preisabwärtsbewegungen vorprogrammiert.

Gestützt wird diese Entwicklung kurzfristig von den Wettermärkten. Einsetzende Regenfälle in wichtigen US-Anbaugebieten führen zu verbesserten Aussichten für die spätreifen Bohnenpflanzen. Auch die eigentlich preisstützenden Berichte aus dem US-Ministerium (USDA), welche die große US-Sojabohnenernte gedeckelt haben, waren nicht ausreichend für eine nachhaltige Preisstabilisierung. Jetzt setzt sich die typische regionale Schwäche durch, sprich der Beginn der US-Bohnenernte. Analysten vermuten deshalb einen weiteren Abbau von Netto-Long-Positionen der Marktteilnehmer, die damit ihrer negativen Markteinschätzung Ausdruck verleihen.

Der Ölmarkt liefert ebenso wenig "Kraftstoff" für bessere Preise. Aufgrund einer kontinuierlich steigenden Palmölproduktion (plus 3,5 Mio. t), vor allem in Indonesien, auf mittlerweile 31 Mio. t/Jahr (Malysia der zweitwichtigste Produzent liefert wie im Vorjahr 19 Mio. t/Jahr) ist der Markt satt mit günstigen Öl versorgt, zum Nachteil von Rapsöl.

Über die "Versprittung" zu Biodiesel bleiben die Ölsaatennotierungen auch mit dem Rohölmarkt verquickt. Politische Unruhen und nicht gelöste Konjunkturfragen lassen auch hier den Kursen unterm Strich wenig Spielraum nach oben. Auf dem europäischen Parkett spielt die Biodieselindustrie eine entscheidende Rolle. Immerhin sichert die Beimischungsgrenze von sechs Prozent einen stabilen Absatz. Der Ausgang der Biodieselverwendung bleibt dennoch politischer Willkür ausgesetzt.

Marktbeobachter gehen durch die Bank davon aus, dass dem Rapsmarkt kurzfristig jegliche Impulse fehlen. Bei einer großen Ernte in der EU, wie im Schwarzmeerraum und ebensolchen Nachrichten aus Kanada und Australien fehlen schlicht die Argumente.

Jetzt müssen die Ernten in den USA und ab Jahresende in Südamerika durchgestanden werden. Bis dahin können die Preise an der Matif durchaus weiter purzeln. Neues Spiel, neues Glück wird es vielleicht erst wieder zur neuen Saison geben. In Deutschland beschreiben Saatgutfirmen, dass die Rapsanbaufläche in Deutschland ihren Zenit überschritten hat und rechnen für 2014 mit einer Reduzierung der Anbaufläche um vier bis fünf Prozent auf 1,38 bis 1,4 Mio. ha. Auch in anderen Teilen dieser Welt sorgen gedämpfte Preise für ein beruhigtes Anbauvolumen. Gleichzeitig wird der Konsum mit steigender Weltbevölkerung nach Proteinen und Ölen hoch bleiben.

Erzeuger, die noch wenig Menge veräußert haben, müssen sich unter Umständen einer langen Durststrecke bewusst sein, die einer neuen Aufwärtsbewegung der Rapspreise bevorstehen könnte. Das Sicherstellen der betrieblichen Liquidität bleibt oberstes Gebot und daran sollte jeder seine Risikobereitschaft bemessen, auch für die kommende Saison!

Brigitte Braun-Michels