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Rapskurse erholen sich leicht

Markt und Meinungen
19.08.2013

Sojabohne ist Impulsgeber / Deutsche Rapsernte liegt 1 Mio. t über Vorjahr

Die Rapsernte in Deutschland ist so gut wie abgeschlossen und es zeichnen sich Spitzenerträge ab. Neueste Erhebungen des Deutschen Raiffeisenverbandes beziffern, dass deutsche Erzeuger im Durchschnitt rund 4 t/ha Raps geerntet haben (Vorjahr 3,7 t/ha). Insgesamt werden danach in Deutschland 5,9 Mio. t Raps geerntet. Das sind 1 Mio. t mehr als im Vorjahr. Der Handel bestätigt die guten Erträge. Im Rheinland und in Mitteldeutschland wird von 4,5 bis 6 t/ha berichtet. In Bayern und 5 t/ha von Acker geholt worden sein. Auch in der Ukraine melden staatliche Behörden Spitzenerträge, sowohl beim Getreide, wie auch beim Raps an. Lediglich in Frankreich, dem zweitgrößten Rapserzeuger in der EU, wird wegen des Flächenrückganges mit einer geringeren Rapsernte gerechnet. Insgesamt fällt die europäische Rapsernte mit 20,5 Mio. t um 1 Mio. t höher als im Vorjahr aus. Selbst Canada steht, so bisherige Schätzungen, vor einer sehr guten Saison von etwa 15,3 Mio. t erwarteter Canolarapsernte (VJ 13,3 Mio. t).

Die Preiswirkung dieser Zahlen liegt auf der Hand. Nachdem die Rapskurse noch bis in den Mai kurz vor 500 €/t an der Pariser Matif (Nyse, Euronext) notiert haben, sind die Werte kurzfristig auf ein Dreijahrestief von knapp über 350 €/t gesunken. Aktuell haben sie sich wieder auf ein Niveau über 370 €/t erholt. Ist die Durststrecke jetzt überwunden?

Rein bilanziell bleiben die Rapsbestände weltweit mit insgesamt 3,12 Mio. t auf einem historischen Tief, welches im letzten Jahr nur leicht unterschritten wurde. Aufgrund dieser Zahlen waren sich Erzeuger wohl ihrer Sache ziemlich sicher und sind mit Vorverträgen zur Saison 2013/14 sehr viel zurückhaltender gewesen als noch im Jahr zuvor. Das hat den Erntedruck verschärft, denn überschüssige, nicht lagerfähige Ware musste kurzfristig an den Mann gebracht werden. Aus Prämien der Ölmühlen sind Ernteabschläge von bis zu 5 €/t zur Matifnotierung geworden. Auch der Pflanzenölmarkt tut sich schwer. Die Margen der Ölmühlen bleiben vor diesem Hintergrund selbst bei erniedrigten Rapspreisen eng. Schließlich sind hierzulande die Auswirkungen des zusammengebrochenen Biodieselmarktes unweigerlich zu spüren.

Entscheidender Einflussfaktor auf die Rapsnotierungen ist aber die Preisentwicklung der Sojabohne. Mit bekannt werden hoher Aussaatflächen der US-Bohne und anhaltend guten Witterungsbedingungen wurde eine kontinuierliche Abwärtsbewegung der Kurse eingeleitet. Die Rapspreise sind dem Leitmarkt eins zu eins gefolgt. So lässt sich auch die jüngste Preiserholung der Rapskurse zu Beginn dieser Woche erklären. Die Sojabohne wurde vom neuen Bericht aus dem US-Ministerium (USDA-Bericht), der Ende letzter Woche erschienen ist, in die Höhe getrieben. Grund: Die hohen US-Ernterwartungen bestätigen sich wohl nicht und die Endbestände werden bei anhaltend hohen Exporten herabgesetzt. Der Aufwärtstrend hält in dieser Woche an, sowohl bei der Bohne, wie auch bei den Rapsnotierungen.

Wie sich die Rapspreise in den nächsten Wochen entwickeln wird weiter von der Bohne bestimmt. Sollten die US-Ernteerwartungen noch mehr gedämpft werden, ist es möglich, dass die Matif wieder Kurse von 400 €/t zeigt. Bleibt es bei den guten Ertragserwartungen und trüben begrenzte Konjunkturhoffnungen weiter den Pflanzenölmarkt, sind 350 €/t für die Rapssaatnotierung in Paris durchaus realistisch. Dass Erzeuger mit Lagermöglichkeiten den "überfüllten" Rapsmarkt derzeit nicht weiter bedienen, ist eine richtige Entscheidung. Darauf zu hoffen, die Preisbäume für die Rapsnotierungen würden wieder in den Himmel wachsen, erscheint derzeit jedoch unrealistisch.

Brigitte Braun-Michels