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Rapsnotierungen für „alte“ Ware schießen durch die Decke

Markt und Meinungen
14.04.2014

Ernte 2014 muss üppige Erträge bringen/ Kurse weichen 60 €/t voneinander ab

Die April- Schätzung der weltweiten Lagervorräte durch das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) für das laufende Erntejahr 2013/14 wartet auf den ersten Blick nur mit „kleinen“ Korrekturen auf.

Die weltweiten Lagervorräte beim Weizen werden um etwa 3 Mio. t aufgestockt. Die globalenMaisbestände bleiben in der laufenden Saison mit 158 Mio. t auf dem Niveau des Vormonats. Die US-Maisvorräte werden jedoch, wegen höherer Exporte um gut 3 Mio. t auf 33,8 Mio. t nach unten gesetzt. Das Verhältnis der Bestände zu Verbrauch sinkt auf 9,9 Prozent. Bei den Sojabohnen werden in der neuen Schätzung die ohnehin knappen globalen Bestände weiter reduziert auf 69,4 Mio. t.

In den USA, die in dieser Saison wieder knapp 90 Mio. t Sojabohnen produziert haben und damit weltweit an erster Stelle rangieren, sinken laut aktueller Schätzung die Sojabohnenendbestände weiter. Mit knapp 3,7 Mio. t liegen diese auf dem niedrigsten Niveau seit zehn Jahren. Grund sind die ungehindert hohen Exporte, die ein Spitzenniveau von 43 Mio. t erreicht haben. Zu Deutsch: Die Hälfte der in den USA produzierten Ölfrucht wird ausgeführt und zwar vornehmlich Richtung China (69 Mio. t Einfuhren) und Europa (12,3 Mio. t Einfuhren). Das dürfte auch in Zukunft so bleiben.

Bei der Rapssaat sind Europa mit rund 21 Mio. t und Kanada mit 18 Mio. t die größten Produzenten der Welt. Kanada liegt beim Export vorne, mittlerweile mit 8 Mio. t. In Europa konnte sich der Export in dieser Saison wieder auf 300.000 t steigern. Mehr ist nicht verfügbar, weil der „interne“ Verbrauch entsprechend hoch ist. Europas Endbestände sinken dabei auf geschätzte 1,8 Mio. t.

Die anhaltend knappe Versorgungssituation beim Raps spiegelt sich an den Börsen eins zu eins wieder. Die Notierungen für die Ölfrucht aus der „alten“ Ernte schießt regelrecht durch die Decke. Mit 417 €/t ist alter Raps an der Börse rund 50 €/t teurer als Raps zur Ernte 2014. Zusätzlich werden am Kassamarkt noch Prämien bei den Ölmühlen von etwa 10 €/t erzielt. Makler hatten noch vor Wochen eine solche Entwicklung in Frage gestellt. Jetzt sieht es so aus, dass Ware bis zur Rapsernte im Sommer knapp verfügbar bleibt. Ob und vor allem wie lange diese „Hochphase“ noch anhält, bleibt abzuwarten. In zwei Wochen wird der Mai-Kontrakt an der Pariser Matif über Bord gehen. Dann zeigt sich, ob die Notierungen für die Ware zur Ernte 2014 mit hochgezogen werden oder eine Abwärtskorrektur erfolgt. Beides halten Marktbeteiligte für möglich.

Zünglein an der Waage sind zum jetzigen Zeitpunkt die Wettermärkte. Bisher prahlen die Bestände in Europa, weil der Winter sich von seiner milden Seite gezeigt hat. Trockenheit kann die europäische Euphorie aber schnell zunichtemachen. Zweiter wichtiger Faktor bei den Rapsnotierungen dürfte diegeplante Flächenausdehnung in Kanada sein. Am Ölsaatenleitmarkt, den Notierungen für die Sojabohne, zeichnet sich ebenso eine Flächenausdehnung zur kommenden Saison ab. Die geht in erster Linie von Südamerika (Brasilien) aus.

Sollten in den kommenden Wochen die Rapsnotierungen von unvorteilhaftem Wetter profitieren, wäre eine weitere Teilveräußerung ratsam. Zeigt sich das Klima für die Kulturen förderlich, gilt es, die aktuellen Preise sicherzustellen. Eine intensive Marktbeobachtung wird sich in der nächsten Zeit sicher „rechnen“!

Brigitte Braun-Michels